Patrick Steeger

Ich kenne den bKV-Markt seit über 12 Jahren und weiß genau, worauf es ankommt. Die größten Fehler passieren bei der Tarifwahl. Lassen Sie uns das richtig angehen.

Patrick Steeger bKV-Experte Zum bKV-Tarifvergleich

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Außerdem sparen Sie eine Menge Steuern & rennen der Konkurrenz davon. Besser geht’s nicht.

.Patrick Steeger

Bild zeigt Patrick Steeger, Geschäftsführer vom bKV Firmenservice
zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2026

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Betriebliche Krankenversicherung wechseln: So funktioniert’s

Ende 2025 boten bereits 60.600 Unternehmen eine betriebliche Krankenversicherung an.

Zum Vergleich: 2015 waren es gerade einmal 3.848. Fast 3 Millionen Beschäftigte sind heute versichert, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Boom hat eine Kehrseite: Mehr als 40 Anbieter mit teils über 250 Tarifen tummeln sich am Markt.

Ein reiner Preisvergleich greift da vollständig zu kurz.

Wer wechseln möchte, braucht einen klaren Ablauf, ein Verständnis für die häufigsten Fehler und konkrete Zahlen zum Vergleich.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein bKV-Wechsel sollte spätestens 6 bis 9 Monate vor dem geplanten Stichtag angestoßen werden
  • Ordentliche Kündigung: In der Regel 3 Monate vor Versicherungsjahresende, schriftlich per Einschreiben
  • Bei Beitragserhöhung besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht innerhalb von 2 Monaten nach Mitteilung
  • Die Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro ist eine harte Grenze: Wird sie um einen Cent überschritten, wird der gesamte Beitrag steuer- und sozialabgabenpflichtig
  • Ohne Versorgungsordnung mit Widerrufsvorbehalt kann betriebliche Übung entstehen und Mitarbeitende haben dauerhaft Anspruch auf die Leistungen

Wann lohnt ein Wechsel der bKV?

Es gibt klare Signale, die einen Wechsel nicht nur nahelegen, sondern notwendig machen. Das offensichtlichste ist eine Beitragserhöhung. Die Gothaer zum Beispiel hat ihre Beiträge zum 01. Januar 2026 um bis zu 50 Prozent angehoben. R+V hat in der Vergangenheit Erhöhungen von über 100 Prozent verzeichnet.

Wer das nicht auf dem Radar hat, riskiert, ohne Vorwarnung über die 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze zu rutschen.

Weitere Gründe für einen Wechsel:

  • Die Leistungstiefe passt nicht mehr zu den Bedürfnissen der Belegschaft
  • Der Tarif nähert sich der 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze gefährlich
  • Der Markt bietet bessere Leistungen zu gleichem Preis
  • Die digitale Administration des bisherigen Anbieters ist unzureichend
  • Mitarbeitende nutzen die bKV kaum, die Nutzungsquote liegt unter 20 Prozent

Welche drei Tarifmodelle gibt es in der bKV und welches passt zu Ihrem Unternehmen?

Bevor der eigentliche Wechselprozess beginnt, muss entschieden werden, welches Modell das neue sein soll.

Denn von dieser Wahl hängt ab, welche bKV-Anbieter überhaupt in Frage kommen.

Budgetmodell

Der Arbeitgeber legt ein jährliches Gesundheitsbudget fest, typischerweise zwischen 300 und 1.700 Euro. Mitarbeitende setzen es flexibel für Gesundheitsleistungen aus dem Leistungskatalog ein.

54 Prozent der befragten Versicherungsmakler sind überzeugt, dass sich Budgettarife langfristig gegenüber Einzeltarifen durchsetzen.

Einen kritischen Prüfpunkt gibt es dabei: In manchen Budgettarifen belasten Vorsorgeuntersuchungen das Budget (Modell A), in anderen laufen sie zusätzlich und lassen das Budget unangetastet (Modell B). Letzteres bedeutet faktisch eine höhere Gesamtleistung bei gleichem Beitrag.

