Ihre Klinik verliert Personal schneller, als Sie nachbesetzen können.
Ihre Pflegekräfte fehlen 26,7 Tage, 94 Prozent der Krankenhäuser schaffen es nicht, offene Stellen auf Allgemeinstationen zu besetzen. Die Gewalt eskaliert, 73 Prozent der Kliniken verzeichnen mehr Übergriffe als vor fünf Jahren, in jedem vierten Haus kündigen Mitarbeiter deshalb.
Fast 40 Prozent Ihrer Pflegekräfte spielen mit dem Gedanken an Berufsaufgabe.
Übersicht: Beschäftigungsstruktur im Krankenhaus
In deutschen Krankenhäusern arbeiten 1,42 Millionen Beschäftigte (Stand: 2023). Das ist ein Anstieg seit dem Jahr 2000 um 276.000 Personen (plus 31 Prozent). Die größte Gruppe sind Pflegekräfte mit 528.323 Beschäftigten. Ärztinnen und Ärzte: 212.000 (davon ausländisch: 50.843). Die Teilzeitquote liegt bei rund 49 Prozent.
Der Anteil ausländischer Ärzte ist seit dem Jahr 2000 um 673 Prozent gestiegen (von 6.581 auf 50.843).
Bis 2035 werden rund 300.000 Beschäftigte altersbedingt aus Kliniken ausscheiden. Das ist circa jeder vierte Krankenhausbeschäftigte.
Aktuelle Entwicklung nach Destatis (2024)
Das Statistische Bundesamt hat im November 2025 die Krankenhausstatistik 2024 veröffentlicht. Die Zahlen im Detail:
| Merkmal | Wert 2024 |
|---|---|
| Stationär behandelte Patienten | 17,5 Millionen (plus 344.272 versus Vorjahr) |
| Krankenhäuser gesamt | 1.841 (2023: 1.874) |
| Aufgestellte Betten | 472.851 (2023: 476.924) |
| Gesamte Vollkräfte (VK) | 1.014.839 (plus 27.637 versus Vorjahr) |
| Ärztlicher Dienst (VK) | 180.418 (plus 2,0 Prozent) |
| Nichtärztlicher Dienst (VK) | 834.422 (plus 2,9 Prozent) |
| Pflegekräfte (VK) | 408.599 (plus 4,2 Prozent) |
Die Zahl der Krankenhäuser sinkt, die Zahl der Vollkräfte steigt. Trotzdem reicht das Personal nicht.
Wie viele Pflegefachkräfte fehlen aktuell im Krankenhaus?
Die Mehrheit der Krankenhäuser hat erhebliche Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Examiniertes Pflegepersonal auf Allgemeinstationen: durchschnittlich 21 Stellen pro Klinik unbesetzt.
Zwischen 2025 und 2030 übersteigen Ausstiege die Einstiege
Das DKG-Fachkräftemonitoring 2025 zeigt: Zwischen 2025 und 2030 übersteigt die Zahl der altersbedingten Ausstiege die Zahl der Berufseinstiege. Auch unter Berücksichtigung der Zuwanderung.
Eine DKI-Studie im Auftrag der DKG (August 2024) prognostiziert das Wachstum bis 2035:
| Berufsgruppe | Wachstum bis 2035 |
|---|---|
| Ärztinnen und Ärzte | plus 15.400 (plus 8 Prozent) |
| Examinierte Pflegekräfte | plus 32.100 (plus 7 Prozent) |
| Examinierte Kinderkrankenpflegekräfte | plus 9.100 (plus 20 Prozent) |
Trotzdem keine Entwarnung: Der Trend zur Teilzeitbeschäftigung könnte den gesamten Personalzuwachs wieder zunichtemachen.
Gesundheitswesen am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen
Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben 2025 festgestellt: Das Gesundheitswesen ist die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffene Branche in Deutschland. Rund 47.400 Stellen konnten im Jahresdurchschnitt 2023/2024 nicht mit passend qualifizierten Bewerbern besetzt werden.
