Patrick Steeger

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Bild zeigt Patrick Steeger, Geschäftsführer vom bKV Firmenservice
zuletzt aktualisiert: 7. April 2026

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Mitarbeiterzufriedenheit in der Pflege: Zahlen, Daten und Fakten aus Deutschland

Sie führen eine Pflegeeinrichtung oder einen ambulanten Dienst. Sie verlieren Mitarbeiter, die Fluktuation ist hoch, die Krankenstände explodieren. Sie fragen sich: Wie schlimm ist es wirklich?

Die Antwort: schlimm. Pflegekräfte haben die höchsten Fehlzeiten aller Branchen (28,5 Tage im Jahr 2024), fast die Hälfte denkt über einen Berufsausstieg nach, und ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen alle aktuellen Zahlen zur Mitarbeiterzufriedenheit in der Pflege, die Hauptgründe für den Fachkräftemangel und was Pflegekräfte wirklich im Beruf hält.

Übersicht: Beschäftigungsstruktur in der Pflege

In Deutschland arbeiten circa 1,72 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Pflegeberufen (Stand: Mai 2025). Das Wachstum betrug im Jahr 2024 gegenüber 2023 plus 1,78 Prozent. Etwas mehr als 4 von 5 Beschäftigten sind Frauen (über 80 Prozent), die Teilzeitquote liegt bei rund 50 Prozent (Deutschland gesamt: 31 Prozent).

Beschäftigte in der Pflege nach Qualifikation:

  • Examinierte Fachkräfte: 62 Prozent (circa 1,07 Millionen)
  • Pflegehelferinnen und Pflegehelfer: 31 Prozent (circa 537.000)
  • Spezialistinnen, Spezialisten, Expertinnen und Experten in Führung: 7 Prozent (circa 123.000)

Wo arbeiten Pflegekräfte in Deutschland?

  • Kliniken/Krankenhäuser: circa 714.000 (2 von 5 aller Pflegenden)
  • Stationäre Pflege: circa 520.000 (30 Prozent)
  • Ambulante Pflege: circa 297.000 (17 Prozent)

Der Anteil ausländischer Pflegekräfte lag im Jahr 2024 bei 18 Prozent (circa 307.000). Der Anstieg gegenüber dem Ausgangsjahr betrug plus 222.000 Beschäftigte. Wichtig zu wissen: Seit 2022 wird das Beschäftigungswachstum in der Pflege ausschließlich durch ausländische Fachkräfte getragen.

Arbeitslosigkeit und Leiharbeit in Pflegeberufen

Im Jahr 2024 waren rund 56.000 Personen in Pflegeberufen arbeitslos gemeldet (13 Prozent mehr als 2023 mit 49.000). Fast 8 von 10 suchten eine Tätigkeit auf Helferniveau (circa 43.000). Die Arbeitslosenquote der Pflegefachkräfte liegt bei 1,1 Prozent – extrem niedrig.

Leiharbeit spielte im Jahresdurchschnitt 2024 eine untergeordnete Rolle: 37.000 Leiharbeitende in Pflegeberufen (minus 6.000 gegenüber Vorjahr). Der Anteil an allen Pflegebeschäftigten: knapp 2 Prozent.

Wie hoch sind Krankenstand und Fehlzeiten in der Pflege?

Die Techniker Krankenkasse hat im Mai 2025 Daten zum Krankenstand bei Pflegekräften veröffentlicht. Die Zahlen sind erschreckend.

Durchschnittliche Fehltage im Jahr 2024

Pflegekräfte haben die höchsten Fehlzeiten:

GruppeDurchschnittliche Fehltage 2024
Alle Pflegekräfte28,5 Tage
Altenpflegekräfte33,1 Tage
Krankenpflege26,7 Tage
Alle Beschäftigtengruppen (Vergleich)18,2 Tage

Altenpflegekräfte fehlen im Durchschnitt 33,1 Tage pro Jahr. Das sind fast 7 Wochen. Alle Pflegekräfte zusammen fehlen 28,5 Tage, während der Durchschnitt aller Beschäftigtengruppen bei 18,2 Tagen liegt.

