Sie führen eine Pflegeeinrichtung oder einen ambulanten Dienst. Sie verlieren Mitarbeiter, die Fluktuation ist hoch, die Krankenstände explodieren. Sie fragen sich: Wie schlimm ist es wirklich?
Die Antwort: schlimm. Pflegekräfte haben die höchsten Fehlzeiten aller Branchen (28,5 Tage im Jahr 2024), fast die Hälfte denkt über einen Berufsausstieg nach, und ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen alle aktuellen Zahlen zur Mitarbeiterzufriedenheit in der Pflege, die Hauptgründe für den Fachkräftemangel und was Pflegekräfte wirklich im Beruf hält.
Übersicht: Beschäftigungsstruktur in der Pflege
In Deutschland arbeiten circa 1,72 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Pflegeberufen (Stand: Mai 2025). Das Wachstum betrug im Jahr 2024 gegenüber 2023 plus 1,78 Prozent. Etwas mehr als 4 von 5 Beschäftigten sind Frauen (über 80 Prozent), die Teilzeitquote liegt bei rund 50 Prozent (Deutschland gesamt: 31 Prozent).
Beschäftigte in der Pflege nach Qualifikation:
- Examinierte Fachkräfte: 62 Prozent (circa 1,07 Millionen)
- Pflegehelferinnen und Pflegehelfer: 31 Prozent (circa 537.000)
- Spezialistinnen, Spezialisten, Expertinnen und Experten in Führung: 7 Prozent (circa 123.000)
Wo arbeiten Pflegekräfte in Deutschland?
- Kliniken/Krankenhäuser: circa 714.000 (2 von 5 aller Pflegenden)
- Stationäre Pflege: circa 520.000 (30 Prozent)
- Ambulante Pflege: circa 297.000 (17 Prozent)
Der Anteil ausländischer Pflegekräfte lag im Jahr 2024 bei 18 Prozent (circa 307.000). Der Anstieg gegenüber dem Ausgangsjahr betrug plus 222.000 Beschäftigte. Wichtig zu wissen: Seit 2022 wird das Beschäftigungswachstum in der Pflege ausschließlich durch ausländische Fachkräfte getragen.
Arbeitslosigkeit und Leiharbeit in Pflegeberufen
Im Jahr 2024 waren rund 56.000 Personen in Pflegeberufen arbeitslos gemeldet (13 Prozent mehr als 2023 mit 49.000). Fast 8 von 10 suchten eine Tätigkeit auf Helferniveau (circa 43.000). Die Arbeitslosenquote der Pflegefachkräfte liegt bei 1,1 Prozent – extrem niedrig.
Leiharbeit spielte im Jahresdurchschnitt 2024 eine untergeordnete Rolle: 37.000 Leiharbeitende in Pflegeberufen (minus 6.000 gegenüber Vorjahr). Der Anteil an allen Pflegebeschäftigten: knapp 2 Prozent.
Wie hoch sind Krankenstand und Fehlzeiten in der Pflege?
Die Techniker Krankenkasse hat im Mai 2025 Daten zum Krankenstand bei Pflegekräften veröffentlicht. Die Zahlen sind erschreckend.
Durchschnittliche Fehltage im Jahr 2024
Pflegekräfte haben die höchsten Fehlzeiten:
| Gruppe | Durchschnittliche Fehltage 2024 |
|---|---|
| Alle Pflegekräfte | 28,5 Tage |
| Altenpflegekräfte | 33,1 Tage |
| Krankenpflege | 26,7 Tage |
| Alle Beschäftigtengruppen (Vergleich) | 18,2 Tage |
Altenpflegekräfte fehlen im Durchschnitt 33,1 Tage pro Jahr. Das sind fast 7 Wochen. Alle Pflegekräfte zusammen fehlen 28,5 Tage, während der Durchschnitt aller Beschäftigtengruppen bei 18,2 Tagen liegt.
