Patrick Steeger

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Bild zeigt Patrick Steeger, Geschäftsführer vom bKV Firmenservice
zuletzt aktualisiert: 13. März 2026

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Wie hoch ist die Fluktuationsrate in der Baubranche?

Die Baubranche in Deutschland weist eine der höchsten Fluktuationsquoten aller Wirtschaftszweige auf.

Im Jahr 2024 lag die Fluktuationsquote im Bauhauptgewerbe bei 36,5% und damit deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 31,4%. In Hoch- und Tiefbauberufen erreichte die Quote sogar 42,5%.

Die Ursachen sind körperliche Belastung, Witterungsabhängigkeit, unterdurchschnittliche Löhne, lange unbezahlte Wegezeiten und fehlende Flexibilität bei den Arbeitszeiten.

Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den Fachkräftemangel massiv: In den nächsten zehn Jahren müssen über 200.000 gewerbliche Beschäftigte in der Bauwirtschaft altersbedingt ersetzt werden, 50 bis 65% der ausgebildeten Fachkräfte verlassen die Branche.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Fluktuationsquote im Bauhauptgewerbe lag 2024 bei 36,5% und damit deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 31,4%, in Hoch- und Tiefbauberufen erreichte die Quote sogar 42,5%, in Innen- und Ausbauberufen 41,7%
  • Die Hauptgründe für die hohe Fluktuation sind körperliche Belastungen und gesundheitliche Probleme (Platz 1), unterdurchschnittliche Vergütung (Platz 2) und zu lange oder ungünstige Arbeitszeiten (Platz 3), 50 bis 65% der ausgebildeten Fachkräfte verlassen die Branche
  • Im März 2025 konnten bundesweit mehr als 387.437 offene Stellen rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden (33,6% aller offenen Stellen), die größten Engpässe bestehen bei Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (12.046 unbesetzbare Stellen), Bauplanung/-überwachung (9.346 unbesetzbare Stellen) und Dachdeckerei (3.095 unbesetzbare Stellen)
  • In den nächsten zehn Jahren müssen über 200.000 gewerbliche Beschäftigte altersbedingt ersetzt werden, 2024 traten circa 25.000 Arbeitnehmer in die Rente ein, demgegenüber standen nur rund 12.000 neue Ausbildungsverhältnisse, die Ausländerquote im Bauhauptgewerbe stieg von 8% (2009) auf 25% (2025)

Wie hoch ist die Fluktuationsrate in der Baubranche?

Die Fluktuationsrate im Bauhauptgewerbe liegt bei 36,5% (2024) und damit deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 31,4%. Das bedeutet: Auf mehr als jedem dritten Arbeitsplatz im Bauhauptgewerbe findet in einem Jahr ein Wechsel statt.

Im Vorjahr 2023 lag die Quote noch bei 37,0%, der langjährige Durchschnitt 2008 bis 2024 bei 38,8%.

Die Fluktuationsquote wird berechnet als begonnene plus beendete Beschäftigungsverhältnisse innerhalb eines Jahres, geteilt durch zwei, dividiert durch den Personalbestand zum Jahresende plus Personalbestand zum Ende des Vorjahres, geteilt durch zwei, multipliziert mit 100%.

Diese Quote zeigt, in welchen Branchen und bei welchen Arbeitnehmern Jobwechsel besonders häufig sind.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie zeigt die Entwicklung der letzten Jahre:

BereichFluktuationsquote 2024Fluktuationsquote 2023Langjähriger Ø 2008–2024
Baugewerbe (ohne Bauträger)34,2%35,2%36,8%
Bauhauptgewerbe36,5%37,0%38,8%
Gesamtwirtschaft Deutschland31,4%32,3%31,9%

Die Tabelle zeigt: Die Fluktuationsquote im Bau(haupt)gewerbe hat sich 2024 nach einer Stagnation im Vorjahr gesenkt. Laut HDB „hat der Nachholeffekt nach dem Corona-Einbruch 2020 ein Ende gefunden.“

Die 2024er-Quote ist der „zweitniedrigste Wert seit Anspringen des Bauarbeitsmarktes“, liegt aber immer noch deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Wie unterscheidet sich die Fluktuationsrate nach Bauberufen?