Die häufigsten Ursachen für Krankschreibungen in der Pflege:

  • Psychische Diagnosen: 5,7 Tage
  • Erkrankungen des Atmungssystems: 5,7 Tage
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen: 4,9 Tage

Gesamt-Krankenstand Deutschland im Jahr 2025

Das IGES Institut hat im Auftrag der DAK-Gesundheit den Krankenstand für das Jahr 2025 ausgewertet (Basis: Daten von 2,4 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten). Der Gesamt-Krankenstand lag bei 5,4 Prozent (unverändert gegenüber Vorjahr). Die durchschnittlichen Fehltage über alle Branchen betrugen 19,5 Tage pro Kopf. Psychische Erkrankungen zeigten den stärksten Anstieg mit plus 6,9 Prozent gegenüber Vorjahr.

Die Pflege hatte in der ersten Jahreshälfte 2023 den höchsten Krankenstand aller Branchen deutschlandweit.

Krank zur Arbeit gehen: 4 von 10 Pflegekräften arbeiten trotz Krankheit

Die BARMER veröffentlichte im März 2024 eine Pressemitteilung mit erschreckenden Zahlen: 4 von 10 Pflegekräften gehen häufig krank zur Arbeit. Besonders betroffen: Pflegepersonal mit mehr als 16 Jahren Betriebszugehörigkeit.

Fast die Hälfte gab an, häufig oder sehr häufig trotz Krankheit zu arbeiten. Die Studie zeigt einen direkten Zusammenhang mit Stress, mangelhafter Unternehmenskultur und Arbeitszufriedenheit.

Wie hoch ist die Mitarbeiterzufriedenheit in der Pflege?

Die Mitarbeiterzufriedenheit in der Pflege lässt sich am besten durch zwei Zahlen beschreiben: Wie viele denken über einen Berufsausstieg nach? Und wie viele würden den Beruf wieder ergreifen?

Fast die Hälfte denkt über einen Berufsausstieg nach

Die myneva Group hat im September 2025 eine Trendstudie Pflege und Soziales veröffentlicht (Civey, 2.505 Befragte, 7 europäische Länder). Die zentralen Ergebnisse:

ErgebnisWert
Denken über Berufsausstieg nach49,3 Prozent
Nennen direkten Kontakt mit Menschen als Hauptmotivationüber 60 Prozent
Möchten aktiven gesellschaftlichen Beitrag leistenüber 50 Prozent
Arbeiten bereits in vollständig digitalem Umfeld18,6 Prozent
Sehen KI als sinnvolle Entlastungüber 70 Prozent

Fast die Hälfte der Pflegekräfte denkt über einen Berufsausstieg nach. Die Hauptgründe: Stress, unzureichende Bezahlung, fehlende Wertschätzung.

DBfK-Umfrage: 28,8 Prozent denken oft an Berufsausstieg

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe hat im Mai 2024 Ergebnisse seiner Umfrage „Pflege, wie geht es dir?“ veröffentlicht (6.139 beruflich Pflegende). Die Ergebnisse zeigen ein gespaltenes Bild:

ErgebnisWert
Empfinden Beruf als sinnstiftend84 Prozent
Würden Beruf erneut ergreifen59 Prozent
Denken oft (mehrfach pro Monat, wöchentlich, täglich) an Berufsausstieg28,8 Prozent
Möchten Kompetenzen erweitern68 Prozent
Bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen78 Prozent

84 Prozent empfinden ihren Beruf als sinnstiftend, aber nur 59 Prozent würden ihn erneut ergreifen. 28,8 Prozent denken oft an einen Berufsausstieg. Besonders relevant: Unter denen, die ihre Kompetenzen nicht einbringen können, denken 46 Prozent überdurchschnittlich oft an einen Berufsausstieg.

