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.Patrick Steeger

Bild zeigt Patrick Steeger, Geschäftsführer vom bKV Firmenservice
zuletzt aktualisiert: 17. März 2026

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Fluktuationsrate und Krankenstand in der Reinigungsbranche (2026)

Das Gebäudereiniger-Handwerk ist Deutschlands beschäftigungsstärkstes Handwerk mit 658.325 Beschäftigten und 27,55 Milliarden Euro Umsatz. Reinigungsberufe führen Jahr für Jahr die Statistik der Arbeitsunfähigkeitstage an: 29,1 Kalendertage Krankenstand in Bayern (2023), mehr als einen Monat pro Jahr bundesweit.

Die Fluktuationsrate im infrastrukturellen Gebäudemanagement liegt bei 9,7%, 50% aller Austritte erfolgen im ersten Beschäftigungsjahr.

Die Hauptursachen sind körperliche Belastungen (74% leiden unter Muskel-Skelett-Beschwerden), niedrige Löhne (59% Niedriglohnbeschäftigte) und soziale Unsichtbarkeit. 84% der Beschäftigten arbeiten auf Helferniveau, 47,4% haben keinen deutschen Pass, 63% sind Frauen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Reinigungsbranche zählt 34.824 Betriebe, 658.325 Beschäftigte und 27,55 Milliarden Euro Umsatz (2023/2024), 11,2% aller sozialversicherungspflichtigen Handwerksbeschäftigten entfallen auf die Gebäudereinigung, 29,6% aller neu entstandenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze im Handwerk stammen aus der Gebäudereinigung
  • Reinigungsberufe führen die Krankenstandsstatistik mit 29,1 Kalendertagen in Bayern (2023), bundesweit mehr als einem Monat pro Jahr, 74% der Reinigungskräfte litten im vorangegangenen Jahr unter Muskel-Skelett-Beschwerden, 27,6% aller Fehltage sind auf MSE zurückzuführen, 71,3% der Unternehmen berichten seit Einführung der telefonischen Krankschreibung (Dezember 2023) von erhöhtem Krankenstand
  • Die Fluktuationsrate im infrastrukturellen Gebäudemanagement liegt bei 9,7% (Median 9,6%), im technischen Gebäudemanagement bei 7,9% (Median 5,0%), 50% aller Austritte erfolgen im ersten Beschäftigungsjahr, im infrastrukturellen FM sogar 65%, Hauptgründe sind fehlende finanzielle Anreize (56%), persönliche Gründe (44%) und bessere Work-Life-Balance (22%)
  • 84% der Beschäftigten arbeiten auf Helferniveau, 63% sind Frauen, 47,4% haben keinen deutschen Pass, 59% sind Niedriglohnbeschäftigte, 59,8% sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 40,2% als Minijobber, durchschnittliche Wochenarbeitszeit 19,7 Stunden, 86% der Reinigungsdienstleister können offene Stellen nicht besetzen (höchster Wert aller Branchen)

Wie groß ist die Reinigungsbranche in Deutschland?

Die Reinigungsbranche ist Deutschlands beschäftigungsstärkstes Handwerk mit 34.824 Betrieben, 658.325 Beschäftigten und 27,55 Milliarden Euro Umsatz (Stand: Daten 2023/2024).

Laut dem BIV-Branchenreport 2025, herausgegeben vom Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks und wissenschaftlich begleitet vom IW Consult (IW Köln), entfallen 11,2% aller sozialversicherungspflichtigen Handwerksbeschäftigten auf die Gebäudereinigung.

Noch beeindruckender: 29,6% aller neu entstandenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze im Handwerk stammen aus der Gebäudereinigung. Zum Vergleich: Der BIV-Branchenreport 2022 wies noch 29.464 Betriebe, 664.737 tätige Personen und 20,56 Milliarden Euro Umsatz aus (Referenzjahr 2019).

Die Umsatzentwicklung im Zeitraum 2015 bis 2024 lag im Gebäudereiniger-Handwerk bei +40,1 Prozent (Gesamthandwerk: +80,2 Prozent).

