Sie haben Ihren Mitarbeitern eine betriebliche Krankenversicherung mit 600 Euro Jahresbudget gegeben. Eine Mitarbeiterin kauft sich eine neue Brille für 480 Euro und reicht die Rechnung ein. Sie bekommt 180 Euro zurück.
Nicht etwa, weil das Budget schon verbraucht wäre, sondern weil ein Sublimit greift.
Sublimits sind betragsmäßige Obergrenzen für einzelne Leistungsbereiche innerhalb des Gesamtbudgets. Sie entscheiden darüber, ob Ihre Mitarbeiter ihr Budget wirklich frei nutzen können.
Und sie erklären, warum manche Anbieter nach ein, zwei Jahren ihre Beiträge drastisch erhöhen müssen.
Was sind Sublimits in der betrieblichen Krankenversicherung?
Ein Sublimit ist eine tarifliche Obergrenze, die festlegt, bis zu welchem Maximalbetrag ein bestimmter Leistungsbereich aus dem Jahresbudget erstattet werden darf – auch wenn das Gesamtbudget noch genug Geld enthält.
Was ist der Unterschied zwischen Gesamtbudget und Sublimit?
Stellen Sie sich Sublimits wie Fächer in einem Portemonnaie vor: Das Gesamtbudget ist das Portemonnaie mit 600 Euro. Aber im Fach für Brillen liegen nur 180 Euro. Wenn Sie eine Brille für 400 Euro kaufen wollen, können Sie nicht einfach aus den anderen Fächern Geld nehmen.
Die folgende Übersicht zeigt Ihnen den Unterschied auf einen Blick:
- Gesamtbudget: Die maximale Jahresleistung insgesamt (zum Beispiel 600 Euro)
- Sublimit: Die maximale Jahresleistung nur für einen einzelnen Bereich (zum Beispiel maximal 180 Euro nur für Sehhilfen)
Sehhilfen und Zahnprophylaxe sind am häufigsten begrenzt
Die folgende Übersicht zeigt Ihnen, wo Sie am häufigsten auf Sublimits stoßen:
Am häufigsten begrenzt werden Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen, Augenoperationen wie LASIK), gefolgt von Zahnprophylaxe (professionelle Zahnreinigung und Bleaching). Etwas seltener, aber immer noch relevant sind Sublimits für Kinesio-Taping und Vorsorgeuntersuchungen.
Die folgende Liste zeigt Ihnen, welche Bereiche normalerweise keine Sublimits haben:
- Zahnersatz (Implantate, Brücken, Kronen) läuft meistens ohne Sublimit
- Zahnbehandlung (Füllungen, Wurzelbehandlung) ist in der Regel nicht begrenzt
- Heilmittel (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) haben selten Sublimits
- Heilpraktiker-Behandlungen sind meist unbegrenzt innerhalb des Budgets
- Arznei- und Verbandmittel laufen normalerweise ohne separate Obergrenze
600 Euro Budget, aber nur 180 Euro für die Brille: So wirken Sublimits
Ich hatte erst letztens einen Fall, der das perfekt zeigt: Ein Geschäftsführer hatte für seine 25 Mitarbeiter den Hallesche FEELfree mit 600 Euro Budget abgeschlossen. Eine Mitarbeiterin brauchte eine neue Gleitsichtbrille für 480 Euro. Sie dachte: Habe ich 600 Euro Budget, bekomme ich die Brille komplett erstattet.
Sie bekam 180 Euro. Warum? Weil die Hallesche ein Sehhilfen-Sublimit von 180 Euro pro Jahr hat – egal ob Sie das 300-Euro-Budget oder das 1.500-Euro-Budget gewählt haben.
Die Mitarbeiterin musste 300 Euro selbst zahlen. Ihr Budget-Rest von 420 Euro konnte sie für alles andere nutzen (Heilpraktiker, Zahnreinigung, Medikamente), aber nicht mehr für Sehhilfen. Das Brillen-Fach war leer.