Internationale Pflegefachpersonen in Deutschland: 77 Prozent haben weniger Befugnisse als im Herkunftsland

Der DBfK veröffentlichte im Mai 2025 Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 3.000 Pflegenden zu internationalen Pflegeteams. Die Zahlen sind alarmierend:

  • 77 Prozent der im Ausland ausgebildeten Pflegekräfte gaben an, in Deutschland weniger Befugnisse als im Herkunftsland zu haben
  • 39 Prozent würden Kolleginnen und Kollegen im Herkunftsland nicht empfehlen, nach Deutschland zu kommen
  • 82 Prozent: im Berufsalltag nicht ernst genommen
  • 79 Prozent: Kompetenz angezweifelt
  • 53 Prozent: rassistische Beleidigungen erlebt
  • 56 Prozent: körperliche Angriffe erlebt

Psychische Gesundheit: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen

Die WHO/Europa hat im Oktober 2025 zum Welttag der psychischen Gesundheit die bisher größte Erhebung zur psychischen Gesundheit von Pflegenden veröffentlicht (90.171 Befragte, 29 Länder). Die Studie trägt den bezeichnenden Titel „Heilende Hände, verletzte Seelen“.

Die wichtigsten Ergebnisse:

BefundWert
Leiden unter Symptomen von Depression oder Angststörungen1 von 3 aller Pflegenden
Prävalenz psychischer Erkrankungen versus Allgemeinbevölkerung5-fach höher
Berichten von Suizidgedanken13 Prozent
Suizidgedanken verglichen mit Allgemeinbevölkerung2-fach häufiger
Erleben regelmäßig Aggressionen von Patienten/Angehörigen70 Prozent
Wurden gemobbt oder bedroht1 von 3
Erleben körperliche Gewalt oder sexuelle Belästigung10 Prozent
Arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche (Pflege)16 Prozent
Leisten regelmäßige Nacht- oder Wechselschichtenüber 50 Prozent
Haben befristete Arbeitsverträge (Pflegekräfte)25 Prozent
Denken daran, Arbeitsplatz aufzugeben (je nach Land)11 bis 34 Prozent
Waren mit Depressionssymptomen im vergangenen Jahr krankgeschriebenbis zu 40 Prozent

Ein Drittel aller Pflegenden leidet unter Depressionen oder Angststörungen. Die Prävalenz psychischer Erkrankungen liegt 5-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. 13 Prozent berichten von Suizidgedanken, doppelt so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung.

Trotz allem positiv: 3 von 4 Ärzten und 2 von 3 Pflegekräften sind überzeugt, eine sinnvolle Arbeit zu haben.

DAK Psychreport 2025: Pflegefachkräfte mit höchster psychischer Erschöpfung

Die DAK-Gesundheit hat im Psychreport 2025 (Basis: 2,42 Millionen Krankschreibungen von DAK-Versicherten) festgestellt: Pflegefachkräfte weisen die höchste psychische Erschöpfung unter allen sozialen Interaktionsberufen auf. Besonders betroffen: Altenpflege.

Belastungsdaten aus dem DAK-Gesundheitsreport 2023

Der DAK-Gesundheitsreport 2023 zeigt die konkreten Belastungen im Arbeitsalltag:

  • 45 Prozent der Pflegefachpersonen berichten von regelmäßigem Personalmangel in ihrem Arbeitsumfeld
  • 74 Prozent der beruflich Pflegenden: Arbeit mit vorhandenem Personal nur unter großen Anstrengungen schaffbar
  • Bei Altenpflegerinnen und Altenpflegern: 65 Prozent trifft dies ebenfalls zu
  • 54 Prozent der befragten Pflegefachpersonen geben an, müde und erschöpft zu sein
  • 35 Prozent waren von nächtlichen Schlafstörungen und Muskel-Skelett-Beschwerden betroffen

Was Pflegekräfte wirklich wollen: BMG-Studie mit über 5.500 Befragten

Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Mai 2023 Ergebnisse einer der größten Pflegestudien der vergangenen zehn Jahre veröffentlicht (über 5.500 Befragte, Beauftragung 2020, Ergebnisse 2023). Die Studie zeigt: Bezahlung ist wichtig, aber nicht alles.