85% Lohnkostenanteil erzwingen Niedrigpreiskonkurrenz

Der BIV repräsentiert rund 85% des Marktes, seine rund 2.500 Mitgliedsunternehmen beschäftigen durchschnittlich 250 Personen. Der Lohnkostenanteil beträgt durchschnittlich 85% des Angebotspreises (Bruttolöhne, Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Lohnfortzahlung, Urlaubsgeld).

Bei sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen liegt dieser Anteil laut Statistischem Bundesamt bei lediglich 31%.

Es herrscht starker Verdrängungswettbewerb, Aufträge werden häufig nach dem Niedrigpreisprinzip vergeben.

Laut DSGV-Branchenreport 2024 nutzen einige Betriebe unseriöse Mittel und unterlaufen den Mindestlohn. Nur 3 von 10 Tätigkeiten der Gebäudereinigung sind laut Job-Futuromat der Bundesagentur für Arbeit automatisierbar.

Wie ist die Beschäftigungsstruktur in der Reinigungsbranche?

Die Beschäftigungsstruktur der Reinigungsbranche unterscheidet sich fundamental von anderen Branchen. 84% der Beschäftigten arbeiten auf Helferniveau, 63% sind Frauen, 47,4% haben keinen deutschen Pass.

Das sind keine Randerscheinungen, das ist die Branchenrealität.

Minijobs sinken, sozialversicherungspflichtige Stellen steigen um 23,7%

Der BIV-Branchenreport 2025 zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung im Berichtszeitraum 2014 bis 2023. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg um +23,7% auf einen Anteil von 59,8%, Minijobs sanken um –24,4% auf 40,2% (früher 29,1%).

Der Rückgang der Minijobs zugunsten sozialversicherungspflichtiger Stellen wird auf das starke Tarifgefüge und die Anhebung der Branchenmindestlöhne zurückgeführt. Das ist eine positive Entwicklung, aber 40,2% Minijobs bleiben ein hoher Wert.

BeschäftigungsformAnteil 2023Entwicklung 2014–2023
Sozialversicherungspflichtig59,8%+23,7%
Minijobs40,2% (früher 29,1%)–24,4%

Die Tabelle zeigt die Verschiebung, aber die strukturellen Probleme bleiben bestehen.

63% Frauen, 47,4% ohne deutschen Pass, 84% auf Helferniveau

Laut der Hans-Böckler-Stiftung (Working Paper Nr. 383, Oktober 2025, Viveka Ansorge: „Interaktionsarbeit in der Tagesreinigung“), basierend auf Daten der Bundesagentur für Arbeit:

  • 63% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sind Frauen (2022), Tendenz fallend
  • 61% der geringfügig Beschäftigten sind Frauen (2022)
  • 44% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten haben ausländischen Pass (2022), Tendenz steigend
  • 45% der geringfügig Beschäftigten haben ausländischen Pass (2022)
  • 2/3 der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten auf Hilfskraftniveau

Laut BIV-Branchenreport 2025 haben 47,4% der Beschäftigten keinen deutschen Pass (Stand 2024). Dem Statistischen Bundesamt (2025) zufolge haben 49% der Beschäftigten in dieser Wirtschaftsgruppe eine Einwanderungsgeschichte, nach der Gastronomie der höchste Anteil im Branchenvergleich.

Laut einem Monitor des Projekts „Arbeit sicher und gesund“ (Beschäftigungsstatistik der BA, Stand 01.03.2024) sind knapp 84% der Beschäftigten in der Reinigungsbranche Basisarbeitende (Helferniveau).

Der Hilfskräfteanteil bei Reinigungsberufen betrug bereits 2014 über 75% und liegt 2024 bei knapp 80%, wie das Working Paper der Hans-Böckler-Stiftung (Ansorge 2025) auf Basis von Bundesagentur-für-Arbeit-Daten zeigt.

19,7 Stunden Wochenarbeitszeit, Randzeiten und 14,7% SGB-II-Bezug

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug 2023 nur 19,7 Stunden (Vorjahr: 20 Stunden), der Minijobber-Anteil stieg von 36% auf 39,4%, laut Branchenspiegel Gebäudedienste 2024 (98 befragte Dienstleister mit 327.000 Mitarbeitern).