Warum nutzen bKV-Anbieter Sublimits?
Die Antwort ist einfach: Ohne Sublimits würden die meisten Versicherer entweder Pleite gehen oder die Beiträge so stark erhöhen, dass niemand mehr den Tarif abschließt.
Brillen und Zahnreinigung werden zuerst genutzt
Versicherte verhalten sich rational: Sie nutzen die Leistungen, die sie ohnehin regelmäßig brauchen und gut planbar sind. Brillen und professionelle Zahnreinigung sind solche Leistungen.
Ich gehe zweimal im Jahr zur Zahnreinigung. Kostet jedes Mal 90 Euro, macht 180 Euro im Jahr. Wenn ich ein 600-Euro-Budget habe und keine Sublimits existieren, nutze ich die 180 Euro für PZR. Meine Kollegin braucht eine neue Brille für 350 Euro. Sie nutzt ihr 600-Euro-Budget dafür.
Der nächste Kollege hat regelmäßig Rückenschmerzen und geht zum Heilpraktiker für 200 Euro im Jahr.
Was passiert? Nahezu alle Mitarbeiter schöpfen ihr Budget komplett aus. Die sogenannte Leistungsquote (Verhältnis von Erstattungsauszahlungen zu Prämieneinnahmen) steigt dramatisch.
Versicherer zahlen mehr aus als sie einnehmen
Bei Tarifen ohne Sublimits lagen diese Leistungsquoten laut Funk-Berater teils bei über 100 Prozent. Das bedeutet: Der Versicherer zahlt mehr aus, als er an Prämien einnimmt. Ein nicht dauerhaft tragbares Modell.
Marina Weise-Bonczek, Sprecherin der Barmenia, erklärte das öffentlich so: „Bei den Budget-Tarifen ohne Sublimits zeigte sich insbesondere bei den von Kunden besser steuerbaren Leistungselementen eine dauerhaft hohe Inanspruchnahme.“
Gothaer, Barmenia und R+V: Tarife ohne Sublimits wurden geschlossen oder drastisch teurer
Die folgenden drei Fälle zeigen, was mit Tarifen ohne Sublimits passiert ist:
Gothaer FlexSelect Premium und XL: Geschlossen nach 20 Prozent Beitragserhöhung
Die Gothaer hatte zwei Budgettarife ohne Sublimits im Angebot: FlexSelect Premium und FlexSelect XL.
Beide wurden zum 1. Januar 2026 für Neukunden geschlossen. Für Bestandskunden wurden die Beiträge drastisch erhöht: Im XL-Tarif von 12,20 Euro auf mindestens 14,62 Euro pro Monat (plus 20 Prozent), im Premium-Tarif von 14,90 Euro auf 17,06 Euro (plus 14,5 Prozent).
Die Begründung: nicht kostendeckende Kalkulation aufgrund offener Budgettarife ohne Sublimits mit überdurchschnittlicher Inanspruchnahme. Das löste für viele Arbeitgeber ein massives Problem aus: Durch die Beitragserhöhung überschritten Verträge die monatliche 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze.
Plötzlich wurde der gesamte Beitrag lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig.
Barmenia WellYou: Eingestellt und durch WellYou pure mit Sublimits ersetzt
Der Barmenia-Tarif WellYou ohne Sublimits wurde Anfang 2025 für das Neugeschäft eingestellt. An seine Stelle trat WellYou pure – mit klar definierten Sublimits für Sehhilfen und Zahnprophylaxe. Der direkte Grund: unkalkulierbar hohe Leistungsquoten.
R+V PROFIL Budget: Beitragserhöhung um 14,6 Prozent, historisch über 100 Prozent
Auch der R+V-Budgettarif PROFIL, der ebenfalls keine Sublimits enthält, musste zum 1. Januar 2026 erneut erhöht werden – von 13,31 Euro auf 15,25 Euro pro Monat (plus 14,6 Prozent) für die günstigste Budgetstufe 300 Euro. In der Vergangenheit hatte die R+V bereits Beitragserhöhungen von über 100 Prozent verzeichnet.