Bausteinmodell

Der Arbeitgeber stellt die bKV aus einzelnen Leistungsmodulen zusammen: Zahn, Sehhilfe, Krankenhaus, Heilpraktiker und so weiter. Die Bausteine stehen parallel nebeneinander, die Inanspruchnahme eines Bausteins hat keine Auswirkung auf andere. Das Modell ist organisatorisch aufwendiger, aber gezielt zur Versorgungslückenschließung geeignet.

Kombimodell

Das Kombimodell verbindet Budgetflexibilität mit gezielten Einzelbausteinen. Sind im Budget Zahnleistungen durch ein Sublimit gedeckelt, schließt ein zusätzlicher Zahnbaustein diese Lücke. Experten sehen das Kombimodell als leistungsstärkstes Gesamtpaket.

Wie läuft ein bKV-Wechsel Schritt für Schritt ab?

Schritt 1: Analyse und Bestandsaufnahme

Beginnen Sie 6 bis 9 Monate vor dem geplanten Wechsel. Was in dieser Phase zu prüfen ist:

  • Bestehender Gruppenvertrag: Vertragslaufzeit, exaktes Versicherungsjahresende und Kündigungsfristen lesen
  • Aktuelle Versorgungsordnung oder Betriebsvereinbarung sichten: Welche Leistungszusage wurde gegenüber Mitarbeitenden gemacht?
  • Betriebsrat vorhanden? Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG prüfen
  • Aktuelle Nutzungsquote und Mitarbeiterfeedback einholen
  • Beiträge im Verhältnis zur 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze prüfen
  • Widerrufsorbehalt in der bestehenden Versorgungsordnung prüfen

Fehlt der Widerrufsvorbehalt, droht ein arbeitsrechtlicher Anspruch der Mitarbeitenden auf Fortführung durch betriebliche Übung.

Schritt 2: Marktanalyse und Angebotseinholung

5 bis 7 Monate vor dem Wechsel holen Sie Angebote von mindestens 3 bis 5 Anbietern ein.

Entscheidend ist, dass Sie nicht nur Beiträge vergleichen, sondern strukturiert nach acht Bewertungsdimensionen vorgehen. Leistungstiefe und Beitragsstabilität haben dabei die höchste Gewichtung.

GewichtungKernfrage
Tarifmodell und Flexibilität10 %Budget, Baustein, Kombi? Freie Kombination?
Leistungstiefe und -breite25 %Vorsorge On-Top? Mentale Gesundheit? Alle 6 Top-Bereiche?
Versteckte Limits15 %Sublimits? Zahnstaffel? Ausschlüsse?
Beitragsstabilität20 %Historische Erhöhungen? Kalkulation offen oder geschlossen?
Administration und Digitalisierung10 %App-Qualität? Erstattungsgeschwindigkeit? Datenschutz?
Portabilität10 %Weiterversicherung nach Ausscheiden ohne Gesundheitsprüfung?
Steuerliche und rechtliche Qualität5 %Sachbezug korrekt strukturiert? Versorgungsordnung vorhanden?
Unabhängige Testratings5 %IVFP, DFSI/Focus Money, BaFin-Beschwerden?

Schritt 3: Kündigung des Altvertrags

Hier machen die meisten Unternehmen ihren ersten Fehler: Die Fristen werden unterschätzt.

Die ordentliche Kündigung eines bKV-Gruppenvertrags richtet sich nach den vertraglich vereinbarten Fristen. In der Praxis gilt üblicherweise eine Frist von 3 Monaten zum Ende des Versicherungsjahres.

Bei Kalenderjahresverträgen bedeutet das: Kündigung bis spätestens 30. September, damit der Vertrag zum 31. Dezember endet.

Achtung beim Versicherungsjahr: Bei manchen Anbietern endet das Versicherungsjahr nicht zum 31. Dezember, sondern 12 Monate nach Vertragsbeginn. Dann gelten eigene Stichtage.

Bei Beitragserhöhung gilt ein Sonderkündigungsrecht: 2 Monate nach Erhalt der Änderungsmitteilung. Der Vertrag endet dann zum Zeitpunkt der Beitragsanpassung. Empfehlung: Immer im Gruppenvertrag vorab eine Klausel zum außerordentlichen Kündigungsrecht bei Beitragsanpassungen vereinbaren.