In der Unterhaltsreinigung dominieren kleine Teilzeitstellen und Minijobs, Arbeit auf Abruf ist bei Minijobs verbreitet. Reinigungskräfte arbeiten häufig in Randzeiten (früh morgens oder späts abends), da die meisten Kunden Reinigung außerhalb der Betriebszeiten wünschen.

Die Quote der Leistungsempfänger nach SGB II, die in der Gebäudereinigung erwerbstätig sind, betrug im September 2024 laut Bundesagentur für Arbeit 6,4% bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und 14,7% bei ausschließlich geringfügiger Beschäftigung, beides Höchstwerte im Branchenvergleich.

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeit und Qualifikation lag 2020 der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in der Gebäudebetreuung bei knapp 59%.

Wie hoch ist der Krankenstand in Reinigungsberufen?

Reinigungsberufe führen Jahr für Jahr die Statistik der Arbeitsunfähigkeitstage an. Laut BKK Landesverband Bayern (Analyse der BKK-Arbeitsunfähigkeitsdaten 2023, veröffentlicht Dezember 2024) erreichten Reinigungsberufe 29,1 Kalendertage Krankenstand und damit Platz 1 aller Berufsgruppen.

Der bayerische Durchschnitt über alle Berufe lag bei 19,5 Krankheitstagen (2023). Reinigungsberufe liegen also 50% über dem Durchschnitt. Die BKK stellt fest: „Bis zu einem Drittel der Diagnosen entfallen bei diesen Berufsgruppen auf Muskel- und Skeletterkrankungen.“

Platz 1 mit 29,1 Tagen in Bayern, bundesweit über einen Monat

Die Spitzengruppen im Vergleich zeigen die Dimension:

  • Reinigungsberufe: 29,1 Tage
  • Verkehrs- und Logistikberufe: 27,9 Tage
  • Fertigungsberufe: 26,5 Tage
  • IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe: 13,0 Tage

Laut Tagesschau / BKK-Datenanalyse (November 2025) sind „Reinigungskräfte sogar im Durchschnitt mehr als einen Monat pro Jahr“ krankgeschrieben. Bei Reinigungskräften treten häufig Muskel-Skelett-Erkrankungen als Ursache auf, die zu langen Ausfallzeiten führen.

Der BKK-Gesundheitsreport 2020 zeigt: Reinigungskräfte verzeichneten durchschnittlich 27 Arbeitsunfähigkeitstage, doppelt so viele wie IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe. Bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen in der ambulanten Versorgung landeten Reinigungskräfte mit 55,8% auf Platz 1.

Gesamtwirtschaft: 19 bis 23 Tage je nach Krankenkasse

Zum Einordnen der Reinigungsbranche-Zahlen die gesamtwirtschaftlichen Referenzwerte aus verschiedenen Krankenkassen:

QuelleJahrKrankenstand / Fehltage
TK (Techniker Krankenkasse)20245,23% = 19,1 Tage/Erwerbstätiger
TK20235,31% = 19,4 Tage (Rekordwert)
DAK/IGES202419,7 Fehltage (von 20 in 2023)
BKK-Dachverband202422,3 Fehltage (stabil auf Rekordniveau)
BKK-Gesundheitsreport 202520246,4% = 23,4 Kalendertage (BKK-standardisiert)
AOK (Fehlzeiten-Report 2025)20246,5%; 228 AU-Fälle je 100 Mitglieder (neuer Höchstwert)
WIdO/AOK202523,3 Tage (leichter Rückgang)

Der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt liegt bei 19 bis 23 Tagen, je nach Krankenkasse. Reinigungsberufe liegen mit 29,1 Tagen (Bayern) beziehungsweise über einem Monat (bundesweit) deutlich darüber.

Was sind die Ursachen des hohen Krankenstands in Reinigungsberufen?

Die Ursachen des hohen Krankenstands sind vielschichtig und gut dokumentiert. Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen an erster Stelle, aber auch psychosoziale Belastungen und Atemwegserkrankungen spielen eine Rolle.