Bezahlung: Für nahezu alle Pflegenden ist angemessene Bezahlung ein zentraler Punkt für einen attraktiven Arbeitsplatz.

Digitalisierung: 80 Prozent wünschen sich stabilen Internetzugang auf Arbeit, 75 Prozent wollen elektronische Patientenakte. Eine deutliche Mehrheit fordert elektronische Pflegedokumentation.

Personalzusammensetzung: Fast 90 Prozent der Befragten sagen, Personalzusammensetzung am tatsächlichen Pflegebedarf bedeutet deutlich höhere Berufsattraktivität. Über 80 Prozent begrüßen Unterstützung durch Hilfskräfte.

Vereinbarkeit Familie und Beruf: 79 Prozent wünschen sich Betriebskita, 76 Prozent Ferienbetreuung, 58 Prozent Abhol- und Bringdienste für Schul- oder Kita-Kinder.

Weiche Faktoren (entscheidend!): Teamstimmung, Wertschätzung und Führungsstil der Vorgesetzten haben häufig höheren Einfluss auf Arbeitsplatzzufriedenheit als Bezahlung und Sachleistungen.

Bei Führungsstil und Wertschätzung: deutlicher Nachholbedarf. Häufige Personalwechsel in Führungsebene führen zu geringerer Zufriedenheit.

Institut der deutschen Wirtschaft: 82 Prozent bewerten Arbeitsklima als entscheidend

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (zitiert von fokus-d.de, 31.03.2026) zeigt: 82 Prozent der Pflegekräfte bewerten das Arbeitsklima als entscheidend für ihren Verbleib im Betrieb.

Was Pflegende frustriert: Hans-Böckler-Stiftung wertet 11 Studien aus

Die Hans-Böckler-Stiftung hat im Mai 2025 eine Metaanalyse veröffentlicht (Studie Trumpa/Schöner, publiziert in: Sozialrecht und Tarifbindung). Die Wissenschaftlerinnen werteten 11 Studien (2018 bis 2023) aus und benannten folgende Hauptursachen der Unzufriedenheit, jenseits von Vergütungsfragen:

  • Verlässlicher Schichtplan plus Mitsprache bei Dienstplanung (Beruf-Familien-Vereinbarkeit)
  • Unterbesetzte Schichten: zu wenig Zeit für Patienten, keine Pausen
  • Bürokratie und Dokumentationspflichten: zermürbende Wirkung
  • Wertschätzung durch Vorgesetzte (in Krankenhäusern auch durch Ärzte)
  • Kollegialität im Team
  • Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
  • Fehlende Angebote zur Stressbewältigung oder Supervision

Historische Vergleichsdaten zeigen die Dramatik:

  • Im Jahr 2019: 40 Prozent von über 2.000 Befragten dachten mehrmals pro Monat an Arbeitgeberwechsel
  • Im Jahr 2019: 35 Prozent spielten regelmäßig mit Gedanken, gänzlich anderen Beruf zu ergreifen
  • Im Jahr 2021 (bayerische Pflegedienste): 59 Prozent hegten häufig den Gedanken an Berufsausstieg

Das Fazit der Wissenschaftlerinnen: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit.“

Verbesserungen wirken schnell: IGES-Studie Langzeitpflege

Eine IGES-Studie im Auftrag des BMG (Implementierungsphase, 2023) zeigt: Verbesserungen wirken schnell. Bereits nach 6 Monaten mit verbesserten Arbeitsbedingungen sagten 80 Prozent der Befragten, mit den Arbeitgeber-Bemühungen sehr zufrieden (26 Prozent) oder zufrieden (53 Prozent) zu sein. Das trotz schwieriger Rahmenbedingungen (Corona-Pandemie während Studienphase).

