Die Versicherungskammer Bayern, kurz VKB, gehört zu den Anbietern im bKV-Markt, die ich in den letzten Jahren immer wieder im Vergleich hatte. Das Unternehmen betreibt seine betriebliche Krankenversicherung über zwei Risikoträger: die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG und die Union Krankenversicherung AG.
Was auf den ersten Blick kompliziert wirkt, ist in der Praxis gut strukturiert. Dieser Erfahrungsbericht zeigt Ihnen, was die VKB anbietet, was es kostet und wo der Tarif wirklich überzeugt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die VKB bietet 10 bKV-Tarife in drei Kategorien plus ergänzende Zusatztarife, das ist die breiteste Produktpalette im Markt
- Einstieg ab 10 Mitarbeitenden, ohne Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten bei Arbeitgeber-Vollfinanzierung
- Budgettarife (BudgetPro 400/800/1200) seit Ende 2023 verfügbar, seitdem wuchs der Versichertenbestand konzernweit um über 50 Prozent
- Beiträge für den BudgetPro 800 liegen bei 28,46 Euro pro Mitarbeiter und Monat für 16 bis 66-Jährige
- Besonderheit: VorsorgePro und BudgetPro auch für privat Krankenversicherte buchbar
Welche bKV-Tarife bietet die Versicherungskammer Bayern?
Das Produktportfolio der VKB ist das umfangreichste im Markt. Es teilt sich in drei Kategorien auf, die sich je nach Unternehmensgröße, Budget und Belegschaftsstruktur kombinieren lassen.
Die erste Kategorie umfasst die klassischen Leistungstarife, also Tarife mit festen Erstattungssätzen für definierte Leistungsbereiche. Die zweite Kategorie sind die Vorsorge- und Kliniktarife. Die dritte Kategorie sind die neueren Budgettarife, bei denen Mitarbeitende ein festes Jahresbudget flexibel einsetzen können.
bKV Start: Der Einstiegstarif
Der bKV Start ist der günstigste Einstieg ins VKB-Portfolio. Er kostet für Mitarbeitende zwischen 16 und 66 Jahren 8,79 Euro pro Monat und deckt drei Kernbereiche ab:
- Zahnersatz mit 20 Prozent bis maximal 7.500 Euro, darüber 10 Prozent bis weitere 7.500 Euro innerhalb von vier Kalenderjahren
- Sehhilfen mit 100 Prozent bis 155 Euro innerhalb von drei Kalenderjahren
- Auslandsreiseschutz mit 100 Prozent der Kosten für unvorhergesehene Behandlungen auf Reisen bis zu zwei Monate, inkl. Rücktransport
Der bKV Start ist auch für privat Krankenversicherte buchbar. Für kleine Budgets oder als Grundabsicherung ist er ein sinnvoller Einstieg, auch wenn die Zahnleistung mit 20 Prozent im Marktvergleich eher schwach ist.
bKV Basis: Mehr Zahn, mehr Naturheilkunde
Der bKV Basis verdoppelt die Zahnerstattung auf 40 Prozent und ergänzt den Schutz um alternative Heilmethoden. Konkret werden 50 Prozent der Kosten für alternative Heilbehandlungen bis maximal 1.500 Euro im Kalenderjahr erstattet. Der Beitrag liegt bei 15,93 Euro pro Monat für die Kernaltersgruppe.
ComfortPro: Klinikschutz bei Unfall
Hier kommt der stationäre Schutz erstmals dazu, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Der Klinikschutz gilt beim ComfortPro nur bei Unfällen, nicht bei allen Erkrankungen. Wer einen Krankenhausaufenthalt wegen Herzproblemen oder einer Operation hat, ist also nicht abgedeckt. Das ist ein Punkt, den viele Unternehmer im Erstgespräch übersehen. Der Beitrag liegt bei 22,50 Euro monatlich.
bKV Comfort: Klinikschutz bei allen Erkrankungen
Der bKV Comfort ist der erste Tarif im Portfolio, der Krankenhaus bei allen Erkrankungen abdeckt, nicht nur bei Unfallfolgen. Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung und ambulante Operationen sind inklusive. Der Sprung im Beitrag ist deutlich: 44,61 Euro monatlich für die Kernaltersgruppe. Das liegt bereits nah an der Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro.