Die Fluktuation variiert erheblich je nach Berufsgruppe. Hoch- und Tiefbauberufe erreichten 2024 eine Fluktuationsquote von 42,5%, Innen- und Ausbauberufe 41,7%. Bauplanung, Architektur und Vermessung liegen mit 21,0% deutlich niedriger.

Die drei Berufsgruppen im Vergleich:

BerufsgruppeFluktuationsquote 2024Fluktuationsquote 2023
Hoch- und Tiefbauberufe42,5%43,8%
Innen- und Ausbauberufe41,7%42,2%
Bauplanung, Architektur, Vermessung21,0%21,3%

Das heißt: Auf fast jedem zweiten Arbeitsplatz im Hoch- und Tiefbau findet in einem Jahr ein Wechsel statt.

Bei Bauplanung und Architektur ist es nur jeder fünfte Arbeitsplatz. Der Unterschied ist gewaltig und erklärt sich durch die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen: Bauplanung findet im Büro statt, Hoch- und Tiefbau auf wechselnden Baustellen bei Wind und Wetter.

Fluktuationsrate der Baubranche im Branchenvergleich

Die Baubranche gehört zu den Branchen mit den höchsten Fluktuationsraten in Deutschland.

Nur das Gastgewerbe liegt noch deutlich höher. Laut DZG Next Work Studie (Deutsche Zentrum für Gastwelt, 2024) liegt die Fluktuation im Bereich „Verpflegung und Versorgung“ bei 68,1%.

Laut IW-Analyse auf Basis der LIAB-Daten des IAB (Betriebspanel, Linked-Employer-Employee-Daten) erreichte das Gastgewerbe 2017 die höchste Arbeitskräftefluktuation aller Branchen mit einer Fluktuationsrate von 25,6%.

Die niedrigste Fluktuation wiesen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 4,0% und die öffentliche Verwaltung mit 5,8% auf.

Wie entwickelte sich die gesamtwirtschaftliche Fluktuation?

Die gesamtwirtschaftliche Fluktuation bewegt sich seit Jahren in einem engen Korridor.

Laut IW-Analyse lag der gesamtwirtschaftliche Fluktuationskoeffizient im Zeitraum 2007 bis 2019 zwischen gut 30% und 33%. Diese Konstanz zeigt: „Am hiesigen Arbeitsmarkt sind keine Beschleunigungstendenzen bei den Personalbewegungen zu beobachten.“

Die Zeitreihe über 13 Jahre macht deutlich, wie stabil die Fluktuation in Deutschland ist:

JahrFluktuationskoeffizient
200732,2%
200832,3%
200930,6%
201031,5%
201531,9%
201832,9%
201933,1%
202029,8%

In Krisenzeiten (Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09, Corona 2020) sinkt die Fluktuation deutlich, da Beschäftigte zurückhaltender waren, den Arbeitgeber zu wechseln.

In guten Konjunkturphasen steigt die Wechselbereitschaft, weil der Nutzen eines Arbeitgeberwechsels (bessere Löhne) zunimmt und die Suchkosten (kürzere Suchdauer) sinken.

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeitsdauer bewegte sich im Zeitraum 2007 bis 2019 zwischen 10,3 und 11,0 Jahren und lag 2020 bei 11,2 Jahren.

Welche Beschäftigtengruppen wechseln besonders häufig?

Die Fluktuation unterscheidet sich massiv je nach Beschäftigtenmerkmalen. Junge Beschäftigte unter 25 Jahren erreichten 2019 einen Fluktuationskoeffizient von 75,9%, Helfer 58,1%, Ausländer 66,1%, Menschen ohne berufliche Ausbildung 55,8%.