Form der Kündigung: schriftlich, per Einschreiben mit Rückschein, Versicherungsschein-Nummer angeben. Bei außerordentlicher Kündigung den Grund nennen, zum Beispiel „Kündigung aufgrund Beitragserhöhung zum [Datum]“.

Schritt 4: Neue Versorgungsordnung erstellen oder anpassen

Vor Abschluss des neuen Vertrags muss die Versorgungsordnung aktualisiert werden. Sie ist das zentrale Regelwerk und schützt das Unternehmen davor, dass Mitarbeitende statt der bKV den Geldwert einklagen können. Folgende Punkte müssen zwingend geregelt sein:

  • Versicherter Personenkreis, zum Beispiel alle sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitenden ab 6-monatiger Betriebszugehörigkeit
  • Widerrufs- und Änderungsvorbehalt, damit der Arbeitgeber die bKV bei Bedarf anpassen kann
  • Befristungsklausel, die Versicherungsvertragslaufzeit und arbeitsrechtliche Zusage kongruent hält
  • Regelung bei Elternzeit und Krankheit: Beitragsbefreiung oder Fortführung, wer zahlt?
  • Portabilitätsregelung: Kann der Mitarbeiter bei Ausscheiden weiterversichert werden?
  • Gleichbehandlungsklausel: Sachliche Kriterien für Gruppenbildung dokumentieren

Bei vorhandenem Betriebsrat: Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG bei der Ausgestaltung der Versorgungsordnung beachten. Über die Budgethöhe hat der Betriebsrat kein Mitbestimmungsrecht.

Schritt 5: Neuen Gruppenvertrag abschließen

Erst wenn der Altvertrag sauber gekündigt und die neue Versorgungsordnung steht, kommt der Vertragsabschluss. Wichtig: Kündigung des Altvertrags immer erst nach schriftlicher Bestätigung des neuen Vertrags aussprechen, damit keine Versicherungslücke entsteht. Folgendes ist beim Abschluss zu regeln:

  • Angebot schriftlich bestätigen und Vertrag unterzeichnen
  • Mindestanzahl der versicherten Personen sicherstellen, je nach Anbieter 3 bis 20 Personen pro Tarif
  • Steuermodell festlegen: Sachbezug bis 50 Euro, Pauschalversteuerung nach § 37b oder § 40 EStG, oder Nettolohnversteuerung
  • Auftragsverarbeitungsvertrag gemäß Art. 28 Abs. 3 DSGVO mit dem neuen Versicherer abschließen
  • Kündigung des Altvertrags erst aussprechen, wenn der neue Vertrag schriftlich bestätigt ist

Schritt 6: Mitarbeitende ab- und anmelden

Ab- und Anmeldung laufen heute bei den meisten Anbietern digital. Eine Unterschrift der Mitarbeitenden ist beim obligatorischen Modell in der Regel nicht erforderlich. Was in dieser Phase konkret zu tun ist:

  • Abmeldung beim Altanbieter: In der Regel ohne Kündigungsfrist pro Mitarbeitendem möglich
  • Anmeldung beim Neuanbieter: Per Meldeliste oder digitale Plattform, mit Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Anschrift
  • Beim obligatorischen Modell ist eine Unterschrift der Mitarbeitenden in der Regel nicht erforderlich
  • Mitarbeitende vorab über die Datenweitergabe an den neuen Versicherer informieren (DSGVO)

Schritt 7: Interne Kommunikation und Rollout

Das ist der am häufigsten unterschätzte Schritt.

Ohne aktive Einführung bleibt die Nutzungsquote niedrig. Durchschnittliche Nutzungsquoten liegen bei nur 10 bis 20 Prozent, während professionell kommunizierte bKVs auf 80 Prozent kommen können.

Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:

  • Postalische Begrüßungspakete mit personalisierter Gesundheitskarte
  • Kick-off-Webinar mit Erklärung aller Leistungen
  • FAQ-Dokument in verständlicher Sprache
  • Regelmäßige Nutzungsimpulse per Newsletter, Postkarte oder App-Push
  • Schneller Support-Kanal bei Erstattungsfragen

Schritt 8: Lohnabrechnung anpassen

Mit dem Wechsel ändert sich der Beitrag, der in der Lohnabrechnung abgebildet werden muss. Welches Steuermodell gilt, hängt davon ab, ob der neue Beitrag unter oder über der 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze liegt und wie viele Mitarbeitende versichert sind.

Die vier möglichen Modelle im Überblick:

ModellVoraussetzungSteuerfolge
Sachbezug nach § 8 Abs. 2 S. 11 EStGBeitrag max. 50 Euro monatlich, nur als Zusatz zum GehaltSteuer- und SV-frei
Pauschalversteuerung nach § 37b EStGBeitrag über 50 Euro oder Freigrenze anderweitig belegt30 % Pauschalsteuer trägt AG, für AN steuerfrei
Pauschalversteuerung nach § 40 EStGMind. 20 Mitarbeitende, max. 1.000 Euro/Jahr/MA, Antrag beim FinanzamtGünstigerer Pauschalsteuersatz, keine SV
NettolohnversteuerungBeliebiger BeitragAG trägt alle Steuern und SV

Was kosten bKV-Tarife wirklich? Ein konkreter Vergleich

Ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitenden (Durchschnittsalter 35 Jahre) zahlt aktuell beim SIGNAL IDUNA GesundAGIL 600 monatlich 33,22 Euro pro Person. Das macht 996,60 Euro im Monat oder 11.959,20 Euro im Jahr für die gesamte Belegschaft. Der Tarif enthält einen Zahnbaustein.

Nach einem Wechsel zum HanseMerkur BKBT 600 plus dem Zahnersatz-Baustein BKZT30 sieht die Rechnung so aus:

  • HanseMerkur BKBT 600: 19,90 Euro monatlich
  • BKZT30 Zahnersatz 30 Prozent: 7,50 Euro monatlich
  • Gesamt: 27,40 Euro pro Person und Monat
  • Gesamtkosten für 30 Mitarbeitende: 822,00 Euro im Monat, 9.864,00 Euro im Jahr
  • Einsparung: 174,60 Euro monatlich, 2.095,20 Euro jährlich

Und das bei höherer Zahnleistung, Vorsorge die das Budget nicht belastet, Budgetverdoppelung nach leistungsfreiem Jahr und einer Pufferzone von 22,60 Euro zur 50-Euro-Sachbezugsgrenze.

Budgettarife 600 Euro im direkten Vergleich

Auf Basis aktueller Tarifdaten (Stand Frühjahr 2025) zeigt die folgende Tabelle, was ein 600-Euro-Jahresbudget bei verschiedenen Anbietern monatlich pro Mitarbeitenden kostet und was die jeweiligen Besonderheiten sind:

AnbieterTarifBeitrag/MonatMindest-MABesonderheit
AllianzMeineGesundheit 60022,90 Euro5Budgetverdoppelung bei Leistungsfreiheit
AllianzMeineGesundheit + Sehhilfe Extra 60024,90 Euro5Separates Sehhilfen-Extrabudget
HanseMerkurBKB 60017,90 Euro5Standard Budget
HanseMerkurBKBT 60019,90 Euro5Erweiterte Vorsorge, Krankenhaustagegeld im Budget
SIGNAL IDUNAGesundAKTIV 60022,00 Euro3Basisbudget ohne Zahnleistungen
SIGNAL IDUNAGesundAGIL 600 inkl. ZahnBest33,22 Euro3Inkl. Zahnbaustein
SIGNAL IDUNAGesundVITAL 600 inkl. ZahnBest und ZahnPerfekt41,68 Euro20Premiumzahn, mindestens 20 Mitarbeitende
HallescheFEELfree 60019,75 Euro10Vorsorge On-Top, kein Budgetverbrauch
HallescheFEELplus 60022,88 Euro10Budget steigt bei Nutzung bis zu plus 200 Euro
HallescheFEELpremium 60029,64 Euro10Premium-Vorsorge, Vollleistung

Hallesche FEELfree-Tarife: Alle Budgetstufen im Überblick

Wer die Hallesche in verschiedenen Budgethöhen vergleichen möchte, findet hier alle drei Tariflinien über alle Budgetstufen. Besonderheit: Bei FEELplus wächst das Budget bei Nutzung jährlich um 50 Euro, maximal plus 200 Euro gesamt.