Wie viele Pflegefachkräfte fehlen aktuell in Deutschland?

Das Statistische Bundesamt hat im Januar 2024 eine Pflegekräftevorausberechnung für die Jahre 2019 bis 2049 veröffentlicht. Die Zahlen sind dramatisch.

Fehlende Pflegekräfte bis zum Jahr 2049

Zwei Szenarien:

SzenarioFehlende Pflegekräfte bis 2049
Optimistisch (Trendvariante)280.000
Pessimistisch (Status-Quo)690.000
Gesamtbedarf 20492,15 Millionen (1 von 3 mehr als 2019)

Selbst im optimistischen Szenario fehlen bis 2049 mindestens 280.000 Pflegekräfte. Im pessimistischen Szenario sind es 690.000.

Der Zusatzbedarf nach Bereichen:

  • Ambulante Dienste: plus 180.000 (plus 60 Prozent)
  • Pflege-, Alten-, Behindertenheime: plus 240.000 (plus 39 Prozent)
  • Krankenhäuser: plus 100.000 (plus 14 Prozent)

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis 2055 auf circa 7,6 Millionen steigen (Anstieg um 2,1 Millionen gegenüber 2023).

Baby-Boomer-Effekt verschärft die Lage ab 2029

Der DAK-Pflegereport 2024 (April 2024) zeigt die dramatische Entwicklung:

  • Arbeitsmarktreserve Pflege bundesweit: 2,0 Prozent (2025) sinkt auf 0,5 Prozent (2030)
  • In den nächsten 10 Jahren gehen circa 21,9 Prozent des Pflegepersonals in Rente (249.500 Personen)
  • Kipppunkte bereits 2029 in Bremen und Bayern: mehr Berufsaustritte als Nachwuchs

Bundesagentur für Arbeit: Pflege gehört zu stärksten Engpässen

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte 2025 ihre Fachkräfteengpassanalyse 2024. Die Ergebnisse:

  • 163 von circa 1.200 bewerteten Berufen zeigen Fachkräfteengpass (jeder achte Beruf)
  • Zu den stärksten Engpässen 2024 zählen weiterhin Pflege- und Gesundheitsberufe
  • 44 Prozent der gemeldeten Freistellen in stationären Pflegeeinrichtungen/ambulanter Pflege
  • 16 Prozent von Krankenhäusern

Krankenhäuser können Stellen nicht besetzen: BDO/DKI-Studie 2023

Eine Studie von BDO/DKI aus dem Jahr 2023 zeigt die konkrete Situation in Krankenhäusern:

  • 94 Prozent der Krankenhäuser: Offene Stellen auf Allgemeinstationen nicht besetzbar
  • Auf 75 Prozent der Intensivstationen vakante Stellen in der Intensivpflege
  • In 2 von 3 Krankenhäusern mit Pädiatrie: Kinderkrankenpflegestellen unbesetzt

Was sind die Hauptgründe für den Fachkräftemangel in der Pflege?

Die Hauptgründe lassen sich in vier Kategorien einteilen:

  • Hohe Arbeitsbelastung und chronische Unterbesetzung: 74 Prozent der beruflich Pflegenden sagen, die Arbeit ist mit vorhandenem Personal nur unter großen Anstrengungen schaffbar. 45 Prozent berichten von regelmäßigem Personalmangel.
  • Psychische Belastung und Burnout: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen (5-fach höher als Allgemeinbevölkerung). 54 Prozent geben an, müde und erschöpft zu sein.
  • Mangelnde Wertschätzung und schlechter Führungsstil: Teamstimmung, Wertschätzung und Führungsstil haben oft höheren Einfluss auf Zufriedenheit als Bezahlung. Bei Führungsstil und Wertschätzung: deutlicher Nachholbedarf.
  • Unzureichende Bezahlung: Für nahezu alle Pflegenden ist angemessene Bezahlung ein zentraler Punkt. Der CW-Index zeigt: Hohes Kompetenzprofil plus hohe Anforderungen bei gleichzeitig niedrigem Lohn im Vergleich zu Berufen mit niedrigerem Anforderungsprofil.