Die IW-Analyse auf Basis der Bundesagentur für Arbeit zeigt alle Beschäftigtengruppen im Detail:

MerkmalFluktuationskoeffizient 2019Fluktuationskoeffizient 2020
Gesamt33,1%29,8%
Männer35,0%31,0%
Frauen30,9%28,3%
Alter unter 2575,9%68,8%
25 bis unter 5530,9%27,7%
55 bis unter 6517,2%15,8%
Helfer58,1%51,2%
Fachkraft29,2%26,5%
Spezialist24,0%21,4%
Experte31,0%27,9%
Ausländer66,1%57,2%
Deutsche28,5%25,8%
Ohne berufliche Ausbildung55,8%50,2%

Diese Daten sind für die Baubranche hochrelevant: Der hohe Anteil an Helfertätigkeiten, jungen Beschäftigten und ausländischen Arbeitskräften im Baugewerbe erklärt einen erheblichen Teil der überdurchschnittlichen Fluktuation.

Wenn Sie wissen wollen, warum die Baubranche eine Fluktuationsquote von 36,5% hat, schauen Sie sich die Tabelle an: Helfer 58,1%, Ausländer 66,1%, unter 25 Jahren 75,9%. Das sind genau die Gruppen, die im Bau stark vertreten sind.

Was sind die Gründe für die hohe Fluktuation in der Baubranche?

Die Gründe für die hohe Fluktuation in der Baubranche sind vielschichtig und gut dokumentiert. Die zentrale Quelle zu Abwanderungsgründen ist die SOKA-BAU-Studie 2018 „Analyse der Abwanderung aus der Bauwirtschaft“, die im WSI-Aufsatz von André Holtrup (2024) referenziert wird.

Körperliche Belastungen und gesundheitliche Probleme

Körperliche Belastungen und gesundheitliche Probleme stehen auf Platz 1 der Abwanderungsgründe. Bauarbeit ist trotz moderner Hebezeugen und Maschinen nach wie vor körperlich anspruchsvoll. Laut BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) hat „die Bauwirtschaft im Vergleich mit anderen Branchen mit einer erheblich höheren Zahl an Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten zu kämpfen“.

Baustellen werden als „wandernde Fabriken“ beschrieben, auf denen der Arbeitsschutz schwerer aufrechtzuerhalten ist als in stationärer Produktion.

Laut dem österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitor fühlen sich 35% der Beschäftigten am Bau durch Termin- und Zeitdruck „stark oder sehr stark belastet“, im Branchendurchschnitt nur 26%. 38% der Bauarbeiter gehen „auch dann zur Arbeit, wenn sie sich eigentlich krank fühlen“.

Unterdurchschnittliche Vergütung

Die Vergütungssituation steht auf Platz 2 der Abwanderungsgründe. Das Einkommensgefälle zum Verarbeitenden Gewerbe ist massiv. Laut Destatis (April 2023) verdienen Beschäftigte im Baugewerbe insgesamt 23,51 Euro pro Stunde, im Verarbeitenden Gewerbe 32,73 Euro (+39%), in der Gesamtwirtschaft 29,57 Euro (+26%).

Die Zahlen nach Qualifikationsniveau machen das Problem deutlich:

EbeneBaugewerbeVerarbeitendes GewerbeUnterschiedGesamtwirtschaftUnterschied
Insgesamt23,51 €32,73 €+39%29,57 €+26%
Helfer17,67 €20,73 €+17%18,15 €+3%
Fachkraft21,17 €26,54 €+25%23,81 €+12%
Spezialist30,40 €39,78 €+31%33,76 €+11%
Experte46,06 €60,51 €+31%47,98 €+4%

Das Einkommensgefälle zum Verarbeitenden Gewerbe ist besonders bei Fachkräften (25% weniger) und Spezialisten (31% weniger) gravierend. Da die Industrie „eine direkte Konkurrenz bei der Berufswahl und Abwanderung darstellt“, wirkt sich dies unmittelbar auf die Fluktuation aus.

Wenn Sie als Fachkraft im Bau 21,17 Euro verdienen und in der Industrie 26,54 Euro bekommen könnten, ist die Entscheidung zum Wechsel nachvollziehbar.