Die häufigsten Ursachen für Krankschreibungen in der Pflege:
- Psychische Diagnosen: 5,7 Tage
- Erkrankungen des Atmungssystems: 5,7 Tage
- Muskel-Skelett-Erkrankungen: 4,9 Tage
Gesamt-Krankenstand Deutschland im Jahr 2025
Das IGES Institut hat im Auftrag der DAK-Gesundheit den Krankenstand für das Jahr 2025 ausgewertet (Basis: Daten von 2,4 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten). Der Gesamt-Krankenstand lag bei 5,4 Prozent (unverändert gegenüber Vorjahr). Die durchschnittlichen Fehltage über alle Branchen betrugen 19,5 Tage pro Kopf. Psychische Erkrankungen zeigten den stärksten Anstieg mit plus 6,9 Prozent gegenüber Vorjahr.
Die Pflege hatte in der ersten Jahreshälfte 2023 den höchsten Krankenstand aller Branchen deutschlandweit.
Krank zur Arbeit gehen: 4 von 10 Pflegekräften arbeiten trotz Krankheit
Die BARMER veröffentlichte im März 2024 eine Pressemitteilung mit erschreckenden Zahlen: 4 von 10 Pflegekräften gehen häufig krank zur Arbeit. Besonders betroffen: Pflegepersonal mit mehr als 16 Jahren Betriebszugehörigkeit.
Fast die Hälfte gab an, häufig oder sehr häufig trotz Krankheit zu arbeiten. Die Studie zeigt einen direkten Zusammenhang mit Stress, mangelhafter Unternehmenskultur und Arbeitszufriedenheit.
Wie hoch ist die Mitarbeiterzufriedenheit in der Pflege?
Die Mitarbeiterzufriedenheit in der Pflege lässt sich am besten durch zwei Zahlen beschreiben: Wie viele denken über einen Berufsausstieg nach? Und wie viele würden den Beruf wieder ergreifen?
Fast die Hälfte denkt über einen Berufsausstieg nach
Die myneva Group hat im September 2025 eine Trendstudie Pflege und Soziales veröffentlicht (Civey, 2.505 Befragte, 7 europäische Länder). Die zentralen Ergebnisse:
| Ergebnis | Wert |
|---|---|
| Denken über Berufsausstieg nach | 49,3 Prozent |
| Nennen direkten Kontakt mit Menschen als Hauptmotivation | über 60 Prozent |
| Möchten aktiven gesellschaftlichen Beitrag leisten | über 50 Prozent |
| Arbeiten bereits in vollständig digitalem Umfeld | 18,6 Prozent |
| Sehen KI als sinnvolle Entlastung | über 70 Prozent |
Fast die Hälfte der Pflegekräfte denkt über einen Berufsausstieg nach. Die Hauptgründe: Stress, unzureichende Bezahlung, fehlende Wertschätzung.
DBfK-Umfrage: 28,8 Prozent denken oft an Berufsausstieg
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe hat im Mai 2024 Ergebnisse seiner Umfrage „Pflege, wie geht es dir?“ veröffentlicht (6.139 beruflich Pflegende). Die Ergebnisse zeigen ein gespaltenes Bild:
| Ergebnis | Wert |
|---|---|
| Empfinden Beruf als sinnstiftend | 84 Prozent |
| Würden Beruf erneut ergreifen | 59 Prozent |
| Denken oft (mehrfach pro Monat, wöchentlich, täglich) an Berufsausstieg | 28,8 Prozent |
| Möchten Kompetenzen erweitern | 68 Prozent |
| Bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen | 78 Prozent |
84 Prozent empfinden ihren Beruf als sinnstiftend, aber nur 59 Prozent würden ihn erneut ergreifen. 28,8 Prozent denken oft an einen Berufsausstieg. Besonders relevant: Unter denen, die ihre Kompetenzen nicht einbringen können, denken 46 Prozent überdurchschnittlich oft an einen Berufsausstieg.