94 Prozent der Kliniken können Stellen auf Allgemeinstationen nicht besetzen
Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat 2024 festgestellt: Aktuell fehlen rund 17.600 examinierte Fachkräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege, Tendenz steigend. 94 Prozent der Kliniken sagen, offene Stellen auf Allgemeinstationen sind nicht besetzbar.
Wie hoch ist die Mitarbeiterzufriedenheit im Krankenhaus?
Die BARMER und das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) haben im Januar 2024 die Pflegestudie 2.0 veröffentlicht (circa 1.000 Befragte, Juli 2023). Die Zahlen sind alarmierend.
38,6 Prozent denken an Berufsaufgabe
Die Arbeitszufriedenheit im Pflegeberuf hat seit der Pandemie zunächst leicht zugenommen, aber die quantitative Belastung ist weiter gestiegen. Pflegekräfte müssen aktuell schneller arbeiten als während der Pandemie, wodurch die Leistungsfähigkeit messbar leidet.
Die Gedanken an Berufsaufgabe im Zeitverlauf:
| Messzeitpunkt | Anteil mit Gedanken an Berufsaufgabe |
|---|---|
| Vorpandemisch | 19,8 Prozent |
| Lockdown 2022 | 43,2 Prozent |
| Sommer 2023 | 38,6 Prozent |
Mehr als ein Drittel (38,6 Prozent) denkt an Berufsaufgabe. Junge Pflegekräfte (bis 29 Jahre): rund 28 Prozent dachten in den zurückliegenden Monaten an Berufsaufgabe, der höchste Wert aller Altersgruppen. 40- bis 49-Jährige: niedrigster Wert mit gut 18 Prozent.
Fast drei von zehn (28,1 Prozent) empfinden ein schwaches Zugehörigkeitsgefühl zur Organisation.
Fast zwei Drittel oft oder immer körperlich erschöpft
Die Erschöpfung ist dramatisch:
- Fast zwei Drittel der Pflegekräfte: oft oder immer körperlich erschöpft
- Mehr als jede Zweite: oft oder immer emotional erschöpft
- Knapp die Hälfte: kann selten oder nie regelmäßige Pausen einlegen
Nur 29,5 Prozent fühlen, dass Führungskraft Arbeitszufriedenheit einen hohen Stellenwert beimisst
Die Zahlen zur Führung und Wertschätzung:
- Nur 29,5 Prozent der Pflegekräfte fühlen, dass ihre Führungskraft der Arbeitszufriedenheit einen hohen oder sehr hohen Stellenwert beimisst
- Über ein Drittel (35,5 Prozent) glaubt, Führungskraft misst Arbeitszufriedenheit nur in geringem Maß bei
- Zwei Drittel (64,5 Prozent) wünschten sich konkrete Verbesserungen bei Führung
Berufszufriedenheit: Krankenhaus schlechter als ambulante Pflege
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat im Trendbericht 2024 die Berufszufriedenheit nach Setting verglichen (Nordrhein-Westfalen 2023, Skala 1 bis 10):
| Setting | Berufszufriedenheit (1 bis 10) |
|---|---|
| Ambulante Pflege | 5,9 |
| Krankenhaus | 5,1 |
| Altenheim | 4,7 |
Das Krankenhaus schneidet mit 5,1 schlechter ab als die ambulante Pflege (5,9), aber besser als Altenheime (4,7).
AOK Fehlzeiten-Report 2024: 52 Prozent haben über Arbeitsplatzwechsel nachgedacht
Der AOK-Bundesverband und das WIdO haben im Oktober 2024 den Fehlzeiten-Report 2024 veröffentlicht (Befragung: 2.501 abhängig Beschäftigte, forsa-Institut). Die Kernbefunde:
Höhere emotionale Bindung führt zu höherer Arbeitszufriedenheit, weniger Fehlzeiten und deutlich geringerer Wechselabsicht. Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung haben 41 Prozent weniger Fehlzeiten als nicht gebundene (laut Gallup, zitiert im WIdO).
