Dem öffentlichen Dienst fehlen heute rund 600.000 Beschäftigte. Das ist kein Schätzwert irgendeines Think Tanks, sondern die offizielle Zahl des dbb Beamtenbunds vom Januar 2026, basierend auf Destatis-Daten.
Innerhalb von nur zwei Jahren ist die Lücke um 60.000 gestiegen. Gleichzeitig verabschiedet sich fast ein Viertel aller Beschäftigten in den nächsten zehn Jahren in Rente.
Was das für Schulen, Polizei, Justiz, Bundeswehr und Kitas konkret bedeutet, zeige ich Ihnen hier.
Das Wichtigste in Kürze:
- 600.000 Stellen fehlen im öffentlichen Dienst (dbb Monitor 2026)
- Rund 5,4 Millionen Menschen arbeiten aktuell im öffentlichen Dienst, das sind knapp 12 % aller Erwerbstätigen
- In den nächsten zehn Jahren scheiden 1,39 Millionen Beschäftigte altersbedingt aus, das entspricht 26,4 % des gesamten Personalbestands
- Bis 2035 werden rund 49.000 Lehrkräfte fehlen, in beruflichen Schulen allein 21.500
- Bundesweit liegen rund eine Million Strafverfahren bei Staatsanwaltschaften unbearbeitet
Wie viele Beschäftigte fehlen im öffentlichen Dienst?
Rund 600.000 Stellen bleiben im öffentlichen Dienst unbesetzt. Der dbb Beamtenbund hat diese Zahl im Januar 2026 auf Basis der aktuellen Destatis-Zahlen veröffentlicht. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es noch 570.000. Die Lücke wächst also schneller, als Neueinstellungen sie schließen können.
Der dbb benennt in seinem Monitor 2026 die besonders belasteten Bereiche explizit:
- Polizei
- Kindergärten und Kitas
- Schulen
- Pflege
- Jobcenter
Dazu kommt ein struktureller Treiber, der die Situation weiter verschärft: Neue Gesetze schaffen laufend neue Aufgaben im öffentlichen Dienst, ohne dass gleichzeitig Personal aufgebaut wird.
Die Lücke entsteht also nicht nur durch fehlende Bewerber, sondern auch durch wachsende Anforderungen an einen Apparat, der personell bereits an seinen Grenzen arbeitet.
Wie groß ist der öffentliche Dienst heute?
Rund 5,4 Millionen Menschen waren in 2024 im öffentlichen Dienst beschäftigt, so Destatis in einer Pressemitteilung vom Juni 2025. Das waren rund 95.900 mehr als ein Jahr zuvor, ein Zuwachs von 1,8 Prozent. Damit arbeiteten knapp 12 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland im Staatsdienst.
Wie sich diese 5,4 Millionen auf die verschiedenen Ebenen des Staates verteilen, zeigt die folgende Übersicht (Stand 30. Juni 2023):
| Beschäftigungsbereich | Beschäftigte | Anteil |
|---|---|---|
| Länder | 2.628.900 | 49,9 % |
| Kommunen | 1.738.700 | 33,0 % |
| Bund | 524.700 | 10,0 % |
| Sozialversicherung | 377.600 | 7,2 % |
Von den rund 5,27 Millionen Beschäftigten sind 58,6 Prozent Frauen. 35,1 Prozent arbeiten in Teilzeit. Beamtinnen und Beamte machen 36,7 Prozent der Belegschaft aus, Tarifbeschäftigte 63,3 Prozent.
Personalaufbau nach Bereichen
Besonders stark gewachsen ist der öffentliche Dienst in drei Feldern:
- Allgemeinbildende und berufliche Schulen: 1.047.900 Beschäftigte, ein Plus von 19.500 oder 1,9 Prozent gegenüber 2023
- Kommunale Kindertageseinrichtungen: 289.900 Beschäftigte, ein Plus von 11.000 oder 4,0 Prozent. Seit 2009 hat sich der Personalbestand hier mehr als verdoppelt, ein durchschnittliches Plus von 4,8 Prozent pro Jahr
- Hochschulen inkl. Kliniken: 636.100 Beschäftigte, ein Plus von 14.200 oder 2,3 Prozent, und gegenüber 15 Jahren zuvor ein Anstieg von 41 Prozent
Wer im internationalen Vergleich einordnen will, wie groß der öffentliche Dienst in Deutschland ist: Mit 11,2 Prozent Staatsquote an der Gesamtbeschäftigung liegt Deutschland deutlich unter dem OECD-Schnitt von 18,4 Prozent und weit abgeschlagen hinter Schweden (28,9 %), Dänemark (27,3 %) und Frankreich (20,5 %).