Zu lange oder ungünstige Arbeitszeiten

Zu lange oder ungünstige Arbeitszeiten werden von Arbeitnehmern und Auszubildenden als Aspekt genannt, der langfristige Tätigkeit unattraktiv macht. Bauarbeit ist stark witterungsabhängig. Im Sommer werden Überstunden aufgebaut, im Winter drohen Arbeitsausfälle und Einkommenseinbußen.

Holtrup formuliert: „Insgesamt darf aber bezweifelt werden, dass die Aussichten, im Sommer sehr viel arbeiten zu müssen und im Winter unfreiwillig viel Freizeit zu haben und gleichzeitig Einkommenseinbußen einplanen zu müssen, als attraktiv wahrgenommen werden.“

Lange unbezahlte Wegezeiten

Die durchschnittliche einfache Wegstrecke von Baubeschäftigten zum Einsatzort beträgt laut IG BAU-Studie (Abraham/Günther 2020) im Mittel 64 km. Die bezahlte Arbeitszeit beginnt erst auf der Baustelle, Wegezeiten sind unbezahlt. Eine 2023 neu vereinbarte Wegezeitentschädigung von bis zu 9 Euro pro Tag wird laut Holtrup „kaum dazu beitragen, Baubeschäftigte in der Branche zu halten“.

Kleinbetriebliche Struktur und fehlende Aufstiegschancen

Im Bauhauptgewerbe haben 72% der Betriebe weniger als 10 Beschäftigte, im Ausbaugewerbe wird der Anteil auf über 90% geschätzt. Diese Struktur bietet kaum betriebsinterne Aufstiegspositionen und erschwert gewerkschaftliche Organisation sowie die Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen.

50 bis 65% der ausgebildeten Fachkräfte verlassen die Branche

Laut Holtrup (2024): „So kehren je nach Gewerk 50% bis 65% der in Handwerken der Bau- und Ausbauwirtschaft ausgebildeten Fachkräfte ihrer Branche den Rücken zu.“ Das ist keine abstrakte Zahl.

Wenn Sie zehn Maurerlehrlinge ausbilden, verlieren Sie fünf bis sechs davon an andere Branchen. Bei zehn Elektrikern sind es ebenfalls fünf bis sechs. Das ist ein massives Problem für die Fachkräftesicherung.

Wie hoch ist der Fachkräftemangel in der Baubranche?

Der Fachkräftemangel in der Baubranche ist dramatisch. Im März 2025 konnten bundesweit mehr als 387.437 offene Stellen rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden.

Damit blieben 33,6% aller offenen Stellen unbesetzt. Der Berufsbereich „Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik“ verzeichnete einen vergleichsweise geringen Rückgang der Fachkräftelücke von nur minus 14,8%.

Wo sind die größten Engpässe?

Die größten Engpässe bestehen bei Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 12.046 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen (Stellenüberhangsquote 75,0%).

Das KOFA stellt fest: „Besonders groß ist der Mangel dabei an ausgebildeten Fachkräften der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit mehr als 12.000 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen.“

Die fünf größten Engpässe bei Fachkräften (März 2025):

BerufsgattungFachkräftelückeStellenüberhangsquoteOffene Stellen
Sanitär, Heizung, Klimatechnik12.04675,0%16.067
Dachdeckerei3.09556,9%5.436
Anlagen-, Behälter-, Apparatebau2.60457,0%4.566
Tiefbau (o.S.)2.07478,6%2.639
Kältetechnik1.80784,8%2.130

Die Stellenüberhangsquote von 75,0% bei Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bedeutet: Drei von vier ausgeschriebenen Stellen können rechnerisch nicht besetzt werden. Bei Kältetechnik sind es sogar 84,8%, bei Tiefbau 78,6%.