Melina Kirste vom Maklerhaus Funk fasste es so zusammen: „Tarife ohne Sublimits werden künftig entweder deutlich teurer oder komplett vom Markt verschwinden.“
Anbietervergleich: Sublimits bei echten bKV-Tarifen
Jetzt wird es konkret. Ich zeige Ihnen mit echten Tarifdaten, welche Sublimits die großen Anbieter haben. Die Daten stammen direkt aus den Produktbroschüren und Tarifbedingungen.
Hallesche: Feste Sublimits unabhängig vom Budget
Die Hallesche hat den Budgettarif 2018 erfunden und setzt bewusst auf feste Sublimits, um langfristige Beitragsstabilität zu gewährleisten.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Sublimits für den Hallesche FEELfree:
| Budget pro Jahr | Sehhilfen-Sublimit | Zahnprophylaxe-Sublimit |
|---|---|---|
| 300 Euro | 180 Euro pro Jahr | 60 Euro pro Jahr |
| 600 Euro | 180 Euro pro Jahr | 60 Euro pro Jahr |
| 900 Euro | 180 Euro pro Jahr | 60 Euro pro Jahr |
| 1.200 Euro | 180 Euro pro Jahr | 60 Euro pro Jahr |
| 1.500 Euro | 180 Euro pro Jahr | 60 Euro pro Jahr |
Das Sehhilfen-Sublimit ist budgetstufen-unabhängig. Wer 1.500 Euro Budget hat, bekommt für Brillen trotzdem maximal 180 Euro. Das ist der Knackpunkt: Je höher Ihr Budget, desto geringer wird der relative Anteil, den Sie für Sehhilfen nutzen können.
Beim Tarif FEELfree:up sieht es so aus:
| Budget pro Jahr | Sehhilfen-Sublimit | Zahnprophylaxe-Sublimit | Kinesio-Taping |
|---|---|---|---|
| 300 bis 1.500 Euro | 180 Euro pro Jahr | 100 Euro pro Jahr | 100 Euro pro Jahr |
Der FEELfree:up hat eine Besonderheit: Das Grundbudget steigt bei vollständiger Ausschöpfung um 50 Euro jährlich, bis maximal 200 Euro Aufstockung. Die Sublimits bleiben davon unberührt. Das heißt: Auch wenn Ihr Budget von 600 Euro auf 800 Euro steigt (nach vier Jahren), bleibt das Sehhilfen-Sublimit bei 180 Euro.
AXA: Höchstes Sehhilfen-Sublimit am Markt
Die AXA bietet zwei Budget-Tarife an: FlexMed easy Plus und FlexMed easy Premium.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Sublimits für beide Tarife:
| Tarif | Budget pro Jahr | Sehhilfen-Sublimit | Bleaching-Sublimit |
|---|---|---|---|
| FlexMed easy Plus | 300 bis 1.500 Euro | 300 Euro pro Jahr | 80 Euro pro Jahr |
| FlexMed easy Premium | 300 bis 1.500 Euro | 450 Euro pro Jahr | 80 Euro pro Jahr |
Das FlexMed easy Premium hat mit 450 Euro das höchste Sehhilfen-Sublimit unter allen hier analysierten Tarifen. Wenn Sie eine Belegschaft haben, die regelmäßig teure Brillen braucht (Gleitsicht, Arbeitsplatzbrillen), ist das Premium-Modell interessant.
AXA hat für alle FlexMed-Tarife eine Beitragsgarantie bis 1. Januar 2027 ausgesprochen. Das gibt Planungssicherheit.