Internationale Pflegefachpersonen in Deutschland: 77 Prozent haben weniger Befugnisse als im Herkunftsland
Der DBfK veröffentlichte im Mai 2025 Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 3.000 Pflegenden zu internationalen Pflegeteams. Die Zahlen sind alarmierend:
- 77 Prozent der im Ausland ausgebildeten Pflegekräfte gaben an, in Deutschland weniger Befugnisse als im Herkunftsland zu haben
- 39 Prozent würden Kolleginnen und Kollegen im Herkunftsland nicht empfehlen, nach Deutschland zu kommen
- 82 Prozent: im Berufsalltag nicht ernst genommen
- 79 Prozent: Kompetenz angezweifelt
- 53 Prozent: rassistische Beleidigungen erlebt
- 56 Prozent: körperliche Angriffe erlebt
Psychische Gesundheit: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen
Die WHO/Europa hat im Oktober 2025 zum Welttag der psychischen Gesundheit die bisher größte Erhebung zur psychischen Gesundheit von Pflegenden veröffentlicht (90.171 Befragte, 29 Länder). Die Studie trägt den bezeichnenden Titel „Heilende Hände, verletzte Seelen“.
Die wichtigsten Ergebnisse:
| Befund | Wert |
|---|---|
| Leiden unter Symptomen von Depression oder Angststörungen | 1 von 3 aller Pflegenden |
| Prävalenz psychischer Erkrankungen versus Allgemeinbevölkerung | 5-fach höher |
| Berichten von Suizidgedanken | 13 Prozent |
| Suizidgedanken verglichen mit Allgemeinbevölkerung | 2-fach häufiger |
| Erleben regelmäßig Aggressionen von Patienten/Angehörigen | 70 Prozent |
| Wurden gemobbt oder bedroht | 1 von 3 |
| Erleben körperliche Gewalt oder sexuelle Belästigung | 10 Prozent |
| Arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche (Pflege) | 16 Prozent |
| Leisten regelmäßige Nacht- oder Wechselschichten | über 50 Prozent |
| Haben befristete Arbeitsverträge (Pflegekräfte) | 25 Prozent |
| Denken daran, Arbeitsplatz aufzugeben (je nach Land) | 11 bis 34 Prozent |
| Waren mit Depressionssymptomen im vergangenen Jahr krankgeschrieben | bis zu 40 Prozent |
Ein Drittel aller Pflegenden leidet unter Depressionen oder Angststörungen. Die Prävalenz psychischer Erkrankungen liegt 5-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. 13 Prozent berichten von Suizidgedanken, doppelt so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung.
Trotz allem positiv: 3 von 4 Ärzten und 2 von 3 Pflegekräften sind überzeugt, eine sinnvolle Arbeit zu haben.
DAK Psychreport 2025: Pflegefachkräfte mit höchster psychischer Erschöpfung
Die DAK-Gesundheit hat im Psychreport 2025 (Basis: 2,42 Millionen Krankschreibungen von DAK-Versicherten) festgestellt: Pflegefachkräfte weisen die höchste psychische Erschöpfung unter allen sozialen Interaktionsberufen auf. Besonders betroffen: Altenpflege.
Belastungsdaten aus dem DAK-Gesundheitsreport 2023
Der DAK-Gesundheitsreport 2023 zeigt die konkreten Belastungen im Arbeitsalltag:
- 45 Prozent der Pflegefachpersonen berichten von regelmäßigem Personalmangel in ihrem Arbeitsumfeld
- 74 Prozent der beruflich Pflegenden: Arbeit mit vorhandenem Personal nur unter großen Anstrengungen schaffbar
- Bei Altenpflegerinnen und Altenpflegern: 65 Prozent trifft dies ebenfalls zu
- 54 Prozent der befragten Pflegefachpersonen geben an, müde und erschöpft zu sein
- 35 Prozent waren von nächtlichen Schlafstörungen und Muskel-Skelett-Beschwerden betroffen
Was Pflegekräfte wirklich wollen: BMG-Studie mit über 5.500 Befragten
Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Mai 2023 Ergebnisse einer der größten Pflegestudien der vergangenen zehn Jahre veröffentlicht (über 5.500 Befragte, Beauftragung 2020, Ergebnisse 2023). Die Studie zeigt: Bezahlung ist wichtig, aber nicht alles.