Budget/JahrFEELfreeFEELplusFEELpremium
300 Euro9,95 Euro12,99 Euro18,61 Euro
600 Euro19,75 Euro22,88 Euro29,64 Euro
900 Euro28,27 Euro32,75 Euro39,53 Euro
1.200 Euro36,16 Euro41,96 Euro49,14 Euro
1.500 Euro42,24 Euro49,00 Euro56,03 Euro

Beim FEELplus wächst das Budget bei Nutzung jährlich um 50 Euro (maximal plus 200 Euro gesamt). Bei Arbeitsunfall mit stationärem Aufenthalt verdoppelt sich das Grundbudget.

HanseMerkur Bausteintarife: Einzelbeiträge pro Mitarbeitenden

Wer das Angebot modular aufbauen möchte, findet bei der HanseMerkur eine der breitesten Bausteinpaletten im Markt. Die folgende Übersicht zeigt alle verfügbaren Bausteine mit monatlichem Beitrag:

BausteinLeistungBeitrag/Monat
Ambulante Vorsorge BKVVorsorge nach Alter gestaffelt2,80 Euro
Ambulante Vorsorge BKVPErweiterte Vorsorge6,90 Euro
Zahnbehandlung BKZBFüllungen, Paro, Wurzel4,90 Euro
Zahnvorsorge BKZPProfessionelle Zahnreinigung 2× jährlich bis je 60 Euro5,50 Euro
Zahnersatz BKZJe 10 % Erstattung2,50 Euro
Zahnersatz BKZT PremiumJe 10 %, auch über GOZ-Höchstsätze3,00 Euro
Sehhilfen BKSBrillen und Kontaktlinsen bis 200 Euro alle 2 Jahre6,00 Euro
Naturheilkunde BKHHeilpraktiker bis 400 Euro/Jahr5,00 Euro
Krankenhaus BWL1-/2-Bettzimmer plus SpezialistØ 20–34 Euro
Krankenhaus Unfall BKU1-/2-Bettzimmer nach Unfall3,99 Euro
Krankentagegeld BKTAb 7. Woche, 150–600 Euro/Monat6–24 Euro
Krebs-Scan BKZYJährlicher PanTum-Detect-Bluttest19,83 Euro

Welche 10 Fehler müssen Arbeitgeber beim bKV-Wechsel vermeiden?

Kündigungsfrist verpasst

Der Vertrag läuft bis 31. Dezember, die 3-Monats-Frist wurde nicht im Kalender vermerkt. Die Kündigung geht am 5. Oktober ein – zu spät. Folge: Der Vertrag läuft mindestens ein weiteres Jahr weiter.

Lösung: Fristtermin sofort beim Vertragsabschluss im HR-System hinterlegen, Frühwarnung 6 Monate vor Fristende einrichten.

Sachbezugsfreigrenze unbemerkt überschritten

Die 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze nach § 8 Abs. 2 S. 11 EStG ist eine harte Freigrenze.

Wird sie auch nur um einen Cent überschritten, ist der gesamte Beitrag steuer- und sozialabgabenpflichtig, nicht nur der übersteigende Betrag. Das Gothaer-Beispiel von 2026 zeigt genau das: Beitragserhöhung von bis zu 50 Prozent trieb viele Unternehmen unvorbereitet über diese Grenze.

Immer eine Pufferzone einplanen, zum Beispiel einen Tarif mit 40 bis 45 Euro wählen, und im Vertrag ein außerordentliches Kündigungsrecht bei Beitragsanpassungen vereinbaren.

Betriebliche Übung entsteht unbemerkt

Gewährt der Arbeitgeber die bKV ohne klare schriftliche Grundlage und tut dies regelmäßig über mindestens 3 Jahre, entsteht durch betriebliche Übung ein dauerhafter arbeitsrechtlicher Anspruch der Mitarbeitenden.