Signal Iduna: Einheitliche Sublimits über alle Budget-Stufen
Signal Iduna bietet drei Budget-Varianten an: GesundAKTIV+, GesundAGIL+ und GesundVITAL+.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Sublimits für alle drei Varianten:
| Leistungsbereich | Sublimit |
|---|---|
| Sehhilfen (Brillen und Kontaktlinsen) | 300 Euro pro Jahr |
| Zahnprophylaxe (PZR) | 300 Euro pro Jahr |
| Bleaching | 100 Euro pro Jahr |
| Kinesio-Taping | 100 Euro pro Jahr |
Das Sehhilfen-Sublimit von 300 Euro ist budgetstufen-unabhängig und gilt für alle Budget-Höhen von 300 bis 1.500 Euro. Signal Iduna hat damit ein vergleichsweise großzügiges Sehhilfen-Sublimit, aber ein sehr hohes Zahnprophylaxe-Sublimit von 300 Euro. Die meisten Anbieter liegen bei 60 bis 125 Euro für PZR.
Die Besonderheit bei Signal Iduna: GesundAGIL+ und GesundVITAL+ enthalten Zahnbausteine (ZahnBest mit 70 Prozent, ZahnPerfekt mit 90 Prozent), die außerhalb des Budgets laufen. Dazu später mehr im Abschnitt Kombimodell.
HanseMerkur: Gestaffelte Sublimits alle zwei Jahre
HanseMerkur bietet die Tarife BKB Standard und BKBT Top an.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Sublimits:
| Tarif | Sehhilfen-Sublimit | Zahnprophylaxe-Sublimit | Turnus |
|---|---|---|---|
| BKB Standard | 60 bis 240 Euro | 80 bis 120 Euro pro Jahr | alle 2 Jahre |
| BKBT Top | 60 bis 240 Euro | 80 bis 120 Euro pro Jahr | alle 2 Jahre |
Beim BKB ist das Sehhilfen-Budget nach Stufe gestaffelt: 60 Euro (Stufe 1), 120 Euro (Stufe 2), 180 Euro (Stufe 3), 240 Euro (Stufe 4) – und gilt für zwei Kalenderjahre zusammen. Das heißt: Wenn Sie Stufe 2 gewählt haben, bekommen Sie 120 Euro für Sehhilfen innerhalb von zwei Jahren. Im ersten Jahr 80 Euro Brille, im zweiten Jahr 40 Euro Kontaktlinsen – zusammen 120 Euro. Danach ist Schluss.
Ottonova: Budgetproportionale Sublimits
Ottonova CrewCare hat eine interessante Besonderheit: Die Sehhilfen-Sublimits steigen proportional mit dem Budget, aber das PZR-Sublimit bleibt konstant.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Sublimits für alle Budget-Stufen:
| Budget pro Jahr | Sehhilfen-Sublimit | PZR plus Bleaching | Vorsorge/Apps/Impfungen |
|---|---|---|---|
| 300 Euro | 200 Euro pro Jahr | 125 Euro pro Jahr | 200 Euro pro Jahr |
| 600 Euro | 225 Euro pro Jahr | 125 Euro pro Jahr | 225 Euro pro Jahr |
| 900 Euro | 250 Euro pro Jahr | 125 Euro pro Jahr | 250 Euro pro Jahr |
| 1.200 Euro | 275 Euro pro Jahr | 125 Euro pro Jahr | 275 Euro pro Jahr |
| 1.500 Euro | 300 Euro pro Jahr | 125 Euro pro Jahr | 300 Euro pro Jahr |
Die Sehhilfen-Sublimits steigen von 200 Euro auf 300 Euro. Das ist fairer als ein festes Sublimit, weil der relative Anteil konstant bleibt. Aber: Das PZR-plus-Bleaching-Sublimit von 125 Euro bleibt über alle Budgetstufen hinweg konstant. Ein Mitarbeiter mit 1.500-Euro-Budget kann für PZR also nicht mehr einsetzen als einer mit 300-Euro-Budget.