Die konkreten Zahlen für Pflegefachkräfte:
- 52 Prozent der Pflegefachkräfte haben schon einmal über Arbeitsplatzwechsel nachgedacht
- 39 Prozent haben über Berufsausstieg aus der Pflege nachgedacht
- 13 Prozent stellt sich die Frage des Arbeitsplatzwechsels akut
- 8 Prozent stellt sich die Frage des Berufswechsels akut
In Einrichtungen mit gutem psychosozialen Sicherheitsklima ist die Wechsel-/Ausstiegsbereitschaft nur etwa halb so hoch wie in Einrichtungen mit schlechtem Klima.
91,9 Prozent gaben an, dass ihr Arbeitgeber BGF-Angebote vorhält. Die Hälfte hatte diese bereits genutzt.
Burnout fast verdoppelt seit 2014
Der AOK Fehlzeiten-Report zeigt auch den Burnout-Trend (alle Branchen, AOK-Daten):
Burnout-bedingte AU-Tage: von 100 Tagen pro 100 Mitglieder (2014) auf knapp 184 Tage pro 100 Mitglieder (2024). Das ist fast eine Verdoppelung. AU-Tage wegen psychischer Erkrankungen insgesamt: plus 47 Prozent seit 2014. Das Gesundheits- und Sozialwesen ist besonders stark von psychischen Erkrankungen betroffen.
Arbeitszufriedenheit sinkt in der Krankenpflege dramatisch
Die BGW und DAK haben Daten zur Arbeitszufriedenheit im Zeitverlauf ausgewertet (zitiert im DPT24 Factsheet). Die Dimension „Ressourcen“ verschlechtert sich in beiden Bereichen:
- Zufriedenheit mit der Arbeit sinkt in der Krankenpflege: minus 11 Punkte
- Zufriedenheit mit dem Einkommen: minus 14 Punkte (rapider Rückgang in Krankenpflege)
Wie hoch sind Krankenstand und Fehlzeiten im Krankenhaus?
Die Techniker Krankenkasse hat im Mai 2025 Daten zum Krankenstand veröffentlicht. Die durchschnittlichen Fehltage im Jahr 2024:
| Gruppe | Durchschnittliche Fehltage 2024 |
|---|---|
| Krankenpflege | 26,7 Tage |
| Altenpflege | 33,1 Tage |
| Alle Pflegeberufe | 28,5 Tage |
| Alle Beschäftigten (Vergleich) | 18,2 Tage |
Krankenpflege fehlt durchschnittlich 26,7 Tage pro Jahr. Das sind 8,5 Tage mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten (18,2 Tage).
DAK Krankenstand 2025: 5,4 Prozent
Das IGES/DAK-Gesundheit hat im Januar 2026 den DAK-Gesundheitsreport 2026 veröffentlicht. Der Gesamt-Krankenstand 2025 lag bei 5,4 Prozent (19,5 Fehltage pro Kopf). Psychische Erkrankungen zeigten den stärksten Anstieg mit plus 6,9 Prozent gegenüber Vorjahr.
AOK: AU-Fälle auf Rekordhoch 2024
Der AOK-Bundesverband hat im Fehlzeiten-Report 2024 (Oktober 2024) festgestellt: Bereits bis August 2024 gab es 225 AU-Fälle je 100 AOK-Mitglieder – so viele wie im gesamten Jahr 2023. Vergleich 2014 bis 2021: durchschnittlich nur knapp 160 Fälle pro 100 Mitglieder.
Psychische Gesundheit: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen
Die WHO/Europa hat im Oktober 2025 die bisher größte Erhebung zur psychischen Gesundheit von Pflegenden veröffentlicht (90.171 Befragte, 29 Länder). Die Studie trägt den Titel „Healing Hands – Hurting Minds“.