Bezahlung: Für nahezu alle Pflegenden ist angemessene Bezahlung ein zentraler Punkt für einen attraktiven Arbeitsplatz.
Digitalisierung: 80 Prozent wünschen sich stabilen Internetzugang auf Arbeit, 75 Prozent wollen elektronische Patientenakte. Eine deutliche Mehrheit fordert elektronische Pflegedokumentation.
Personalzusammensetzung: Fast 90 Prozent der Befragten sagen, Personalzusammensetzung am tatsächlichen Pflegebedarf bedeutet deutlich höhere Berufsattraktivität. Über 80 Prozent begrüßen Unterstützung durch Hilfskräfte.
Vereinbarkeit Familie und Beruf: 79 Prozent wünschen sich Betriebskita, 76 Prozent Ferienbetreuung, 58 Prozent Abhol- und Bringdienste für Schul- oder Kita-Kinder.
Weiche Faktoren (entscheidend!): Teamstimmung, Wertschätzung und Führungsstil der Vorgesetzten haben häufig höheren Einfluss auf Arbeitsplatzzufriedenheit als Bezahlung und Sachleistungen.
Bei Führungsstil und Wertschätzung: deutlicher Nachholbedarf. Häufige Personalwechsel in Führungsebene führen zu geringerer Zufriedenheit.
Institut der deutschen Wirtschaft: 82 Prozent bewerten Arbeitsklima als entscheidend
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (zitiert von fokus-d.de, 31.03.2026) zeigt: 82 Prozent der Pflegekräfte bewerten das Arbeitsklima als entscheidend für ihren Verbleib im Betrieb.
Was Pflegende frustriert: Hans-Böckler-Stiftung wertet 11 Studien aus
Die Hans-Böckler-Stiftung hat im Mai 2025 eine Metaanalyse veröffentlicht (Studie Trumpa/Schöner, publiziert in: Sozialrecht und Tarifbindung). Die Wissenschaftlerinnen werteten 11 Studien (2018 bis 2023) aus und benannten folgende Hauptursachen der Unzufriedenheit, jenseits von Vergütungsfragen:
- Verlässlicher Schichtplan plus Mitsprache bei Dienstplanung (Beruf-Familien-Vereinbarkeit)
- Unterbesetzte Schichten: zu wenig Zeit für Patienten, keine Pausen
- Bürokratie und Dokumentationspflichten: zermürbende Wirkung
- Wertschätzung durch Vorgesetzte (in Krankenhäusern auch durch Ärzte)
- Kollegialität im Team
- Berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
- Fehlende Angebote zur Stressbewältigung oder Supervision
Historische Vergleichsdaten zeigen die Dramatik:
- Im Jahr 2019: 40 Prozent von über 2.000 Befragten dachten mehrmals pro Monat an Arbeitgeberwechsel
- Im Jahr 2019: 35 Prozent spielten regelmäßig mit Gedanken, gänzlich anderen Beruf zu ergreifen
- Im Jahr 2021 (bayerische Pflegedienste): 59 Prozent hegten häufig den Gedanken an Berufsausstieg
Das Fazit der Wissenschaftlerinnen: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit.“
Verbesserungen wirken schnell: IGES-Studie Langzeitpflege
Eine IGES-Studie im Auftrag des BMG (Implementierungsphase, 2023) zeigt: Verbesserungen wirken schnell. Bereits nach 6 Monaten mit verbesserten Arbeitsbedingungen sagten 80 Prozent der Befragten, mit den Arbeitgeber-Bemühungen sehr zufrieden (26 Prozent) oder zufrieden (53 Prozent) zu sein. Das trotz schwieriger Rahmenbedingungen (Corona-Pandemie während Studienphase).