Warum scheidet so viel Personal gleichzeitig aus?
Rund 1,39 Millionen Beschäftigte, also 26,4 Prozent des gesamten öffentlichen Dienstes, erreichen in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter. Das ist die Kernzahl hinter der Krise. Sie erklärt, warum Neueinstellungen allein das Problem nicht lösen können.
Die Verteilung auf die einzelnen Ebenen macht das Ausmaß noch deutlicher:
| Bereich | Ausscheidende in 10 Jahren | Anteil |
|---|---|---|
| Kommunen | 524.400 | 30,2 % |
| Sozialversicherung | 111.800 | 29,6 % |
| Länder | 637.600 | 24,3 % |
| Bund | 116.400 | 22,2 % |
| Insgesamt | 1.390.200 | 26,4 % |
Der Horizont von 20 Jahren verschärft das Bild weiter: Dann scheiden rund 2,6 Millionen Menschen aus, fast die Hälfte des gesamten öffentlichen Dienstes. Bei den Kommunen liegt dieser Anteil sogar bei 53,9 Prozent.
Zu den Rentenabgängen kommt, dass bereits heute 1.418.800 Pensionärinnen und Pensionäre Versorgungsleistungen erhalten. Das sind 0,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Ihr durchschnittliches Ruhegehalt beträgt 3.416 Euro brutto im Monat. Allein im Schuldienst gibt es 466.700 Pensionäre, das ist fast ein Drittel aller Pensionäre im öffentlichen Dienst.
Wie vertraut ist der Staat noch seiner eigenen Leistungsfähigkeit?
Nur 25 Prozent der Bevölkerung glauben, dass der Staat in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des dbb vom Mai 2024 unter 2.001 Bürgerinnen und Bürgern. 70 Prozent sehen den Staat als überfordert.
Diese Zahl hat sich seit 2020 dramatisch verschlechtert. Ein Blick auf die Entwicklung macht das deutlich:
| Jahr | Handlungsfähig | Überfordert |
|---|---|---|
| 2020 | 56 % | 40 % |
| 2022 | 29 % | 66 % |
| 2023 | 27 % | 69 % |
| 2024 | 25 % | 70 % |
In Ostdeutschland ist das Misstrauen noch größer: 77 Prozent sehen den Staat dort als überfordert, nur 19 Prozent halten ihn für handlungsfähig.
Interessant ist, dass ausgerechnet die öffentlich Beschäftigten selbst etwas optimistischer urteilen: 37 Prozent von ihnen halten den Staat für handlungsfähig. Beamtinnen und Beamte landen bei 43 Prozent.
Behörden unter der Lupe: Müllabfuhr schlägt Ministerien
Die selbe Forsa-Umfrage hat Bürger gebeten, einzelne Behörden mit Schulnoten zu bewerten. Das Ergebnis zeigt ein deutliches Gefälle zwischen Daseinsvorsorge und Verwaltung:
| Behörde | Note 2024 |
|---|---|
| Straßenreinigung, Müllabfuhr | 1,9 |
| Bibliotheken | 2,0 |
| Polizei, Kriminalpolizei | 2,4 |
| Krankenhäuser | 2,7 |
| Gerichte | 2,8 |
| Stadt- und Gemeindeverwaltung | 3,0 |
| Schulen | 3,2 |
| Sozialämter | 3,3 |
| Arbeitsämter | 3,5 |
| Landesministerien | 3,5 |
| Bundesministerien | 3,8 |
Wie groß ist der Lehrermangel an Schulen?
Bis 2035 werden rund 49.000 Lehrkräfte fehlen. Diese Zahl stammt aus der aktuellen Modellrechnung der Bildungsministerkonferenz (BMK), veröffentlicht in 2025.
Besonders hart trifft der Mangel berufliche Schulen, wo bis 2035 insgesamt 21.500 Lehrkräfte fehlen. Auch im Sekundarbereich I, also Haupt-, Real- und Gesamtschulen, hält der Mangel über den gesamten Prognosezeitraum an.
Ein leichter Silberstreif: Im Grundschulbereich und bei sonderpädagogischen Lehrämtern wird ab 2026 eine Entspannung erwartet. Diese Bereiche stehen also auf der Mängelliste etwas besser da als der weiterführende Bereich.