Die wichtigsten Befunde:
| Befund | Wert |
|---|---|
| Depressionen oder Angststörungen bei Pflegenden | 1 von 3 aller Pflegenden |
| versus Allgemeinbevölkerung | 5-fach höher |
| Suizidgedanken | 13 Prozent |
| versus Allgemeinbevölkerung | 2-fach häufiger |
| Arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche | 16 Prozent |
| Regelmäßige Nacht- oder Wechselschichten | über 50 Prozent |
| Befristete Arbeitsverträge | 25 Prozent |
| Denken daran, Arbeitsplatz aufzugeben (je nach Land) | 11 bis 34 Prozent |
| Mit Depressionssymptomen im vergangenen Jahr krankgeschrieben | bis zu 40 Prozent |
Ein Drittel aller Pflegenden leidet unter Depressionen oder Angststörungen. Die Prävalenz psychischer Erkrankungen liegt 5-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. 13 Prozent berichten von Suizidgedanken, 2-fach häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.
Positiv: 2 von 3 Pflegekräften sind überzeugt, eine sinnvolle Arbeit zu haben.
DAK Psychreport 2025: Pflegefachkräfte mit höchster psychischer Erschöpfung
Die DAK-Gesundheit hat im Psychreport 2025 (Basis: 2,42 Millionen ausgewertete Krankschreibungen von DAK-Versicherten) festgestellt: Pflegefachkräfte haben die höchste psychische Erschöpfung unter allen sozialen Interaktionsberufen.
BGW: Häufigste Belastungsfaktoren in der Pflege
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat im August 2024 ein Factsheet zur psychischen Belastung veröffentlicht. Die häufigsten Belastungsfaktoren:
- Zeitdruck, zu hohes Arbeitstempo, Überforderung
- Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten
- Unklare Verantwortlichkeiten oder ungeregelte Kompetenzen
- Emotionale Anforderungen (Sterbebegleitung, Trauer)
Erkennbare Warnsignale im Betrieb: erhöhter Krankenstand, fehlendes Engagement, schlechte Stimmung, Konflikte, Unkonzentriertheit, vermehrte Fehler.
Gewalt gegen Krankenhauspersonal: 73 Prozent der Kliniken melden gestiegene Übergriffe
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat im April 2024 eine repräsentative Umfrage zu Gewalt in Kliniken veröffentlicht. Die Zahlen sind schockierend.
DKG/DKI-Umfrage April 2024
Die wichtigsten Ergebnisse:
| Befund | Wert |
|---|---|
| Kliniken: Übergriffe in vergangenen 5 Jahren mäßig gestiegen | 53 Prozent |
| Kliniken: Übergriffe deutlich gestiegen | 20 Prozent |
| Kliniken: Übergriffe gestiegen (gesamt gleich mäßig plus deutlich) | 73 Prozent |
| Kliniken: weniger Gewalt | 4 Prozent |
| Kliniken: Pflegedienst am stärksten betroffen | 80 Prozent |
| Übergriffe führten zu psychischen Belastungen | 87 Prozent (nur 13 Prozent verneinten) |
| Übergriffe führten zu Kündigungen | 24 Prozent der Kliniken |
73 Prozent der Kliniken melden gestiegene Übergriffe. In 24 Prozent der Krankenhäuser führten Übergriffe zu Kündigungen. 87 Prozent berichten von psychischen Belastungen durch Gewalt.
BGW-Studie: 97 Prozent erleben verbale Gewalt, 76 Prozent körperliche Gewalt
Die BGW hat eine Studie zu Gewalt und Aggression in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen durchgeführt. Die Ergebnisse für Krankenhäuser:
| Befund | Krankenhaus |
|---|---|
| Verbale Gewalt | 97 Prozent (annähernd alle) |
| Körperliche Gewalt | 76 Prozent |
| Körperliche Gewalt mit sichtbaren Verletzungen | 56 Prozent |
| Verletzungen mit erforderlicher Behandlung | 71 Prozent |
| Mit ärztlicher Behandlung | 25 Prozent |
| Belastungsempfinden stark durch Gewalt | 44 Prozent |
| Sexuelle Belästigung körperlich (mind. 1x pro Jahr) | 38 Prozent (Krankenhäuser plus Reha) |
Das Krankenhaus hat die höchste Rate körperlicher Gewalt im Vergleich zu anderen befragten Branchen.