Wie viele Pflegefachkräfte fehlen aktuell in Deutschland?
Das Statistische Bundesamt hat im Januar 2024 eine Pflegekräftevorausberechnung für die Jahre 2019 bis 2049 veröffentlicht. Die Zahlen sind dramatisch.
Fehlende Pflegekräfte bis zum Jahr 2049
Zwei Szenarien:
| Szenario | Fehlende Pflegekräfte bis 2049 |
|---|---|
| Optimistisch (Trendvariante) | 280.000 |
| Pessimistisch (Status-Quo) | 690.000 |
| Gesamtbedarf 2049 | 2,15 Millionen (1 von 3 mehr als 2019) |
Selbst im optimistischen Szenario fehlen bis 2049 mindestens 280.000 Pflegekräfte. Im pessimistischen Szenario sind es 690.000.
Der Zusatzbedarf nach Bereichen:
- Ambulante Dienste: plus 180.000 (plus 60 Prozent)
- Pflege-, Alten-, Behindertenheime: plus 240.000 (plus 39 Prozent)
- Krankenhäuser: plus 100.000 (plus 14 Prozent)
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis 2055 auf circa 7,6 Millionen steigen (Anstieg um 2,1 Millionen gegenüber 2023).
Baby-Boomer-Effekt verschärft die Lage ab 2029
Der DAK-Pflegereport 2024 (April 2024) zeigt die dramatische Entwicklung:
- Arbeitsmarktreserve Pflege bundesweit: 2,0 Prozent (2025) sinkt auf 0,5 Prozent (2030)
- In den nächsten 10 Jahren gehen circa 21,9 Prozent des Pflegepersonals in Rente (249.500 Personen)
- Kipppunkte bereits 2029 in Bremen und Bayern: mehr Berufsaustritte als Nachwuchs
Bundesagentur für Arbeit: Pflege gehört zu stärksten Engpässen
Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte 2025 ihre Fachkräfteengpassanalyse 2024. Die Ergebnisse:
- 163 von circa 1.200 bewerteten Berufen zeigen Fachkräfteengpass (jeder achte Beruf)
- Zu den stärksten Engpässen 2024 zählen weiterhin Pflege- und Gesundheitsberufe
- 44 Prozent der gemeldeten Freistellen in stationären Pflegeeinrichtungen/ambulanter Pflege
- 16 Prozent von Krankenhäusern
Krankenhäuser können Stellen nicht besetzen: BDO/DKI-Studie 2023
Eine Studie von BDO/DKI aus dem Jahr 2023 zeigt die konkrete Situation in Krankenhäusern:
- 94 Prozent der Krankenhäuser: Offene Stellen auf Allgemeinstationen nicht besetzbar
- Auf 75 Prozent der Intensivstationen vakante Stellen in der Intensivpflege
- In 2 von 3 Krankenhäusern mit Pädiatrie: Kinderkrankenpflegestellen unbesetzt
Was sind die Hauptgründe für den Fachkräftemangel in der Pflege?
Die Hauptgründe lassen sich in vier Kategorien einteilen:
- Hohe Arbeitsbelastung und chronische Unterbesetzung: 74 Prozent der beruflich Pflegenden sagen, die Arbeit ist mit vorhandenem Personal nur unter großen Anstrengungen schaffbar. 45 Prozent berichten von regelmäßigem Personalmangel.
- Psychische Belastung und Burnout: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen (5-fach höher als Allgemeinbevölkerung). 54 Prozent geben an, müde und erschöpft zu sein.
- Mangelnde Wertschätzung und schlechter Führungsstil: Teamstimmung, Wertschätzung und Führungsstil haben oft höheren Einfluss auf Zufriedenheit als Bezahlung. Bei Führungsstil und Wertschätzung: deutlicher Nachholbedarf.