bKV Premium: Privatarzt im ambulanten Bereich
Der bKV Premium ist der Spitzentarif der VKB. Er umfasst alle Leistungen des Comfort-Tarifs und ergänzt diese um privatärztliche ambulante Behandlung. Mit GKV-Beteiligung werden 90 Prozent bis 2.500 Euro erstattet, darüber hinaus 100 Prozent abzüglich GKV-Leistung. Bei 213,82 Euro monatlichem Beitrag für die Kernaltersgruppe überschreitet dieser Tarif die Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro um ein Vielfaches. Das bedeutet: Wenn Sie diesen Tarif anbieten wollen, brauchen Sie ein durchdachtes Versteuerungsmodell.
bKV Plus: Aufbaustufe zur Erweiterung
Der bKV Plus ist kein eigenständiger Tarif, sondern eine Ergänzung zu bestehenden Tarifen. Er lässt sich nur zusätzlich zu bKV Basis, ComfortPro, bKV Comfort oder bKV Premium buchen und erweitert die Leistungen bei Sehhilfen, Zahn und Naturheilverfahren.
VorsorgePro: Fokus auf Prävention
Der VorsorgePro ist ein reiner Vorsorgetarif ohne ambulante oder stationäre Grundleistungen. Er erstattet Vorsorgeuntersuchungen bis 500 Euro jährlich, Schutzimpfungen bis 300 Euro in zwei Jahren, zahnmedizinische Prophylaxe bis 100 Euro in zwei Jahren, refraktive Chirurgie bis 1.500 Euro Gesamtlimit und Hörhilfen bis 800 Euro Erstattung in fünf Jahren. Der Beitrag liegt bei 9,57 Euro monatlich und ist auch für privat Krankenversicherte buchbar.
KlinikPro: Stationärer Baustein für BudgetPro-Kunden
Der KlinikPro ist ein eigenständiger Klinikbaustein, der speziell für Unternehmen gedacht ist, die bereits einen BudgetPro haben und diesen um stationären Schutz ergänzen möchten. Er bietet Zweibettzimmer oder Einbettzimmer, Chefarztbehandlung und stationäre Reha. Beitrag: 24,45 Euro monatlich für die Kernaltersgruppe.
BudgetPro: Das flexible Jahresbudget
Das BudgetPro ist das neueste und in der Praxis zunehmend gefragteste Produkt der VKB. Es gibt drei Budgetstufen, die als BudgetPro 400, BudgetPro 800 und BudgetPro 1200 bezeichnet werden. Das Budget lässt sich für folgende Leistungen einsetzen:
- Zahn in allen Bereichen, inkl. Behandlung, Ersatz und Prophylaxe
- Alternative Heilmethoden
- Arznei- und Verbandmittel inkl. gesetzlicher Zuzahlungen
- Heilmittel und Hilfsmittel inkl. Hörhilfen
- Sehhilfen mit jahresbezogenem Limit je nach Stufe (180 bis 220 Euro)
- Refraktive Chirurgie
- Krankenhaustagegeld mit 10 Euro pro Krankenhaustag
Das BudgetPro ist auch für privat Krankenversicherte buchbar und hat kein Höchstaufnahmealter.
BudgetVorsorge: Reines Präventionsbudget
Der BudgetVorsorge ist ein eigenständiger Vorsorge-Budgettarif mit 400 Euro Jahresbudget. Er deckt Vorsorgeuntersuchungen, Schutzimpfungen, sportmedizinische Untersuchungen und Präventionskurse nach § 20 SGB V ab. Den gibt es am Markt in dieser Form nur bei der VKB.
Wie hoch sind die Beiträge pro Mitarbeiter für die bKV bei der Versicherungskammer Bayern?