Parallel dazu steigen die Bildungsausgaben weiter an. In 2024 haben Bund, Länder und Gemeinden rund 198 Milliarden Euro für Bildung ausgegeben, 7 Prozent oder 13 Milliarden mehr als im Vorjahr.
Reale Steigerung nach Inflationsbereinigung: 4 Prozent. Anteil am BIP: 4,6 Prozent. Für Schulen allein flossen 97 Milliarden Euro, das entspricht 49 Prozent der gesamten öffentlichen Bildungsausgaben.
Wie verändert sich die Qualität in Kitas?
In deutschen Kitas sinkt der Anteil qualifizierter Fachkräfte seit Jahren. Im Jahr 2024 hatten nur noch 30,7 Prozent aller Kita-Teams eine hohe Fachkraftquote, also mehr als acht von zehn Mitarbeitenden mit einschlägigem Abschluss. Sieben Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 41 Prozent. Ein Rückgang von zehn Prozentpunkten in weniger als einem Jahrzehnt.
Zwischen 2023 und 2024 allein verschlechterte sich die Situation in zehn von sechzehn Bundesländern. Besonders große Rückgänge seit 2017 verzeichneten Berlin mit minus 18 Prozentpunkten, Mecklenburg-Vorpommern mit minus 15 und Nordrhein-Westfalen mit minus 14 Prozentpunkten.
Die regionalen Unterschiede sind dabei extrem. In Thüringen und Sachsen haben rund 86 bis 90 Prozent der Kita-Teams eine hohe Fachkraftquote. In Bayern sind es gerade einmal 3,6 Prozent, in Hamburg 14 Prozent.
Warum gewinnt die Polizei immer weniger Bewerber?
Die Bewerberzahlen für den Polizeidienst sinken bundesweit seit Jahren. Zwischen 2020 und 2025 gingen die Bewerbungen für die Länderpolizeien um 14 Prozent zurück, von 73.554 auf 63.191. Und dieser Schnitt verschleiert, wie dramatisch die Lage in einzelnen Bundesländern ist:
| Bundesland | Rückgang 2020 bis 2025 |
|---|---|
| Niedersachsen | –41 % |
| Bremen | –39,9 % |
| Hamburg | –34,1 % |
| Schleswig-Holstein | –32,4 % |
| Rheinland-Pfalz | –29,5 % |
| Berlin (Schutzdienst) | –46 % |
Gegenläufige Entwicklungen gibt es in Thüringen mit einem Plus von 36 Prozent und in Sachsen-Anhalt mit plus 11 Prozent. Insgesamt sind rund 339.000 Vollzeitstellen bei der Polizei, davon allein in NRW 54.500.
In Berlin blieb in 2025 laut Gewerkschaft der Polizei sogar ein Fünftel aller Ausbildungsplätze unbesetzt. GdP-Bundesvorsitzender Jochen Kopelke bringt das Problem auf den Punkt: Obwohl mehr Polizistinnen und Polizisten in Deutschland gebraucht werden, sinken die Bewerberzahlen, fallen immer mehr durch die Prüfungen und kündigen.
Bundeswehr wächst langsam, verliert aber schnell
Bis 2025 waren rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten aktiv im Dienst. Das angestrebte Ziel liegt bei 260.000 aktiven Kräften plus 200.000 Reservisten bis Mitte der 2030er Jahre. Der Abstand ist erheblich.
2025 war zwar das einstellungsstärkste Jahr seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011: Über 25.000 Neueinstellungen wurden verzeichnet. Gleichzeitig gibt es zwei Faktoren, die den Aufbau bremsen. Erstens zogen 5.045 Bewerber ihre Bewerbung zurück, und 11.590 wurden wegen mangelnder Mitwirkung oder Eignungsmängeln abgelehnt. Zweitens verlassen rund 20 Prozent der Rekruten die Truppe noch während der Ausbildung. Im ersten Halbjahr steigt dieser Anteil sogar auf rund 30 Prozent.
Ein weiterer Problemindikator: Die Anzahl unbesetzter Dienstposten ist zwischen 2020 und 2024 von 18 auf 20 Prozent gestiegen. Bei den Mannschaften waren in 2024 sogar 28 Prozent aller Dienstposten unbesetzt. Der Frauenanteil beträgt 13,7 Prozent, was der Wehrbeauftragte als viel zu wenig bezeichnet.