- Unzureichende Bezahlung: Für nahezu alle Pflegenden ist angemessene Bezahlung ein zentraler Punkt. Der CW-Index zeigt: Hohes Kompetenzprofil plus hohe Anforderungen bei gleichzeitig niedrigem Lohn im Vergleich zu Berufen mit niedrigerem Anforderungsprofil.
Warum verlassen so viele die Pflege?
Die Gründe für den Berufsausstieg sind vielfältig:
- Stress und Überlastung: 74 Prozent schaffen die Arbeit nur unter großen Anstrengungen, 54 Prozent sind müde und erschöpft.
- Fehlende Work-Life-Balance: Keine verlässliche Dienstplanung, keine Mitsprache bei Einsatzplanung, zu viele Nacht- und Wechselschichten (über 50 Prozent leisten regelmäßig Nacht- oder Wechselschichten).
- Keine Möglichkeit, Kompetenzen einzubringen: Unter denen, die ihre Kompetenzen nicht einbringen können, denken 46 Prozent überdurchschnittlich oft an Berufsausstieg.
- Gewalt und Aggression: 70 Prozent erleben regelmäßig Aggressionen von Patienten/Angehörigen, ein Drittel wurde gemobbt oder bedroht, 10 Prozent erleben körperliche Gewalt oder sexuelle Belästigung.
70 Prozent der rund 32.000 ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sind nicht an Telematikinfrastruktur angeschlossen, obwohl Anbindung seit Juli 2025 verpflichtend ist.
Nur 18,6 Prozent arbeiten in vollständig digitalem Umfeld.
Potenzial: 300.000 bis 660.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte möglich
Die Hans-Böckler-Stiftung, Arbeitnehmerkammer Bremen und IAT Westfälische Hochschule haben im Mai 2022 eine Studie „Ich pflege wieder, wenn…“ veröffentlicht (12.684 Befragte). Die Ergebnisse zeigen ein enormes Potenzial:
| Ergebnis | Wert |
|---|---|
| Potenzial zusätzlicher Vollzeit-Pflegekräfte (konservativ) | mindestens 300.000 |
| Potenzial zusätzlicher Vollzeit-Pflegekräfte (optimistisch) | bis zu 660.000 |
| Ausgestiegene Pflegekräfte: schließen Wiedereinstieg nicht aus | 88,2 Prozent |
| Teilzeitkräfte: bereit zur Arbeitszeiterhöhung | knapp 50 Prozent |
| Ausgestiegene: bereit zur Rückkehr | gut 60 Prozent |
| Gewünschte Arbeitszeiterhöhung Teilzeit (Median) | 10 Stunden pro Woche |
| Gewünschte Wochenstunden bei Rückkehr (Median) | 30 Stunden pro Woche |
Die Voraussetzung: Deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen (bessere Personaldecke, verlässliche Dienstpläne, angemessene Bezahlung, Wertschätzung).
Wie hoch ist die Fluktuation in Pflegeeinrichtungen?
Oracle und die Healthcare Advocacy Group MGMA haben im März 2023 Fluktuationsraten für verschiedene Segmente veröffentlicht (Daten 2022):
| Segment | Fluktuationsrate 2022 |
|---|---|
| Krankenhäuser | 19,5 Prozent |
| Häusliche Pflegedienstleister | 65 Prozent |
| Pflegeheime | 94 Prozent |
Hinweis: Diese Daten beziehen sich auf US-amerikanische Einrichtungen. Für Deutschland werden Fluktuationsraten von 19,5 Prozent in Krankenhäusern und bis zu 94 Prozent in Pflegeheimen ebenfalls in deutschen Branchenquellen als Vergleichswert aufgeführt.
Die Fluktuation in Pflegeheimen liegt bei 94 Prozent. Das bedeutet: Fast alle Mitarbeiter verlassen innerhalb eines Jahres das Unternehmen.
Wie hoch sind die Gehälter und Vergütung in der Pflege?