Die Beiträge für 2026 gelten bei Arbeitgeber-Vollfinanzierung inklusive Beitragsbefreiung in entgeltfreien Zeiten wie Elternzeit, Pflegezeit oder längerer Arbeitsunfähigkeit. Für Mitarbeitende zwischen 16 und 66 Jahren ergibt sich folgende Übersicht:
| Tarif | Monatsbeitrag 16–66 Jahre |
|---|---|
| bKV Start | 8,79 Euro |
| bKV Basis | 15,93 Euro |
| ComfortPro | 22,50 Euro |
| bKV Comfort | 44,61 Euro |
| bKV Premium | 213,82 Euro |
| VorsorgePro | 9,57 Euro |
| KlinikPro | 24,45 Euro |
| bKV Plus | 11,34 Euro |
| BudgetPro 400 | 17,51 Euro |
| BudgetPro 800 | 28,46 Euro |
| BudgetPro 1200 | 38,94 Euro |
| BudgetVorsorge | 7,28 Euro |
Zum Vergleich: In 2025 lagen die Beiträge ohne Beitragsbefreiung noch etwas niedriger, zum Beispiel 42,89 Euro für den bKV Comfort. Die Beitragsentwicklung von 2025 auf 2026 ist moderat, typischerweise unter fünf Prozent pro Jahr, was im Marktvergleich eine solide Entwicklung darstellt.
Beitragsentwicklung: Was zeigen die Zahlen?
Die VKB hat ihre bKV-Beiträge zum 01. Januar 2026 angepasst. Im Bereich der privaten Krankenvollversicherung gab es beim Produktlinie GesundheitVARIO deutlich größere Anpassungen von 30 bis 40 Prozent. Das betrifft nicht die bKV-Tarife direkt, aber es zeigt, dass die VKB bei Kostendruck bereit ist, Beiträge anzuheben. Für die bKV-Tarife selbst ist die Entwicklung deutlich ruhiger als bei einigen Mitbewerbern, was positiv zu bewerten ist.
Unsere Erfahrungen mit der bKV der VKB: So bewerten wir das Angebot
Ich hatte die VKB in zahlreichen Mandaten auf dem Tisch, oft im direkten Vergleich mit Allianz, R+V und Hallescher. Hier ist meine Einschätzung nach Abwägung aller Faktoren.
Was macht die Versicherungskammer Bayern beim bKV-Angebot wirklich gut?
Die größte Stärke der VKB ist die Produktbreite. Mit 10 Tarifen plus Zusatztarifen lässt sich jede Unternehmenssituation abbilden. Wer 20 Mitarbeiter mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen hat, findet bei der VKB Lösungen, die bei anderen Anbietern so nicht existieren.
Besonders hervorzuheben ist der KlinikPro als eigenständiger Baustein: Wer seinen Mitarbeitenden BudgetPro anbietet und zusätzlich stationären Schutz möchte, kann das gezielt kombinieren, ohne den kompletten Leistungstarif wechseln zu müssen.
Der BudgetVorsorge ist am Markt einzigartig. Unternehmen, die ihren Fokus auf Prävention und § 20 SGB V-Angebote legen, haben hier ein passgenaues Instrument, das kein anderer Anbieter in dieser Form anbietet.
Ich hatte letztens einen Kunden aus dem Gesundheitsbereich, bei dem die Belegschaft sehr divers war: junge Mitarbeitende unter 30, erfahrene Kräfte über 50 und ein kleines Führungsteam.
Die VKB war der einzige Anbieter, bei dem wir sauber differenzieren konnten, weil ab 150 Mitarbeitenden sogar gruppenspezifische Tarifwahl möglich ist. Das ist für größere Unternehmen ein echter Vorteil.
Die Digitallösungen sind stark. Digitale Sprechstunde, digitaler Hautarzt, Top-Ärzte-Vermittlung, digitale Krankschreibung und elektronisches Rezept sind alle im Paket.
Das senkt die Hemmschwelle für Mitarbeitende, die Leistungen auch tatsächlich zu nutzen, was direkt auf die Nutzungsquote einzahlt.
Stärken im Überblick:
- Breiteste Produktpalette im Markt, für jede Unternehmensgröße und jeden Bedarf
- BudgetVorsorge als einzigartiges Präventionsprodukt
- KlinikPro als flexibel kombinierbarer Klinikbaustein
- Gruppenspezifische Tarifwahl ab 150 Mitarbeitenden
- BudgetPro und ausgewählte Tarife auch für privat Krankenversicherte buchbar
- Umfangreiches Telemedizin-Angebot inkl. digitaler Hautarzt
- Familienmitversicherung bis 27 Jahre, teils ohne Gesundheitsprüfung
- Beitragsbefreiung in entgeltfreien Zeiten bei Vollfinanzierung
- Moderate Beitragsentwicklung in den bKV-Tarifen
Wo bleibt die Versicherungskammer Bayern hinter den Erwartungen zurück?