Kündigt der Arbeitgeber dann den Versicherungsvertrag, können Mitarbeitende weiterhin Ansprüche geltend machen. Der Arbeitgeber müsste dann direkt für Gesundheitskosten aufkommen.

Lösung: Immer eine Versorgungsordnung mit Widerrufsvorbehalt erstellen, bevor die bKV startet. Beim Wechsel: Alte Versorgungsordnung schriftlich aufheben, neue auflegen.

Fehlende Kongruenz zwischen Versorgungsordnung und Versicherungsvertrag

Der Versicherungsvertrag endet zum 31. Dezember, aber die arbeitsrechtliche Zusage enthält keine Befristung. Nach Vertragsende besteht die Leistungszusage fort, der Arbeitgeber schuldet die Leistungen ohne Versicherungsdeckung.

Lösung: Versorgungsordnung enthält immer denselben Endtermin wie der Versicherungsvertrag, oder eine klare Klausel: „Die Leistungen werden nur für die Dauer des Gruppenvertrags erbracht.“

Gleichbehandlungsverstoß bei der Gruppenbildung

Der Arbeitgeber bietet die bKV nur bestimmten Mitarbeitenden an, zum Beispiel nur Vollzeitkräften, ohne sachlichen Grund. Das kann gegen § 4 Abs. 1 TzBfG verstoßen. Betroffene Mitarbeitende können dann Gleichstellung verlangen.

Lösung: Klare, sachlich rechtfertigbare Kriterien in der Versorgungsordnung definieren, zum Beispiel Betriebszugehörigkeit mindestens 6 Monate, Vollzeit und Teilzeit ab 20 Stunden pro Woche.

Versicherungslücke durch falsches Timing

Der Altvertrag wird zum 31. Dezember gekündigt, der neue Vertrag startet erst am 1. Februar. Mitarbeitende sind vier Wochen ohne Schutz.

Lösung: Neuen Vertrag erst unterzeichnen, dann Altvertrag kündigen. Startdatum des neuen Vertrags ist der Folgetag nach Ablauf des alten.

Portabilität nicht geprüft

Beim Wechsel wird nicht geprüft, ob Mitarbeitende nach ihrem Ausscheiden die Versicherung ohne Gesundheitsprüfung weiterführen können. Mitarbeitende mit Vorerkrankungen verlieren damit dauerhaft ihren Schutz.

Lösung: Vor Abschluss prüfen, ob der neue Anbieter eine Weiterversicherungsoption nach Ausscheiden vorsieht, idealerweise ohne erneute Gesundheitsprüfung innerhalb von 2 Monaten nach Ausscheiden.

Überversorgung bei privat versicherten Mitarbeitenden

Mitarbeitende haben bereits private Zahnzusatz- oder Sehhilfenversicherungen. Die bKV schafft eine Doppelversicherung, der Arbeitgeber zahlt für Schutz, der bereits vorhanden ist.

Lösung: Vor dem Wechsel Bedarfsanalyse durchführen. Mitarbeitende können alte Einzelpolicen bei Nachweis der Gleichwertigkeit kündigen.

Betriebsrat nicht eingebunden

In Unternehmen mit Betriebsrat wird der bKV-Wechsel ohne Betriebsratseinbindung vorgenommen. Gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei der Ausgestaltung der Versorgungsordnung, also bei Art der Versicherungsleistung und Verteilungsgrundsätzen.

Lösung: Betriebsrat frühzeitig, mindestens 3 Monate vor Wechsel, einbeziehen. Budget und Anbieterwahl sind freie Entscheidung des Arbeitgebers, die Ausgestaltung hingegen mitbestimmungspflichtig.

Sublimits im neuen Tarif übersehen

Im neuen 600-Euro-Budgettarif sind Zahnleistungen auf 180 Euro und Sehhilfen auf 100 Euro gedeckelt. Mitarbeitende erhalten für eine 300-Euro-Zahnreinigung nur 180 Euro erstattet, obwohl noch 400 Euro Budget vorhanden wäre.