StepStone hat im Januar 2026 den Gehaltsreport 2026 veröffentlicht (Basis: über 1,3 Millionen Datensätze). Die Zahlen für Gesundheits- und Pflegeberufe:
Mediangehälter nach Berufsgruppen (Brutto pro Jahr)
| Berufsgruppe | Mediangehalt 2026 (brutto pro Jahr) |
|---|---|
| Gesundheits- und Pflegeberufe gesamt | 53.000 Euro |
| Gesundheits- und Krankenpflege, Rettung, Geburtshilfe | 58.000 Euro |
| Altenpflege | 52.250 Euro |
| Arzt- und Praxishilfe | 49.000 Euro |
| Ärztinnen und Ärzte | 105.500 Euro |
| Berufseinsteiger (unter 1 Jahr Erfahrung, Pflege) | 46.250 Euro |
| Erfahrene Pflegende (über 25 Jahre) | 60.000 Euro |
Das Mediangehalt für Gesundheits- und Pflegeberufe liegt bei 53.000 Euro brutto pro Jahr. Altenpflege verdient weniger: 52.250 Euro. Berufseinsteiger starten bei 46.250 Euro, erfahrene Pflegende mit über 25 Jahren Berufserfahrung kommen auf 60.000 Euro.
Regionale Unterschiede sind erheblich
Die Gehälter schwanken stark je nach Bundesland:
- Sachsen: 49.500 Euro
- Sachsen-Anhalt/Thüringen: 49.750 Euro
- Hessen/Baden-Württemberg/Bayern: 54.500 Euro
- Hamburg: 56.750 Euro
Zwischen Sachsen (49.500 Euro) und Hamburg (56.750 Euro) liegen 7.250 Euro Unterschied pro Jahr.
Betriebsgröße beeinflusst Gehalt
Kleine Organisationen (unter 50 Mitarbeiter) zahlen 48.250 Euro. Große Organisationen (501 bis 5.000 Mitarbeiter) zahlen 59.000 Euro. Der Unterschied: 10.750 Euro pro Jahr.
Gender Pay Gap Pflege im Jahr 2026
Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt bei 9,3 Prozent (Männer 56.250 Euro, Frauen 51.000 Euro). Der bereinigte Gap (gleiche Qualifikation, Branche, Position) liegt bei 4,4 Prozent.
Gehälter nach konkreten Berufsbezeichnungen
StepStone veröffentlicht auch Gehaltsdaten für spezifische Berufsbezeichnungen (Stand April 2026):
Pflegekraft (allgemein):
| Brutto pro Jahr | Netto pro Jahr (Steuerklasse I) | Netto pro Monat | |
|---|---|---|---|
| Minimum | 28.500 Euro | circa 18.525 Euro | circa 1.544 Euro |
| Median | 33.700 Euro | circa 21.905 Euro | circa 1.825 Euro |
| Maximum | 40.900 Euro | circa 26.585 Euro | circa 2.215 Euro |
Pflegefachkraft:
| Brutto pro Jahr | Netto pro Jahr (Steuerklasse I) | Netto pro Monat | |
|---|---|---|---|
| Minimum | 34.400 Euro | circa 22.360 Euro | circa 1.863 Euro |
| Median | 39.800 Euro | circa 25.870 Euro | circa 2.156 Euro |
| Maximum | 47.400 Euro | circa 30.810 Euro | circa 2.568 Euro |
Examinierte Pflegefachkraft:
| Brutto pro Jahr | Netto pro Monat | |
|---|---|---|
| Minimum | 34.700 Euro | circa 1.880 Euro |
| Median | 40.000 Euro | circa 2.167 Euro |
| Maximum | 47.100 Euro | circa 2.551 Euro |
Hinweis: Der StepStone Gehaltsreport 2026 weist für Gesundheits- und Pflegeberufe einen Medianwert von 53.000 Euro aus und basiert auf über 1,3 Millionen Datensätzen inklusive Fach- und Führungskräfte, Spezialistinnen, Spezialisten und leitende Positionen. Die Einzelseiten (Pflegekraft, Pflegefachkraft) spiegeln spezifische Berufsbezeichnungen wider.