74% leiden unter MSE, 27,6% aller Fehltage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind seit Jahren beim Reinigungspersonal die Diagnosehauptgruppe mit den meisten AU-Tagen in Deutschland. Laut BG BAU und IFA (Institut für Arbeitsschutz der DGUV) entfallen 27,6% der Fehltage im Reinigungsbereich auf MSE. MSE verursachen mit durchschnittlich über 17 Tagen pro Fall verhältnismäßig lange Ausfallzeiten.

In einer Umfrage unter Gebäudereinigern für Innenräume berichteten 74%, im vorangegangenen Jahr unter Schmerzen und Beschwerden bezüglich des Muskel-Skelett-Systems gelitten zu haben. 52% der Betroffenen begaben sich deshalb in ärztliche Behandlung.

Zur Einordnung: In der deutschen Gesamtwirtschaft machen laut AOK-Fehlzeiten-Report 2024 Muskel-Skelett-Erkrankungen 20,3% aller Fehltage aus, psychische Erkrankungen 17,4% und Atemwegserkrankungen 19,7%.

Im Jahr 2023 gingen 19,5% der Fehlzeiten auf Muskel- und Skelett-Erkrankungen zurück, mit durchschnittlich 15,8 Tagen je Fall, und sie verursachten 61% der durch Langzeitfälle (über 6 Wochen) bedingten Fehltage.

Monotone Bewegungen, Zeitdruck und fehlende Prävention

Die körperlichen Belastungen sind massiv. Laut BKK Bayern und IFA/BG BAU sind monotone und wiederholte Bewegungen bei körperlicher Arbeit (Wischen, Bücken, Heben) Standard. Zeitdruck und Leistungsverdichtung verschärfen die Situation: Reinigungskräfte müssen in immer kürzerer Zeit immer mehr leisten.

Keine oder wenig Möglichkeiten für betriebliche Präventionsangebote bestehen, da viele Reinigungskräfte als externe Dienstleister tätig sind. Sie fallen „durch das Raster“.

Soziale Unsichtbarkeit, mangelnde Wertschätzung, Konfliktsituationen

Laut Ansorge (Hans-Böckler-Stiftung 2025) ist soziale Unsichtbarkeit zusätzlich gesundheitlich belastend. Mangelnde Wertschätzung und Alleinarbeit belasten die Gesundheit der Reinigungskräfte (Steurer, Arbeitspsychologin Wien). Konfliktsituationen im Kundenkontakt können Überforderung und psychische Belastung auslösen.

Atemwegserkrankungen 35,9% aller AU-Fälle, psychische Erkrankungen +47% seit 2014

Atemwegserkrankungen waren 2024 mit mehr als einem Drittel aller AU-Fälle (35,9%) der häufigste Grund für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle (BKK-Dachverband). Laut AOK Fehlzeiten-Report 2025 waren 36% der AU-Fälle auf Atemwegserkrankungen zurückführbar (2024). Erkältungskrankheiten verursachten durchschnittlich 4,7 Fehltage pro Erwerbstätigem (TK, 2024).

Psychische Erkrankungen verursachen im Schnitt mehr als fünf Wochen Ausfall (BKK-Dachverband 2024). AU-Tage wegen psychischer Erkrankungen haben sich zwischen 2014 und 2024 um knapp 47% erhöht (AOK Fehlzeiten-Report 2024).

Bei der TK verursachten psychische Erkrankungen 2024 im Schnitt 3,75 Fehltage je Erwerbsperson (2023: 3,59 Tage).

71,3% berichten seit telefonischer AU von erhöhtem Krankenstand

Der BIV befragte im Rahmen seiner Herbst-Konjunkturumfrage 2024 (mehr als 400 Mitgliedsunternehmen des Gebäudereiniger-Handwerks): Bei 71,3% der Unternehmen hat sich der Krankenstand seit der dauerhaften Einführung der telefonischen Krankschreibung (Dezember 2023) erhöht.