Warum verlassen so viele die Pflege?

Die Gründe für den Berufsausstieg sind vielfältig:

  • Stress und Überlastung: 74 Prozent schaffen die Arbeit nur unter großen Anstrengungen, 54 Prozent sind müde und erschöpft.
  • Fehlende Work-Life-Balance: Keine verlässliche Dienstplanung, keine Mitsprache bei Einsatzplanung, zu viele Nacht- und Wechselschichten (über 50 Prozent leisten regelmäßig Nacht- oder Wechselschichten).
  • Keine Möglichkeit, Kompetenzen einzubringen: Unter denen, die ihre Kompetenzen nicht einbringen können, denken 46 Prozent überdurchschnittlich oft an Berufsausstieg.
  • Gewalt und Aggression: 70 Prozent erleben regelmäßig Aggressionen von Patienten/Angehörigen, ein Drittel wurde gemobbt oder bedroht, 10 Prozent erleben körperliche Gewalt oder sexuelle Belästigung.

70 Prozent der rund 32.000 ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sind nicht an Telematikinfrastruktur angeschlossen, obwohl Anbindung seit Juli 2025 verpflichtend ist.

Nur 18,6 Prozent arbeiten in vollständig digitalem Umfeld.

Potenzial: 300.000 bis 660.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte möglich

Die Hans-Böckler-Stiftung, Arbeitnehmerkammer Bremen und IAT Westfälische Hochschule haben im Mai 2022 eine Studie „Ich pflege wieder, wenn…“ veröffentlicht (12.684 Befragte). Die Ergebnisse zeigen ein enormes Potenzial:

ErgebnisWert
Potenzial zusätzlicher Vollzeit-Pflegekräfte (konservativ)mindestens 300.000
Potenzial zusätzlicher Vollzeit-Pflegekräfte (optimistisch)bis zu 660.000
Ausgestiegene Pflegekräfte: schließen Wiedereinstieg nicht aus88,2 Prozent
Teilzeitkräfte: bereit zur Arbeitszeiterhöhungknapp 50 Prozent
Ausgestiegene: bereit zur Rückkehrgut 60 Prozent
Gewünschte Arbeitszeiterhöhung Teilzeit (Median)10 Stunden pro Woche
Gewünschte Wochenstunden bei Rückkehr (Median)30 Stunden pro Woche

Die Voraussetzung: Deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen (bessere Personaldecke, verlässliche Dienstpläne, angemessene Bezahlung, Wertschätzung).

Wie hoch ist die Fluktuation in Pflegeeinrichtungen?

Oracle und die Healthcare Advocacy Group MGMA haben im März 2023 Fluktuationsraten für verschiedene Segmente veröffentlicht (Daten 2022):

SegmentFluktuationsrate 2022
Krankenhäuser19,5 Prozent
Häusliche Pflegedienstleister65 Prozent
Pflegeheime94 Prozent

Hinweis: Diese Daten beziehen sich auf US-amerikanische Einrichtungen. Für Deutschland werden Fluktuationsraten von 19,5 Prozent in Krankenhäusern und bis zu 94 Prozent in Pflegeheimen ebenfalls in deutschen Branchenquellen als Vergleichswert aufgeführt.

Die Fluktuation in Pflegeheimen liegt bei 94 Prozent. Das bedeutet: Fast alle Mitarbeiter verlassen innerhalb eines Jahres das Unternehmen.

Wie hoch sind die Gehälter und Vergütung in der Pflege?