Gothaer: Nach Tarifschließung nur noch eingeschränkt
Gothaer bietet aktuell nur noch den Tarif FlexSelect an (die Premium- und XL-Varianten wurden zum 1. Januar 2026 für Neukunden geschlossen).
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Sublimits für FlexSelect:
| Leistungsbereich | Sublimit |
|---|---|
| Brillen und Kontaktlinsen | 180 Euro pro Jahr |
| Zahnprophylaxe (PZR) | 80 Euro pro Jahr |
FlexSelect gibt es nur noch in drei Budgetstufen: 300, 500 und 750 Euro. Die Beiträge liegen zwischen 9,90 Euro und 19,90 Euro pro Monat (ab 5 Mitarbeitern).
Barmenia: Budgetproportionale Sublimits nach Neustart
Barmenia hat den Tarif WellYou ohne Sublimits Anfang 2025 eingestellt und durch WellYou pure ersetzt.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Sublimits für WellYou pure:
| Budget pro Jahr | Sehhilfen-Sublimit | Zahnprophylaxe plus Bleaching |
|---|---|---|
| 300 Euro | 170 Euro pro Jahr | 60 Euro pro Jahr |
| 600 Euro | 190 Euro pro Jahr | 80 Euro pro Jahr |
| 900 Euro | 210 Euro pro Jahr | 100 Euro pro Jahr |
Die Sublimits steigen hier budgetproportional. Das ist fairer als feste Sublimits, aber immer noch restriktiv. Bei 900 Euro Budget bekommen Sie maximal 210 Euro für Sehhilfen – das sind 23,3 Prozent des Gesamtbudgets.
Welche bKV-Anbieter haben keine Sublimits?
Es gibt drei Anbieter, die explizit keine Sublimits haben: DKV, R+V und Allianz (neue Generation seit Februar 2025).
DKV: Keine Sublimits, aber höhere Beiträge
Der DKV-Budgettarif ist der bekannteste Anbieter mit explizit keinen Sublimits für einzelne Leistungsbereiche.
Das Leistungsspektrum ohne Obergrenzen umfasst: Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmittel, Sehhilfen und refraktive Augenchirurgie, Naturheilverfahren, Vorsorgeuntersuchungen, Zahnbehandlungen, Zahnprophylaxe und Zahnersatz.
Die Budgetstufen liegen bei 300, 600, 900 und 1.200 Euro. Die Beiträge starten ab 15,68 Euro pro Monat (Minimum 10 Mitarbeiter).
Die Kehrseite: Die DKV-Tarife liegen preislich über dem Marktdurchschnitt. Die teuerere Kalkulation ergibt sich direkt aus dem Fehlen von Sublimits. Außerdem werden Abschlüsse für Belegschaften mit hohem Durchschnittsalter durch die DKV teurer kalkuliert oder abgelehnt.
R+V: Keine Sublimits, aber Beitragserhöhungsrisiko
R+V bietet ebenfalls keine Sublimits. Die Konsequenz ist die bereits erwähnte Beitragserhöhung zum 1. Januar 2026 (von 13,31 Euro auf 15,25 Euro pro Monat bei 300-Euro-Budget) und in der Vergangenheit Erhöhungen von über 100 Prozent.
Allianz: Neue Generation ohne klassische Sublimits
Allianz hat im Februar 2025 ein neues Tarifkonzept vorgestellt: Meine Gesundheit. Dort gibt es keine Sublimits mehr im klassischen Sinne für Sehhilfen, jedoch eine Aufteilung in verschiedene Leistungsvarianten.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die drei Sehhilfen-Varianten:
| Sehhilfen-Variante | Brillen/Kontaktlinsen | Sehschärfen-OP | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Sehhilfe | 75% bis Budgethöhe | 100% bis Budgethöhe | aus Hauptbudget |
| Sehhilfe Extra | 75% bis Extrabudget | 100% bis Extrabudget | separates Extrabudget |
| Sehhilfe 100 | 100% bis Budgethöhe | 100% bis Budgethöhe | aus Hauptbudget |
Bei allen drei Varianten gibt es kein klassisches Sublimit – das Hauptbudget kann vollständig für Sehhilfen genutzt werden. Die 75-Prozent-Grenze ist kein Sublimit, sondern eine prozentuale Erstattungsquote.