Vergleich 2009 zur aktuellen Studie: Die Zahl der berichteten Gewalterfahrungen ist angestiegen (körperlich: von 56 Prozent auf 76 Prozent, verbal: von 79 Prozent auf 97 Prozent).
Polizeiliche Kriminalstatistik: Plus 20 Prozent seit 2019
Der Spiegel hat im Januar 2024 eine Auswertung aller 16 Landeskriminalämter veröffentlicht. Rohheitsdelikte gegen medizinisches Personal sind gestiegen um 20 Prozent seit 2019 auf fast 6.900 Delikte.
Die regionalen Anstiege:
- Berlin: plus 51 Prozent von 2019 bis 2023
- Saarland: plus 67 Prozent (2019 bis 2022)
- Bremen: plus 55 Prozent
- Niedersachsen: plus 46 Prozent
BGW Gesamtzahlen: 5.300 Mal pro Jahr mit mindestens 3-tägiger Fehlzeit
Die AOK hat eine Auswertung der BGW-Unfalldaten 2024 veröffentlicht. Rund 5.300 Mal pro Jahr: gewalttätige Übergriffe oder sexualisierte Gewalt gegen Gesundheits-/Pflegepersonal mit anschließender mindestens 3-tägiger Fehlzeit. 9 von 10 Beschäftigte: vorwiegend körperlich verletzt.
Hessische Klinikstatistik 2024: 189 Klinikangestellte als Opfer erfasst
Das Hessische Gesundheitsministerium hat im April 2025 auf eine parlamentarische Anfrage geantwortet. Im Jahr 2024 wurden 189 Klinikangestellte als Opfer von Gewaltkriminalität erfasst (Tatort Klinik/Krankenhaus): 155 Pflegerinnen und Pfleger, 34 Ärztinnen und Ärzte. Im Jahr 2023: 206 Opfer (173 Pflegende, 33 Ärztinnen und Ärzte). Die Krankenhausgesellschaft verweist auf eine erhebliche Dunkelziffer.
Wie hoch ist die Fluktuation im Krankenhaus?
Oracle und die Healthcare Advocacy Group (MGMA) haben im März 2023 Fluktuationsraten für verschiedene Segmente veröffentlicht (Daten 2022):
| Segment | Fluktuationsrate 2022 |
|---|---|
| Krankenhäuser | 19,5 Prozent |
| Häusliche Pflegedienstleister | 65 Prozent |
| Pflegeheime | 94 Prozent |
Hinweis: Diese Daten beziehen sich auf US-amerikanische Einrichtungen. Für Deutschland werden diese Fluktuationsraten in deutschen Branchenquellen als Vergleichswert herangezogen.
Die Fluktuationsrate in Krankenhäusern liegt bei 19,5 Prozent. Das bedeutet: Fast jeder fünfte Mitarbeiter verlässt innerhalb eines Jahres das Krankenhaus.
Wie hoch sind die Gehälter im Krankenhaus?
StepStone hat im Januar 2026 den Gehaltsreport 2026 veröffentlicht (Basis: 1,3 Millionen Datensätze). Die Zahlen für Gesundheits- und Krankenpflege:
Mediangehälter nach Berufsgruppen (Brutto pro Jahr)
| Berufsgruppe | Mediangehalt 2026 (brutto pro Jahr) |
|---|---|
| Gesundheits- und Krankenpflege, Rettung, Geburtshilfe | 58.000 Euro |
| Altenpflege | 52.250 Euro |
| Gesundheits- und Pflegeberufe gesamt | 53.000 Euro |
| Ärztinnen und Ärzte | 105.500 Euro |
| Berufseinstieg (unter 1 Jahr, Pflege) | 46.250 Euro |
| Über 25 Jahre Erfahrung (Pflege) | 60.000 Euro |
Gesundheits- und Krankenpflege verdient im Median 58.000 Euro brutto pro Jahr. Das ist mehr als Altenpflege (52.250 Euro), aber deutlich weniger als Ärztinnen und Ärzte (105.500 Euro).