Die Zahlen im Detail:

  • 33,3% der betroffenen Betriebe geben eine Erhöhung um bis zu 10% an
  • 22,4% nennen eine Erhöhung um bis zu 20%
  • 7,5% geben eine Erhöhung um bis zu 30% an
  • 28,9% der Unternehmen melden einen konstant gebliebenen Krankenstand
  • 81,4% der befragten Unternehmen wünschen sich die Abschaffung der Regelung

Wichtig zur Einordnung: Die AOK-Fehlzeiten-Autoren sehen keinen Hinweis auf Missbrauch der telefonischen Krankmeldung. Sie nennen die automatische Übermittlung der Krankmeldungen an die Krankenkassen (eAU) als einen von mehreren Gründen für die hohen Zahlen; Krankheitsfälle könnten jetzt umfassender erfasst werden.

Das WIdO bestätigt in seiner Fehlzeiten-Bilanz 2025, dass die Einführung der eAU 2022 zu einer „bemerkenswerten Niveau-Verschiebung nach oben“ geführt hat und in einer Modellrechnung für 2025 ohne eAU-Effekt 2,5 AU-Tage weniger ermittelt.

Wie hoch ist die Fluktuationsrate in der Reinigungsbranche?

Die Fluktuationsrate in der Reinigungsbranche liegt im infrastrukturellen Gebäudemanagement bei 9,7% (Mittelwert) beziehungsweise 9,6% (Median) und im technischen Gebäudemanagement bei 7,9% (Mittelwert) beziehungsweise 5,0% (Median).

Das sind die Zahlen aus dem Lünendonk-Konjunkturindex Facility Service Q3 2023, erhoben unter 53 Facility-Service-Unternehmen (Erhebungszeitraum: 16. bis 26. Oktober 2023, Fragen zur Fluktuationsquote: n = 29).

50% der Facility-Service-Betriebe mit infrastrukturellem Schwerpunkt über 10% Fluktuation

Die Verteilung zeigt, dass fast die Hälfte der Facility-Service-Unternehmen mit infrastrukturellem Schwerpunkt eine Fluktuationsquote über 10% haben:

FluktuationsklasseInfrastrukturelles FMTechnisches FM
Unter 5%28%34%
5 bis 10%24%34%
10 bis 15%28%18%
Ab 15%21%14%

Laut Lünendonk haben „knapp 50 Prozent der Facility-Service-Unternehmen mit infrastrukturellem Schwerpunkt eine Fluktuationsquote über 10 Prozent. Dagegen haben ein Drittel der Betriebe mit technischem Schwerpunkt eine Fluktuationsquote über 10 Prozent.“

65% aller Austritte im infrastrukturellen FM im ersten Beschäftigungsjahr

Die Fluktuation nach Betriebszugehörigkeit zeigt das eigentliche Problem. Aus dem Lünendonk-Dokument (Q3 2023, Fragen zur Betriebszugehörigkeit bei Austritt: n = 30):

Infrastrukturelles FM speziell (wo die meisten Reinigungskräfte arbeiten):

  • Bis 1 Jahr: 65% aller Austritte
  • 2 bis 3 Jahre: 17%
  • Ab 3 Jahre: 18%

Alle Unternehmen zusammen:

  • Bis 1 Jahr Betriebszugehörigkeit: 50% aller Austritte
  • 2 bis 3 Jahre: 29%
  • Ab 3 Jahre: 21%

Technisches FM:

  • Bis 1 Jahr: 36%
  • 2 bis 3 Jahre: 38%
  • Ab 3 Jahre: 26%

Integriertes FM:

  • Bis 1 Jahr: 47%
  • 2 bis 3 Jahre: 37%
  • Ab 3 Jahre: 16%

Im infrastrukturellen FM, wo die meisten Reinigungskräfte arbeiten, scheiden zwei von drei Mitarbeitern im ersten Jahr aus. Das ist kein Personalmanagement mehr, das ist ein Drehtür-System.

Was sind die Ursachen für die hohe Fluktuation in der Reinigungsbranche?