Bei Spezialisten sieht es ähnlich aus:

BerufsgattungFachkräftelückeStellenüberhangsquoteOffene Stellen
Aufsicht – Klempnerei, SHK1.46176,1%1.919
Aufsicht – Hochbau1.22963,6%1.933
Aufsicht – Tiefbau1.20587,8%1.372
Baukalkulation/-abrechnung90473,0%1.238
SHK (Spezialisten)80280,1%1.001

Bei Experten erreicht Bauplanung/-überwachung mit 9.346 unbesetzbaren Stellen die Spitze:

BerufsgattungFachkräftelückeStellenüberhangsquoteOffene Stellen
Bauplanung/-überwachung (o.S.)9.34685,9%10.876
Führung Bauplanung/Architektur2.91451,5%5.660
Ver- und Entsorgung (o.S.)1.25793,2%1.348
Hochbau (o.S.)1.16761,7%1.890
Tiefbau (o.S.)1.16490,2%1.290

Die Stellenüberhangsquote von 85,9% bei Bauplanung/-überwachung und 93,2% bei Ver- und Entsorgung zeigt: Fast jede ausgeschriebene Stelle kann rechnerisch nicht besetzt werden.

Wie viele Unternehmen haben Besetzungsschwierigkeiten?

Laut DIHK-Fachkräftereport 2024/2025 (Dezember 2024) gaben 53% der Bauunternehmen Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung an, im Tiefbau sogar 61%. Gesamtwirtschaftlich lag der Anteil bei 43%.

Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 (Dezember 2025) berichteten 36% aller Unternehmen von Stellenbesetzungsschwierigkeiten (minus 7 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr), 48% hatten aktuell keinen Personalbedarf. Laut der DIHK-Umfrage Anfang 2026 gaben 60% der befragten Bauunternehmen den Fachkräftemangel als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung an (zuvor mal 81% in 2019).

Ausbildungssituation und Nachwuchsmangel

Die Ausbildungssituation in der Baubranche hat sich 2025 deutlich verbessert, bleibt aber kritisch. Laut SOKA-BAU (Dezember 2025): „Nachdem die Zahl neuer Ausbildungsverhältnisse in den vergangenen beiden Jahren abgenommen hatte, liegt sie im aktuellen Ausbildungsjahr mit einem Plus in Höhe von 12,7% deutlich über dem Vorjahresniveau. Die Zahl aller Auszubildenden liegt dadurch wieder bei rund 39.000.“

Laut Bauindustrie (Februar 2026): Neueinsteiger-Zuwachs von 13,3%, Gesamtzahl über 40.000 (+5,3%), Tiefbau +21,3%, Hochbau +15,1%. Weibliche Auszubildende: 3.410 (8,5%).

Wie groß ist die demografische Schere?

Laut SOKA-BAU Fachkräftereport 2024: „In den kommenden zehn Jahren müssen mehr als 200.000 gewerbliche Beschäftigte und Angestellte ersetzt werden, weil sie in den Ruhestand gehen.“ 2024 traten circa 25.000 Arbeitnehmer der Bauwirtschaft in die Rente ein, demgegenüber standen nur rund 12.000 neue Ausbildungsverhältnisse.

Der SOKA-BAU Fachkräftereport vermerkt: „Die Abwanderungsbereitschaft in der Bauwirtschaft ist hoch.“

Laut HDB werden außerdem 40% der Ausbildungsverträge im Hoch- und Tiefbau vorzeitig gelöst. Die Abbruchquote im 1. Lehrjahr lag 2024 bei 13,9% (Anstieg +0,7% gegenüber 2023).

Das heißt: Von 100 Auszubildenden brechen 40 die Ausbildung ab, 13,9 davon bereits im ersten Lehrjahr. Von den verbleibenden 60 verlassen dann wiederum 50 bis 65% die Branche nach der Ausbildung.

Wie hat sich die Ausländerquote entwickelt?

Laut HDB ist die Ausländerquote im Wirtschaftszweig Bauhauptgewerbe von 8% im Jahr 2009 auf 25% im Jahr 2025 angestiegen. In Hochbauberufen (ohne Angestellte) liegt die Quote sogar bei 36%. Das zeigt: Ohne ausländische Arbeitskräfte würde die Baubranche kollabieren.