Personalmangel im öffentlichen Dienst lähmt Staatsanwaltschaften und Gerichte
Rund eine Million offene Verfahren liegen bundesweit bei den Staatsanwaltschaften, mehr als je zuvor. Parallel fehlen bundesweit rund 2.000 Staatsanwälte. Nur noch jedes sechzehnte Strafverfahren endet mit einer Anklage. Das sind Zahlen aus einer Aussage des Bundesgeschäftsführers des Deutschen Richterbunds von Dezember 2025.
Allein in Bayern lagen zum Ende des Jahres 2025 rund 96.294 Verfahren unbearbeitet. In Sachsen-Anhalt stehen in Magdeburg nur 79 Prozent des benötigten Personals zur Verfügung, mehr als zwölf Staatsanwälte fehlen, und für die Haushaltsjahre 2025 und 2026 gilt ein Einstellungsstopp. Zwei von vier Staatsanwaltschaften haben dort derzeit keine Behördenleiter.
Der Generationswechsel in der Justiz kommt erschwerend hinzu: In Thüringen werden in den nächsten zehn Jahren rund 45 Prozent der aktiven Richter und Staatsanwälte die Gerichte verlassen.
Um den Mangel zu bekämpfen, senken mehrere Bundesländer die Einstiegshürden. Berlin hat die Mindestnote für Staatsanwälte im zweiten Examen auf 6,5 Punkte abgesenkt, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben die Notenschwellen ebenfalls flexibilisiert.
Wie groß ist der IT-Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst?
Rund 109.000 IT-Stellen sind in der gesamten deutschen Wirtschaft unbesetzt, das zeigt die aktuelle Bitkom-Studie vom August 2025. Im öffentlichen Dienst allein fehlen nach Schätzung des dbb-Bundesvorsitzenden Ulrich Silberbach über 100.000 Stellen, insbesondere im IT-Bereich.
85 Prozent der Unternehmen beklagen einen Mangel an IT-Fachkräften auf dem deutschen Arbeitsmarkt, und 79 Prozent erwarten, dass sich die Situation weiter verschärft. Der Blick nach vorne ist düster: Bitkom rechnet damit, dass bis 2040 rund 663.000 IT-Sachverständige fehlen werden. Gesamtbedarf bis 2040 sind 1,92 Millionen IT-Stellen, das erwartete Angebot liegt nur bei 1,26 Millionen.
Wie finanziert der öffentliche Dienst all das?
Das Finanzierungsdefizit des Staates lag in 2024 bei 118,8 Milliarden Euro, das entspricht einer Defizitquote von 2,8 Prozent des BIP. In 2025 weitete sich das Defizit auf 127,3 Milliarden Euro aus. Einnahmen von 2.081 Milliarden Euro standen Ausgaben von 2.208 Milliarden Euro gegenüber.
Besonders dramatisch entwickeln sich die kommunalen Finanzen. Die Gemeinden schlossen 2024 mit einem Rekorddefizit von 24,8 Milliarden Euro ab, dem höchsten kommunalen Finanzierungsdefizit seit der deutschen Vereinigung.
Zum Vergleich: 2023 betrug das kommunale Defizit noch 6,6 Milliarden Euro, es hat sich also innerhalb eines Jahres vervierfacht. Die Sozialleistungen der Kommunen allein kosteten 84,5 Milliarden Euro, ein Plus von 11,7 Prozent.
Personalkosten explodieren seit zehn Jahren
Ein weiteres Druckmittel auf die öffentlichen Haushalte: Die kommunalen Personalkosten haben sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Ursachen sind ein kontinuierlicher Stellenaufbau und hohe Tarifabschlüsse.
Allein beim Bund beliefen sich die Personalausgaben für Aktivitätsbezüge im zivilen Bereich in 2024 auf rund 16,9 Milliarden Euro.
Welche Bereiche haben Mühe, auszubilden?
Insgesamt 265.400 Personen befanden sich im öffentlichen Dienst in einer Ausbildung, Stand 30. Juni 2023. Davon sind 58,6 Prozent Frauen. Den weitaus größten Teil stellen drei Bundesländer:
- Nordrhein-Westfalen: 58.525 Auszubildende
- Bayern: 44.245
- Baden-Württemberg: 39.255
Ein struktureller Nachteil bremst die Nachwuchsgewinnung jedoch: Bei Neueinstellungen werden im öffentlichen Dienst 27 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Stellen befristet vergeben.
Das liegt über dem gesamtwirtschaftlichen Schnitt von 26 Prozent und dürfte Bewerberinnen und Bewerber abschrecken, die Planungssicherheit suchen. Nur in der IT-Branche mit 8 Prozent Befristungsquote ist der Wert deutlich niedriger.