Die Ursachen für die hohe Fluktuation sind strukturell und gut dokumentiert. Fehlende finanzielle Anreize stehen an erster Stelle, gefolgt von persönlichen Gründen und dem Wunsch nach besserer Work-Life-Balance.

56% nennen fehlende finanzielle Anreize als Hauptgrund

Laut Lünendonk-Konjunkturindex Q3 2023 (n = 36, Mehrfachantworten möglich) nannten im infrastrukturellen FM 56% der Unternehmen fehlende finanzielle Anreize als Hauptgrund für das Ausscheiden von Mitarbeitern (Platz 1). Persönliche Gründe nannten 44% (Platz 2), bessere Work-Life-Balance 22% (Platz 3).

Die Top-3-Wechselgründe im infrastrukturellen FM:

  • (Fehlende) finanzielle Anreize: 56%
  • Persönliche Gründe: 44%
  • Bessere Work-Life-Balance: 22%

Weitere genannte Gründe: Attraktiveres alternatives Angebot (19%), fehlende Qualifikation/Leistung (19%), Auftragsverluste (14%), sonstige (28%).

Im technischen FM sieht die Rangfolge leicht anders aus: Fehlende finanzielle Anreize (56%, Platz 1), attraktiveres alternatives Angebot (44%, Platz 2), persönliche Gründe (41%, Platz 3).

Niedrigpreisprinzip, Arbeitszeitfragmentierung, fehlende Betriebsräte

Die Hans-Böckler-Stiftung (Böhme 2024, Working Paper Nr. 333: „Arbeitsausbeutung im Reinigungsgewerbe“) identifiziert fünf Erklärungsansätze für strukturelle Probleme:

  • Harter Wettbewerb zahlreicher Großbetriebe in Verbindung mit wachsender Bedeutung von Plattformökonomien ohne staatliche Kontrolle
  • Das öffentliche Vergabesystem von Reinigungsaufträgen nach dem Niedrigpreisprinzip
  • Die Fragmentierung der Arbeitszeit (kleine Teilzeitstellen, geteilte Dienste, Randzeiten)
  • Die Schwäche vieler Betriebsräte in Verbindung mit einem geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad
  • Die Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2004

Die Segmentationstheorie (Doeringer/Piore 1971, zitiert in Böhme 2024) beschreibt sekundäre Arbeitsmärkte durch folgende Merkmale, die auf die Reinigungsbranche zutreffen:

Die Löhne sind niedrig, die Arbeitsbedingungen schlecht, es gibt eine hohe Personalfluktuation, wenig Aufstiegschancen und eine oft willkürliche und unberechenbare Überwachung der Arbeit.

Job-Ghosting, körperliche Überlastung, soziale Unsichtbarkeit

Ansorge (2025, Hans-Böckler-Stiftung, Working Paper Nr. 383) nennt zusätzliche Fluktuationsursachen:

  • Körperlich fordernde Arbeit in der Unterhaltsreinigung, sodass Vollzeitarbeit eher selten ist und nicht lange „durchgehalten“ wird
  • Soziale Unsichtbarkeit (außerhalb der Betriebszeiten, allein arbeitend) mit gesundheitlich belastendem Charakter
  • Kleine Teilzeitstellen und Minijobs ermöglichen sehr flexiblen Personaleinsatz; schnelle Austauschbarkeit des Personals ist die Maxime der Unternehmen
  • „Job-Ghosting“: Beschäftigte kommen kurz nach der Einstellung unangekündigt nicht mehr zur Arbeit
  • Geringes gesellschaftliches Ansehen und mangelnde Wertschätzung
  • Unfreiwillige Teilzeit und Mehrfachbeschäftigung sind verbreitet

Kurt Service Blog (Branchenbeobachter) listet folgende Gründe auf: Geringes gesellschaftliches Ansehen der Tätigkeit, Teilzeitmodelle mit unregelmäßigen Einsatzzeiten, körperlich belastende Arbeit, häufig unter Zeitdruck, wenig Kommunikation oder Rückhalt vom Arbeitgeber, kaum Aufstiegsperspektiven oder Weiterbildungsangebote.

Wie groß ist der Arbeitskräftemangel in der Reinigung?