Lösung: Vor Abschluss immer Sublimits für Zahn und Sehhilfe prüfen. Anbieter ohne Sublimits bevorzugen oder fehlende Leistungsbereiche mit einem Baustein ausgleichen.

Was passiert mit Mitarbeitenden beim bKV-Wechsel?

Beim Anbieterwechsel sind die Mitarbeitenden direkt betroffen. Ihr Versicherungsschutz wechselt, Leistungen und App-Zugänge ändern sich.

Laufende Leistungsfälle klären

Offene Rechnungen zum Stichtag müssen beim Altanbieter eingereicht werden. Mit dem neuen Versicherer muss vorab kommuniziert werden, ob und wie begonnene Behandlungen übernommen werden.

Weiterversicherungsrecht nach Ausscheiden

Mit dem Ende der Betriebszugehörigkeit endet grundsätzlich auch die bKV-Mitgliedschaft. Deshalb sollte beim Wechsel geprüft werden, ob der neue Anbieter eine Weiterversicherungsoption anbietet.

Gothaer und SIGNAL IDUNA gewähren Mitarbeitenden jeweils 2 Monate nach Ausscheiden die Möglichkeit zur Weiterversicherung. Entscheidend für Mitarbeitende mit Vorerkrankungen: Weiterversicherung idealerweise ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Welche Anbieter empfehlen sich für den Wechsel?

Nicht jeder Anbieter ist für jeden Wechsel geeignet. Die folgende Übersicht bewertet die wichtigsten Anbieter nach Empfehlungsgrad, IVFP-Rating für 2024 und dem konkreten Hinweis, was beim Wechsel zu beachten ist:

AnbieterEmpfehlungIVFP 2024Besonderheit beim Wechsel
HallescheTop-EmpfehlungExzellentBudgetpionier seit 2018, Vorsorge On-Top, keine bekannten Beitragserhöhungen
AllianzTop-EmpfehlungExzellentMehrfach Focus Money Testsieger 2023 und 2025, breit aufgestellt
SDKTop-EmpfehlungExzellent in allen 4 KategorienFamilienangehörige zählen zur Mindestanzahl, einfache Struktur
DKVEmpfehlenswertExzellentKeine Sublimits im Budget, Best-Care-Baustein
HanseMerkurEmpfehlenswertExzellentModularer Aufbau, Krebs-Scan einzigartig, gutes Verwaltungstool
AXA FlexMedEmpfehlenswertExzellentBeitragsbefreiung bei AU, Elternzeit und Pflege, ab 5 Mitarbeitenden
ContinentaleEmpfehlenswertkeine AngabeSeit November 2025 mentale Gesundheit und Pflege-Assistance kostenlos integriert
SIGNAL IDUNAMit VorsichtExzellentVolldigital, aber mindestens 20 Mitarbeitende für Premium-Tarife
GothaerVorsichtExzellentIVFP-Bestbewertung, aber plus 50 Prozent Beitragserhöhung Januar 2026
R+VVorsichtExzellentWiederholte Beitragserhöhungen, plus 100 Prozent in der Vergangenheit, Januar 2026 erneut erhöht

Checkliste bKV-Wechsel: Was muss wann erledigt sein?

Die folgende Checkliste führt Sie durch alle fünf Phasen des Wechselprozesses. Nutzen Sie sie als Arbeitsunterlage und haken Sie jeden Punkt ab, bevor Sie zur nächsten Phase übergehen.

Phase 1: Analyse, 6 bis 9 Monate vor geplantem Wechsel

In dieser Phase geht es darum, den Status quo vollständig zu verstehen, bevor Sie irgendeine Entscheidung treffen:

  • Bestehenden Gruppenvertrag vollständig lesen: Laufzeit, Versicherungsjahr, Kündigungsfrist
  • Aktuelle Versorgungsordnung sichten: enthält sie einen Widerrufsvorbehalt?
  • Betriebsrat vorhanden? Frühzeitige Einbindung nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG
  • Aktuelle Beiträge im Verhältnis zur 50-Euro-Freigrenze prüfen
  • Nutzungsquote der aktuellen bKV ermitteln
  • Mitarbeiterbedarf ermitteln: wichtigste Leistungsbereiche Zahn, Sehhilfe, Vorsorge, Naturheilkunde
  • Anzahl der Mitarbeitenden pro Gruppe feststellen, Mindestgrößen neuer Anbieter beachten
  • Laufende Leistungsfälle identifizieren