Hinweis: Der StepStone Gehaltsreport 2026 basiert auf über 1,3 Millionen Datensätzen inklusive Fach- und Führungskräfte, Spezialistinnen, Spezialisten und leitende Positionen.
Gehalt versus Anforderung: CW-Index zeigt Ungerechtigkeit
Der CW-Index (Comparable Worth) misst das Verhältnis von Anforderungen und Gehalt. Nicht-akademische Krankenpflege-/Geburtshilfefachkräfte erreichen einen CW-Index-Wert von 28 von maximal 32. Das bedeutet: Hohes Anforderungsprofil bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Entlohnung im Branchenvergleich.
Mindestlöhne Altenpflege (gilt auch für Krankenpflege mit Tarifbezug)
Das Bundesministerium für Gesundheit hat am 25. November 2025 neue Mindestlöhne bekannt gegeben:
| Qualifikation | Bis 30.06.2026 | Ab 01.07.2026 |
|---|---|---|
| Pflegehilfskräfte | 16,10 Euro pro Stunde | 16,52 Euro pro Stunde |
| Qualifizierte Pflegehilfskräfte | 17,35 Euro pro Stunde | 17,80 Euro pro Stunde |
| Pflegefachkräfte | 20,50 Euro pro Stunde | 21,03 Euro pro Stunde |
Was bindet Krankenhauspersonal wirklich?
Der AOK Fehlzeiten-Report 2024 zeigt die wichtigsten Faktoren für Mitarbeiterbindung und Arbeitszufriedenheit:
- Arbeitszufriedenheit selbst (wechselseitig mit Bindung)
- Möglichkeit, eigene Fähigkeiten einzusetzen
- Führungskompetenzen des Leitungspersonals
- Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
- Individuelle Passung zwischen Beschäftigtem und Tätigkeit
Zitat Johanna Baumgardt, WIdO: „Wenn Organisationen ihre Beschäftigten längerfristig binden wollen, sollten sie Maßnahmen zur Erhöhung der Arbeitszufriedenheit und zur Verbesserung der individuellen Passung der Beschäftigten zur eigenen Arbeit ergreifen.“
Besonders für Pflege im Krankenhaus gilt: Psychosoziales Sicherheitsklima ist ein besonders wichtiger Faktor. Gutes Klima: Wechsel-/Ausstiegsbereitschaft nur halb so hoch wie in schlechtem Klima. Der Schlüssel: „Glaubwürdigkeit und Kongruenz des Managements im Umgang mit Fragen der psychischen Gesundheit“ (Prof. Dr. Antje Ducki, Berliner Hochschule für Technik).
BARMER Pflegestudie: Was junge Pflegende im Beruf hält
Die BARMER/IFBG Pflegestudie 2.0 (2024) zeigt, was junge Pflegende langfristig im Beruf hält:
- Höhere Entlohnung
- Faire Arbeitszeiten
- Angemessene Wertschätzung
- Bessere Arbeitsbedingungen
- Mehr Personal
Besondere Herausforderungen für junge Pflegekräfte:
- Schichtarbeit / Arbeitszeitgestaltung
- Probleme im Team
- Betroffenheit durch Situationen im Arbeitsalltag
Gallup Engagement Index: Nur einer von zehn stark gebunden
Gallup (zitiert via ofelos.net) zeigt die dramatische Bindungssituation in Deutschland:
- Nur einer von zehn Beschäftigten in Deutschland fühlt sich stark an den Arbeitgeber gebunden
- 77 Prozent fühlen sich nur gering gebunden
- 13 Prozent fühlen sich gar nicht gebunden
- Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung: 41 Prozent weniger Fehlzeiten
Finanzielle Lage der Krankenhäuser verschlechtert Arbeitsbedingungen
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat eine Befragung von 376 von 1.700 Kliniken durchgeführt (DKI, Mai bis Juli 2025). Die Ergebnisse:
- Im Jahr 2024: 66 Prozent der Kliniken schrieben Verlust (2023: 61 Prozent)
- Im Jahr 2025: 70 Prozent der Häuser rechnen mit Fehlbetrag
- Sparpaket 2026: Ausgabenbremsen von 1,8 Milliarden Euro bei Kliniken vorgesehen
- Gesamtausgaben steigen trotzdem um 8 Milliarden auf 120 Milliarden Euro
Die direkte Auswirkung auf Personal: Fehlende Investitionsmittel führen zu keiner Modernisierung, das verschlechtert Arbeitsbedingungen und führt zu sinkender Zufriedenheit und höherer Fluktuation.