Der Arbeitskräftemangel in der Reinigungsbranche ist dramatisch. 86% der Reinigungsdienstleister können offene Stellen nicht besetzen (höchster Wert aller Branchen). Jedes vierte Unternehmen (24,5%) muss Aufträge ablehnen, weil der Arbeitskräftemangel zu groß ist.

86% können Stellen nicht besetzen, 68% nennen Fachkräftemangel als dringendstes Problem

Laut DIHK-Report Fachkräfte 2024/2025 können bei den Reinigungsdiensten 86% der Unternehmen offene Stellen nicht besetzen, der höchste Wert aller Branchen. Zudem nennen 68% der Reinigungsdienstleister den Fachkräftemangel als dringendstes Problem, ebenfalls der höchste Branchenwert.

24,5% lehnen Aufträge ab, 14,9% melden kleinere Engpässe

Laut Branchenspiegel Gebäudedienste 2024 (98 befragte Dienstleister, Branchenumfrage rationell reinigen mit JMS Augsburg) muss jedes vierte Unternehmen (24,5%) Aufträge ablehnen, weil der Arbeitskräftemangel zu groß ist. Weitere 14,9% sprechen von kleineren Engpässen. 60,6% halten die Situation für schwierig, aber noch beherrschbar.

Der Lünendonk-Konjunkturindex Q4 2023 nennt Personalausfall und hoher Krankheitsstand als neue Herausforderung (neben dem übergeordneten Thema Personalmangel, das 87% der Unternehmen nennen).

Ungünstige Altersverteilung verschärft demografischen Druck

Laut BIV-Branchenreport 2025 mangelt es so stark an Personal, dass Umsatzeinbußen und Auftragsverzicht befürchtet werden. Auch die Altersverteilung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Reinigungsberufen ist ungünstig, was den demografischen Druck erhöht.

Wie viel verdienen Reinigungskräfte aktuell?

Reinigungskräfte verdienen ab Januar 2025 mindestens 14,25 Euro pro Stunde (Lohngruppe 1: Innen-/Unterhaltsreinigung), ab Januar 2026 sind es 15,00 Euro. Der Tarifvertrag wurde im November 2024 zwischen IG BAU und BIV vereinbart und ist seit dem 1. Februar 2025 allgemeinverbindlich.

Heißt: Er gilt bundesweit für alle gewerblich Beschäftigten, unabhängig von der Tarifbindung.

15,00 Euro Mindestlohn ab 2026 in Lohngruppe 1, bis 21,64 Euro in LG 9

Die vollständige Lohntabelle für alle Lohngruppen zeigt die Spanne:

LohngruppeTätigkeitbis Dez. 2024ab Jan. 2025ab Jan. 2026Steigerung gesamt
LG 1Innen-/Unterhaltsreinigung (allgemeinverbindlich)13,50 €14,25 €15,00 €+11,1%
LG 2Erweiterte Unterhaltsreinigung13,90 €14,65 €15,46 €+11,2%
LG 3Maschinelle Reinigung14,35 €15,12 €15,95 €+11,1%
LG 4Spezialarbeiten (z. B. Klinikreinigung)14,95 €15,77 €16,66 €+11,4%
LG 5Vorarbeiter/in15,83 €16,67 €17,57 €+11,0%
LG 6Glas-/Fassadenreinigung (allgemeinverbindlich)16,70 €17,65 €18,40 €+10,2%
LG 718,64 €19,39 €
LG 819,67 €20,42 €
LG 9Fachvorarbeit Glas-/Außenreinigung20,89 €21,64 €

Lohngruppen 7 bis 9 (Objektleiter/in, Meister/in) werden betrieblich geregelt und erreichen bis zu 23 Euro pro Stunde.