Abwanderung aus Engpassberufen

Die Abwanderung aus Engpassberufen verschärft den Fachkräftemangel zusätzlich. Laut Bertelsmann Stiftung / RWI (Oktober 2025): Von 2022 bis 2023 verließen 191.000 Personen Engpassberufe (Pflege, Bau, Handwerk, IT) zugunsten von Jobs ohne Fachkräftemangel. Nur rund 167.000 kamen neu dazu. Unterm Strich: ein Nettoverlust von 24.000 Fachkräften in einem Jahr.

Luisa Kunze (Bertelsmann): „Die aktuelle Wechseldynamik zwischen Jobs verschärft die ohnehin schon schwierige Situation in Bereichen wie der Pflege oder dem Handwerk. Wenn wir 24.000 Fachkräfte in einem Jahr verlieren, dann entspricht dies der Einwohnerzahl einer Kleinstadt.“

Mehr als ein Drittel der Wechsler aus Engpassberufen ändert die berufliche Ausrichtung komplett. Im Gesundheits- und Pflegebereich orientieren sich sogar rund zwei Drittel vollständig um.

Laut Bundesagentur für Arbeit sind 183 von 522 besonders relevanten Berufen Engpassberufe, rund 40% der Beschäftigten arbeiten in solchen Berufen, „besonders häufig in der Kranken- und Altenpflege, in vielen Bau- und Handwerksberufen sowie in der IT“.

Fazit: „36,5% Fluktuation trifft auf 200.000 fehlende Fachkräfte bis 2034“

Die Baubranche steht vor einem Paradox: Eine der höchsten Fluktuationsquoten aller Wirtschaftszweige (36,5% im Bauhauptgewerbe, 42,5% in Hoch- und Tiefbauberufen) trifft auf einen dramatischen Fachkräftemangel mit 387.437 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen bundesweit.

50 bis 65% der ausgebildeten Fachkräfte verlassen die Branche je nach Gewerk, in den nächsten zehn Jahren müssen über 200.000 gewerbliche Beschäftigte altersbedingt ersetzt werden.

Das Ausmaß wird erst klar, wenn man die Zahlen im Zusammenhang sieht:

  • 25.000 Rentner pro Jahr stehen nur 12.000 neue Ausbildungsverhältnisse gegenüber
  • 40% der Ausbildungsverträge im Hoch- und Tiefbau werden vorzeitig gelöst
  • Die Ausländerquote stieg von 8% (2009) auf 25% (2025), in Hochbauberufen auf 36%
  • 75,0% aller Stellen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bleiben rechnerisch unbesetzt
  • 85,9% aller Stellen für Bauplanung/-überwachung bleiben rechnerisch unbesetzt
  • Fachkräfte im Bau verdienen 25% weniger als im Verarbeitenden Gewerbe, Spezialisten 31% weniger

Die Hauptursachen sind körperliche Belastungen (Platz 1), unterdurchschnittliche Vergütung (Platz 2) und ungünstige Arbeitszeiten (Platz 3, Sommer Überstunden, Winter Einkommenseinbußen).

Hinzu kommen 64 km durchschnittliche unbezahlte Wegstrecke und eine kleinbetriebliche Struktur (72% der Betriebe unter 10 Beschäftigte) ohne Aufstiegschancen.

Patrick Steeger

bKV-Experte

Über den Autor

Ich bin Patrick, Geschäftsführer von bKVfirmenservice.de. Seit 2015 beschäftige ich mich mit der betrieblichen Krankenversicherung – erst neun Jahre als Geschäftsführer in einem Versicherungskonzern, seit 2024 als unabhängiger Berater. Gemeinsam mit meinem Team unterstütze ich KMUs und Konzerne bei Benefits wie bAV, bKV und Gesundheitsbudgets. Mit diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und zeige, wie Unternehmen Arbeitswelten schaffen, in denen Menschen gerne bleiben.
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