StepStone hat im Januar 2026 den Gehaltsreport 2026 veröffentlicht (Basis: über 1,3 Millionen Datensätze). Die Zahlen für Gesundheits- und Pflegeberufe:

Mediangehälter nach Berufsgruppen (Brutto pro Jahr)

BerufsgruppeMediangehalt 2026 (brutto pro Jahr)
Gesundheits- und Pflegeberufe gesamt53.000 Euro
Gesundheits- und Krankenpflege, Rettung, Geburtshilfe58.000 Euro
Altenpflege52.250 Euro
Arzt- und Praxishilfe49.000 Euro
Ärztinnen und Ärzte105.500 Euro
Berufseinsteiger (unter 1 Jahr Erfahrung, Pflege)46.250 Euro
Erfahrene Pflegende (über 25 Jahre)60.000 Euro

Das Mediangehalt für Gesundheits- und Pflegeberufe liegt bei 53.000 Euro brutto pro Jahr. Altenpflege verdient weniger: 52.250 Euro. Berufseinsteiger starten bei 46.250 Euro, erfahrene Pflegende mit über 25 Jahren Berufserfahrung kommen auf 60.000 Euro.

Regionale Unterschiede sind erheblich

Die Gehälter schwanken stark je nach Bundesland:

  • Sachsen: 49.500 Euro
  • Sachsen-Anhalt/Thüringen: 49.750 Euro
  • Hessen/Baden-Württemberg/Bayern: 54.500 Euro
  • Hamburg: 56.750 Euro

Zwischen Sachsen (49.500 Euro) und Hamburg (56.750 Euro) liegen 7.250 Euro Unterschied pro Jahr.

Betriebsgröße beeinflusst Gehalt

Kleine Organisationen (unter 50 Mitarbeiter) zahlen 48.250 Euro. Große Organisationen (501 bis 5.000 Mitarbeiter) zahlen 59.000 Euro. Der Unterschied: 10.750 Euro pro Jahr.

Gender Pay Gap Pflege im Jahr 2026

Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt bei 9,3 Prozent (Männer 56.250 Euro, Frauen 51.000 Euro). Der bereinigte Gap (gleiche Qualifikation, Branche, Position) liegt bei 4,4 Prozent.

Gehälter nach konkreten Berufsbezeichnungen

StepStone veröffentlicht auch Gehaltsdaten für spezifische Berufsbezeichnungen (Stand April 2026):

Pflegekraft (allgemein):

Brutto pro JahrNetto pro Jahr (Steuerklasse I)Netto pro Monat
Minimum28.500 Eurocirca 18.525 Eurocirca 1.544 Euro
Median33.700 Eurocirca 21.905 Eurocirca 1.825 Euro
Maximum40.900 Eurocirca 26.585 Eurocirca 2.215 Euro

Pflegefachkraft:

Brutto pro JahrNetto pro Jahr (Steuerklasse I)Netto pro Monat
Minimum34.400 Eurocirca 22.360 Eurocirca 1.863 Euro
Median39.800 Eurocirca 25.870 Eurocirca 2.156 Euro
Maximum47.400 Eurocirca 30.810 Eurocirca 2.568 Euro

Examinierte Pflegefachkraft:

Brutto pro JahrNetto pro Monat
Minimum34.700 Eurocirca 1.880 Euro
Median40.000 Eurocirca 2.167 Euro
Maximum47.100 Eurocirca 2.551 Euro

Hinweis: Der StepStone Gehaltsreport 2026 weist für Gesundheits- und Pflegeberufe einen Medianwert von 53.000 Euro aus und basiert auf über 1,3 Millionen Datensätzen inklusive Fach- und Führungskräfte, Spezialistinnen, Spezialisten und leitende Positionen. Die Einzelseiten (Pflegekraft, Pflegefachkraft) spiegeln spezifische Berufsbezeichnungen wider.