Steigerung von 11,55 Euro (vor 2022) auf 15,00 Euro (2026)

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt deutliche Steigerungen:

ZeitraumLohngruppe 1Lohngruppe 6
Vor 202211,55 €14,81 €
Ab Oktober 202213,00 €16,20 €
Ab Januar 202413,50 €16,70 €
Ab Januar 202514,25 €17,65 €
Ab Januar 202615,00 €18,40 €

Laut Piepenbrock-Blog lag der Branchenmindestlohn (Lohngruppe 1) ab Januar 2024 mit 13,50 Euro rund 9% über dem gesetzlichen Mindestlohn von 12,41 Euro. Laut BIV-Branchenreport 2025 liegt der Einstiegslohn ab 2025 mit 14,25 Euro und ab 2026 mit 15,00 Euro deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn.

30 Tage Urlaub, 30% Nachtzuschlag, 80% Sonn-/Feiertagszuschlag

Laut allgemeinverbindlichem Rahmentarifvertrag gibt es für alle Beschäftigten:

  • 30 Tage Urlaub
  • 30% Zuschlag für Nachtarbeit
  • 80% Zuschlag an Sonn-/Feiertagen
  • 200% Zuschlag an besonderen Tagen (z. B. Weihnachten)

Laut IG BAU vom November 2024 steigt der Branchenmindestlohn, den laut IG BAU rund 500.000 Beschäftigte in der Branche erhalten, auf 15 Euro (ab 2026).

Fazit: 29 Krankheitstage, 9,7% Fluktuation, 86% können Stellen nicht besetzen

Die Reinigungsbranche steht vor massiven Herausforderungen. Reinigungsberufe führen mit 29,1 Kalendertagen (Bayern 2023) beziehungsweise mehr als einem Monat pro Jahr (bundesweit) die Krankenstandsstatistik an, 74% der Reinigungskräfte litten im vorangegangenen Jahr unter Muskel-Skelett-Beschwerden, 27,6% aller Fehltage sind auf MSE zurückzuführen.

71,3% der Unternehmen berichten seit Einführung der telefonischen Krankschreibung (Dezember 2023) von erhöhtem Krankenstand.

Die Fluktuation im infrastrukturellen Gebäudemanagement liegt bei 9,7% (Median 9,6%), im technischen Gebäudemanagement bei 7,9% (Median 5,0%). Das eigentliche Problem zeigt die Austrittsdauer:

  • 65% aller Austritte im infrastrukturellen FM erfolgen im ersten Beschäftigungsjahr
  • Nur 18% bleiben länger als drei Jahre
  • Die Hauptgründe sind fehlende finanzielle Anreize (56%), persönliche Gründe (44%) und bessere Work-Life-Balance (22%)

Der Arbeitskräftemangel verschärft die Lage:

  • 86% der Reinigungsdienstleister können offene Stellen nicht besetzen (höchster Wert aller Branchen)
  • 68% nennen den Fachkräftemangel als dringendstes Problem (ebenfalls höchster Branchenwert)
  • 24,5% müssen Aufträge ablehnen, weil der Arbeitskräftemangel zu groß ist

Die Beschäftigungsstruktur zeigt das Dilemma: 84% arbeiten auf Helferniveau, 63% sind Frauen, 47,4% haben keinen deutschen Pass, 59% sind Niedriglohnbeschäftigte, durchschnittliche Wochenarbeitszeit 19,7 Stunden, 40,2% als Minijobber beschäftigt.

Die Tariflöhne steigen (15,00 Euro ab 2026 in Lohngruppe 1, +11,1% seit Ende 2024), aber die strukturellen Probleme bleiben: Niedrigpreisprinzip bei öffentlichen Aufträgen, fragmentierte Arbeitszeiten, soziale Unsichtbarkeit, kaum Aufstiegschancen.

Patrick Steeger

bKV-Experte

Über den Autor

Ich bin Patrick, Geschäftsführer von bKVfirmenservice.de. Seit 2015 beschäftige ich mich mit der betrieblichen Krankenversicherung – erst neun Jahre als Geschäftsführer in einem Versicherungskonzern, seit 2024 als unabhängiger Berater. Gemeinsam mit meinem Team unterstütze ich KMUs und Konzerne bei Benefits wie bAV, bKV und Gesundheitsbudgets. Mit diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und zeige, wie Unternehmen Arbeitswelten schaffen, in denen Menschen gerne bleiben.
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