Mindestlöhne in der Altenpflege (aktuell und geplant)
Das Bundesministerium für Gesundheit hat am 25. November 2025 neue Mindestlöhne für die Altenpflege bekannt gegeben:
| Qualifikation | Aktuell (bis 30.06.2026) | Ab 01.07.2026 | Ab 01.07.2027 |
|---|---|---|---|
| Pflegehilfskräfte | 16,10 Euro pro Stunde | 16,52 Euro pro Stunde | 16,95 Euro pro Stunde |
| Qualifizierte Pflegehilfskräfte | 17,35 Euro pro Stunde | 17,80 Euro pro Stunde | 18,26 Euro pro Stunde |
| Pflegefachkräfte | 20,50 Euro pro Stunde | 21,03 Euro pro Stunde | 21,58 Euro pro Stunde |
Diese Mindestlöhne betreffen rund 1,3 Millionen Beschäftigte (Einrichtungen unter die Pflegemindestlohn-Verordnung fallend).
Gehalt versus Anforderung: CW-Index zeigt Ungerechtigkeit
Der CW-Index (Comparable Worth) misst das Verhältnis von Anforderungen und Gehalt. Nicht-akademische Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte erreichen einen CW-Index-Wert von 28 (bei Höchstwert 32). Das bedeutet: Hohes Kompetenzprofil plus hohe Anforderungen bei gleichzeitig niedrigem Lohn im Vergleich zu Berufen mit niedrigerem oder ähnlichem Anforderungsprofil.
Vergleich: Bundesdurchschnitt versus Pflege
Das Bruttomediangehalt Deutschland gesamt lag im Jahr 2026 bei 53.900 Euro. Das Bruttodurchschnittsgehalt Deutschland lag bei 59.100 Euro. Die Pflege verdient weniger als der Durchschnitt, obwohl die Anforderungen höher sind.
Fazit: Die Pflege braucht mehr als Applaus
Sie haben jetzt alle Zahlen gesehen. Pflegekräfte fehlen durchschnittlich 28,5 Tage pro Jahr, fast die Hälfte denkt über einen Berufsausstieg nach, ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen. Bis 2049 fehlen zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte. Die Fluktuation in Pflegeheimen liegt bei 94 Prozent.
Diese Punkte sollten Sie im Kopf behalten:
- Krankenstand in der Pflege: 28,5 Tage im Jahr 2024 (Durchschnitt alle Branchen: 18,2 Tage)
- Mitarbeiterzufriedenheit: 49,3 Prozent denken über Berufsausstieg nach, 28,8 Prozent denken oft daran
- Psychische Belastung: Ein Drittel leidet unter Depressionen oder Angststörungen (5-fach höher als Allgemeinbevölkerung)
- Fachkräftemangel: Bis 2049 fehlen 280.000 bis 690.000 Pflegekräfte
- Fluktuation: 94 Prozent in Pflegeheimen, 65 Prozent bei häuslichen Pflegedienstleistern, 19,5 Prozent in Krankenhäusern
- Gehälter: Mediangehalt 53.000 Euro (Pflege gesamt), 52.250 Euro (Altenpflege), deutlich unter Bundesdurchschnitt trotz höherer Anforderungen
- Potenzial: 300.000 bis 660.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte möglich bei deutlicher Verbesserung der Arbeitsbedingungen
- Was wirkt: Verlässliche Dienstpläne, Mitsprache, ausreichend Personal, Wertschätzung durch Vorgesetzte, Kollegialität, berufliche Entwicklung, Stressbewältigung, betriebliche Gesundheitsförderung (bKV)
- Verbesserungen wirken schnell: Nach 6 Monaten mit besseren Arbeitsbedingungen 80 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden
Die Wissenschaft sagt es klar: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit.“ Sie wissen jetzt, was zu tun ist. Die Frage ist: Wann fangen Sie an?