Phase 2: Marktanalyse, 5 bis 7 Monate vor Wechsel

Jetzt geht es um den strukturierten Marktvergleich. Holen Sie mindestens 3 bis 5 Angebote ein und prüfen Sie diese systematisch:

  • Mindestens 3 bis 5 Angebote einholen
  • Angebote nach dem 8-Dimensionen-Framework bewerten
  • Vorsorgeuntersuchungen: On-Top oder budgetbelastend?
  • Sublimits für Zahn und Sehhilfe prüfen
  • Historische Beitragsanpassungen des neuen Anbieters recherchieren
  • IVFP-Rating und DFSI/Focus Money Test prüfen
  • BaFin-Beschwerdestatistik sichten
  • Weiterversicherungsrecht nach Ausscheiden ohne Gesundheitsprüfung prüfen
  • App-Qualität und Erstattungsgeschwindigkeit testen
  • Branchenausschlüsse prüfen: Zahnarztpraxen, Apotheken und Sicherheitsdienste sind oft ausgeschlossen

Phase 3: Kündigung und Vorbereitung, 3 bis 4 Monate vor Wechsel

Jetzt werden die formalen Weichen gestellt. Fristen sind in dieser Phase entscheidend:

  • Außerordentliches Kündigungsrecht bei Beitragserhöhung: 2-Monatsfrist nach Mitteilung einhalten
  • Ordentliche Kündigung: 3 Monate vor Versicherungsjahresende, schriftlich, Einschreiben mit Rückschein
  • Kündigungsbestätigung des alten Anbieters abwarten
  • Neue Versorgungsordnung erstellen oder aktualisieren
  • Auftragsverarbeitungsvertrag mit neuem Versicherer abschließen
  • Steuermodell für neuen Tarif festlegen und Lohnabrechnung vorbereiten

Phase 4: Abschluss und Rollout, 1 bis 2 Monate vor Wechsel

In der heißen Phase geht es um reibungslosen Übergang und die Vorbereitung der internen Kommunikation:

  • Neuen Gruppenvertrag unterzeichnen, vor Wirksamwerden der Kündigung des Altvertrags
  • Mitarbeitende beim alten Anbieter abmelden
  • Mitarbeitende beim neuen Anbieter anmelden
  • Lohnabrechnung auf neuen Anbieter und neuen Beitrag umstellen
  • Kommunikationspaket vorbereiten: Begrüßungsschreiben, FAQ, Webinar-Einladung
  • Zugangsdaten zur App des neuen Anbieters verteilen

Phase 5: Nachbereitung, ab Wechselmonat

Der Wechsel ist vollzogen, aber die Arbeit ist noch nicht getan. Jetzt entscheidet sich, ob die bKV auch wirklich genutzt wird:

  • Kick-off-Webinar für alle Mitarbeitenden durchführen
  • Anmeldung neuer Mitarbeitender im laufenden Jahr klären
  • Nutzungsquote nach 3 Monaten messen
  • Regelmäßige Nutzungsimpulse planen
  • Beitragsstabilität im Auge behalten
  • Nächsten Kündigungstermin sofort im HR-Kalender hinterlegen

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt oder Steuerberater.

Patrick Steeger

bKV-Experte

Über den Autor

Ich bin Patrick, Geschäftsführer von bKVfirmenservice.de. Seit 2015 beschäftige ich mich mit der betrieblichen Krankenversicherung – erst neun Jahre als Geschäftsführer in einem Versicherungskonzern, seit 2024 als unabhängiger Berater. Gemeinsam mit meinem Team unterstütze ich KMUs und Konzerne bei Benefits wie bAV, bKV und Gesundheitsbudgets. Mit diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und zeige, wie Unternehmen Arbeitswelten schaffen, in denen Menschen gerne bleiben.
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