Personalmangel kostet Leben: ifo Institut
Das ifo Institut hat im Schnelldienst Gesundheitswesen 2025 festgestellt: Personalmangel in Kliniken hat nachweisbare Auswirkungen auf Krankenhausproduktion, medizinische Versorgung und Mortalität. 94 Prozent der Kliniken: Stellen auf Allgemeinstationen nicht besetzbar.
DEVAP/Diakonie: 72 Prozent konnten Leistungen nicht erbringen
Diakonie Deutschland und DEVAP haben 2024 über 600 Einrichtungen befragt:
- Stationäre Pflege: 72 Prozent der Träger konnten Leistungen nicht erbringen
- Ambulante Pflege: 89 Prozent der Dienste mussten in letzten 6 Monaten Neukunden ablehnen
- 29 Prozent konnten Leistungen von Bestandskunden nicht aufstocken
Fazit: Krankenhäuser brauchen mehr als Notfallpläne
Sie haben jetzt alle Zahlen gesehen. Mehr als ein Drittel (38,6 Prozent) denkt an Berufsaufgabe, 73 Prozent der Kliniken melden gestiegene Gewalt gegen Personal, in 24 Prozent der Krankenhäuser führten Übergriffe zu Kündigungen. 94 Prozent der Kliniken können Stellen auf Allgemeinstationen nicht besetzen. Die Fluktuation liegt bei 19,5 Prozent.
Diese Punkte sollten Sie im Kopf behalten:
- Beschäftigungsstruktur: 1,42 Millionen Beschäftigte, davon 528.323 Pflegekräfte, bis 2035 scheiden 300.000 altersbedingt aus
- Fachkräftemangel: 47.400 Stellen nicht besetzbar, 17.600 examinierte Fachkräfte fehlen aktuell, 21 Stellen pro Klinik unbesetzt
- Mitarbeiterzufriedenheit: 38,6 Prozent denken an Berufsaufgabe, 52 Prozent haben über Arbeitsplatzwechsel nachgedacht, Berufszufriedenheit nur 5,1 von 10
- Krankenstand: 26,7 Tage in Krankenpflege (versus 18,2 Tage Durchschnitt), Burnout fast verdoppelt seit 2014
- Psychische Gesundheit: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen (5-fach höher als Allgemeinbevölkerung), 13 Prozent Suizidgedanken
- Gewalt: 73 Prozent der Kliniken melden gestiegene Übergriffe, 97 Prozent erleben verbale Gewalt, 76 Prozent körperliche Gewalt, in 24 Prozent der Kliniken führten Übergriffe zu Kündigungen
- Fluktuation: 19,5 Prozent in Krankenhäusern
- Gehälter: Median 58.000 Euro (Gesundheits- und Krankenpflege), hohes Anforderungsprofil bei unterdurchschnittlicher Entlohnung
- Was bindet: Psychosoziales Sicherheitsklima, Führungskompetenzen, BGF, Möglichkeit eigene Fähigkeiten einzusetzen, höhere Entlohnung, faire Arbeitszeiten, Wertschätzung
In Einrichtungen mit gutem psychosozialen Sicherheitsklima ist die Wechsel-/Ausstiegsbereitschaft nur halb so hoch. Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung haben 41 Prozent weniger Fehlzeiten. Sie wissen jetzt, was zu tun ist. Die Frage ist: Wann fangen Sie an?