Die Kehrseite der Produktbreite ist Komplexität. Wer das erste Mal mit dem VKB-Portfolio konfrontiert wird, verliert schnell den Überblick. Zehn Tarife plus Zusatztarife plus verschiedene Varianten für PKV-Versicherte, Stufenbeiträge und Teilfinanzierung ergeben ein System, das ohne Beratung kaum zu durchblicken ist. Für Personalverantwortliche ohne Versicherungshintergrund ist das eine echte Hürde.
Die Zahnleistung in den Einstiegstarifen bKV Start und bKV Basis ist mit 20 bis 40 Prozent im Marktvergleich niedrig. Wer eine Belegschaft hat, bei der Zahnersatz ein wichtiges Thema ist, greift hier zu kurz. Andere Anbieter bieten im vergleichbaren Preissegment deutlich höhere Zahnerstattungen.
Die Sehhilfen-Grenze bei bKV Start und bKV Basis liegt bei 155 Euro in drei Jahren. Das entspricht einem durchschnittlichen Brillengestell. Für Mitarbeitende mit stärkerem Sehfehler oder Markenbrille ist das in der Praxis eine Enttäuschung.
Der bKV Comfort liegt mit 44,61 Euro monatlich bereits nah an der Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro. Wer zusätzlich einen Vorsorgebaustein oder bKV Plus dazunehmen möchte, überschreitet die Grenze schnell, was steuerliche Planung erfordert. Das ist kein Fehler des Tarifs, aber ein Planungsaspekt, den viele Unternehmen unterschätzen.
Die 10-Mitarbeitenden-Mindestgrenze schließt Kleinstunternehmen komplett aus. Für Betriebe unter 10 Mitarbeitenden gibt es bei der VKB keine bKV-Option.
Schwächen im Überblick:
- Hohe Produktkomplexität, ohne Beratung kaum zu durchblicken
- Zahnerstattung in bKV Start und bKV Basis unterdurchschnittlich
- Sehhilfen-Limit von 155 Euro in drei Jahren für viele Brillenträger zu wenig
- Kein Zugang für Unternehmen unter 10 Mitarbeitenden
- bKV Premium mit 213,82 Euro monatlichem Beitrag weit oberhalb der Sachbezugsfreigrenze
- bKV ComfortPro deckt Klinikleistungen nur bei Unfällen ab, nicht bei Erkrankungen
Fazit: Für welches Unternehmen ist die bKV der Versicherungskammer Bayern eine gute Wahl?
Die VKB ist die richtige Wahl für Unternehmen, die Flexibilität über alles stellen. Wer eine diverse Belegschaft hat, verschiedene Leistungsniveaus für verschiedene Mitarbeitergruppen anbieten möchte oder gezielt Prävention in den Vordergrund stellen will, findet bei der VKB Lösungen, die kein anderer Anbieter so strukturiert hat.
Ich würde die VKB besonders empfehlen für:
- Unternehmen ab 10 Mitarbeitenden, die mehrere Leistungsstufen für unterschiedliche Teams kombinieren wollen
- Arbeitgeber, die neben dem ambulanten Budget auch stationären Schutz gezielt ergänzen möchten
- Betriebe mit Fokus auf Gesundheitsförderung und Prävention, bei denen der BudgetVorsorge ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist
- Unternehmen ab 150 Mitarbeitenden, die gruppenspezifische Tarifwahl nutzen wollen
- Arbeitgeber mit gemischter Belegschaft aus GKV- und PKV-Versicherten
Weniger geeignet ist die VKB für Kleinunternehmen unter 10 Mitarbeitenden und für Arbeitgeber, die ein schlankes, einfach zu erklärendes Modell suchen. Wer seinen Mitarbeitenden einen Tarif in einem Satz erklären können will, ist bei Anbietern mit einfacherer Produktstruktur besser aufgehoben.
Die entscheidende Frage bleibt die gleiche wie bei jedem Anbieter: Welche Leistungen wird Ihre Belegschaft tatsächlich nutzen? Ein breites Portfolio hilft nur, wenn die gewählten Bausteine auch wirklich zur Struktur Ihrer Mitarbeitenden passen.