Mindestlöhne in der Altenpflege (aktuell und geplant)

Das Bundesministerium für Gesundheit hat am 25. November 2025 neue Mindestlöhne für die Altenpflege bekannt gegeben:

QualifikationAktuell (bis 30.06.2026)Ab 01.07.2026Ab 01.07.2027
Pflegehilfskräfte16,10 Euro pro Stunde16,52 Euro pro Stunde16,95 Euro pro Stunde
Qualifizierte Pflegehilfskräfte17,35 Euro pro Stunde17,80 Euro pro Stunde18,26 Euro pro Stunde
Pflegefachkräfte20,50 Euro pro Stunde21,03 Euro pro Stunde21,58 Euro pro Stunde

Diese Mindestlöhne betreffen rund 1,3 Millionen Beschäftigte (Einrichtungen unter die Pflegemindestlohn-Verordnung fallend).

Gehalt versus Anforderung: CW-Index zeigt Ungerechtigkeit

Der CW-Index (Comparable Worth) misst das Verhältnis von Anforderungen und Gehalt. Nicht-akademische Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte erreichen einen CW-Index-Wert von 28 (bei Höchstwert 32). Das bedeutet: Hohes Kompetenzprofil plus hohe Anforderungen bei gleichzeitig niedrigem Lohn im Vergleich zu Berufen mit niedrigerem oder ähnlichem Anforderungsprofil.

Vergleich: Bundesdurchschnitt versus Pflege

Das Bruttomediangehalt Deutschland gesamt lag im Jahr 2026 bei 53.900 Euro. Das Bruttodurchschnittsgehalt Deutschland lag bei 59.100 Euro. Die Pflege verdient weniger als der Durchschnitt, obwohl die Anforderungen höher sind.

Fazit: Die Pflege braucht mehr als Applaus

Sie haben jetzt alle Zahlen gesehen. Pflegekräfte fehlen durchschnittlich 28,5 Tage pro Jahr, fast die Hälfte denkt über einen Berufsausstieg nach, ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen. Bis 2049 fehlen zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte. Die Fluktuation in Pflegeheimen liegt bei 94 Prozent.

Diese Punkte sollten Sie im Kopf behalten:

  • Krankenstand in der Pflege: 28,5 Tage im Jahr 2024 (Durchschnitt alle Branchen: 18,2 Tage)
  • Mitarbeiterzufriedenheit: 49,3 Prozent denken über Berufsausstieg nach, 28,8 Prozent denken oft daran
  • Psychische Belastung: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen (5-fach höher als Allgemeinbevölkerung)
  • Fachkräftemangel: Bis 2049 fehlen 280.000 bis 690.000 Pflegekräfte
  • Fluktuation: 94 Prozent in Pflegeheimen, 65 Prozent bei häuslichen Pflegedienstleistern, 19,5 Prozent in Krankenhäusern
  • Gehälter: Mediangehalt 53.000 Euro (Pflege gesamt), 52.250 Euro (Altenpflege), deutlich unter Bundesdurchschnitt trotz höherer Anforderungen
  • Potenzial: 300.000 bis 660.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte möglich bei deutlicher Verbesserung der Arbeitsbedingungen
  • Was wirkt: Verlässliche Dienstpläne, Mitsprache, ausreichend Personal, Wertschätzung durch Vorgesetzte, Kollegialität, berufliche Entwicklung, Stressbewältigung, betriebliche Gesundheitsförderung (bKV)
  • Verbesserungen wirken schnell: Nach 6 Monaten mit besseren Arbeitsbedingungen 80 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden

Die Wissenschaft sagt es klar: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit.“ Sie wissen jetzt, was zu tun ist. Die Frage ist: Wann fangen Sie an?

Patrick Steeger

bKV-Experte

Über den Autor

Ich bin Patrick, Geschäftsführer von bKVfirmenservice.de. Seit 2015 beschäftige ich mich mit der betrieblichen Krankenversicherung – erst neun Jahre als Geschäftsführer in einem Versicherungskonzern, seit 2024 als unabhängiger Berater. Gemeinsam mit meinem Team unterstütze ich KMUs und Konzerne bei Benefits wie bAV, bKV und Gesundheitsbudgets. Mit diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und zeige, wie Unternehmen Arbeitswelten schaffen, in denen Menschen gerne bleiben.
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