Bei Zahnleistungen gibt es ebenfalls keine Sublimits – bis zu 100 Prozent Erstattung bis Budgethöhe.
Der Allianz-Tarif ist damit der einzige hier analysierte Premium-Budget-Tarif ohne klassische Sublimits aus einem Großanbieter, der noch aktiv für Neukunden verfügbar ist (außer DKV und R+V).
Übersicht: Sublimits aller bKV-Anbieter auf einen Blick
Die folgende Tabelle fasst alle Sublimits der wichtigsten Anbieter zusammen:
| Anbieter | Tarif | Sehhilfen-Sublimit | PZR/Bleaching-Sublimit | Sonstige Sublimits |
|---|---|---|---|---|
| Hallesche | FEELfree | 180 Euro pro Jahr (fix) | 60 Euro pro Jahr | – |
| Hallesche | FEELfree:up | 180 Euro pro Jahr (fix) | 100 Euro pro Jahr | Kinesio-Taping 100 Euro |
| AXA | FlexMed easy Plus | 300 Euro pro Jahr | 80 Euro pro Jahr (Bleaching) | – |
| AXA | FlexMed easy Premium | 450 Euro pro Jahr | 80 Euro pro Jahr (Bleaching) | – |
| Signal Iduna | GesundAKTIV+ | 300 Euro pro Jahr | PZR 300 Euro, Bleaching 100 Euro pro Jahr | Kinesio-Tape 100 Euro |
| HanseMerkur | BKB Standard | 60 bis 240 Euro alle 2 Jahre | 80 bis 120 Euro pro Jahr | – |
| Ottonova | CrewCare | 200 bis 300 Euro pro Jahr (budgetgestaffelt) | 125 Euro pro Jahr (fix) | Vorsorge 200 bis 300 Euro pro Jahr |
| Gothaer | FlexSelect | 180 Euro pro Jahr | 80 Euro pro Jahr | – |
| Barmenia | WellYou pure | 170 bis 210 Euro pro Jahr (budgetgestaffelt) | 60 bis 100 Euro pro Jahr (budgetgestaffelt) | – |
| DKV | Budgettarif | Kein Sublimit | Kein Sublimit | Kein Sublimit |
| R+V | PROFIL | Kein Sublimit | Kein Sublimit | Kein Sublimit |
| Allianz | Meine Gesundheit | Kein klassisches Sublimit (75%/100% Erstattung bis Budgethöhe) | Kein Sublimit | – |
Fallbeispiele: Wie funktionieren Sublimits in der Praxis?
Jetzt wird es konkret. Ich zeige Ihnen sechs Fallbeispiele mit echten Tarifdaten, damit Sie verstehen, wie Sublimits in der Praxis wirken.
Fall 1: Die teure Gleitsichtbrille bei Hallesche FEELfree 600
Mitarbeiterin Claudia (48 Jahre) benötigt eine neue Gleitsichtbrille. Gesamtkosten inklusive Entspiegelung und Leichtglasgläser: 480 Euro. Ihr Arbeitgeber hat den Hallesche FEELfree mit 600 Euro Budget gewählt.
So läuft die Erstattung: Jahresbudget gesamt beträgt 600 Euro. Das Sehhilfen-Sublimit liegt bei 180 Euro pro Jahr. Die Erstattung für die Brille beträgt also 180 Euro (Sublimit greift). Claudia muss 300 Euro selbst zahlen. Ihr Restbudget für andere Leistungen beträgt 420 Euro.
Claudia erhält nur 37,5 Prozent ihrer Brillenkosten erstattet, obwohl noch 420 Euro Budget übrig sind. Das restliche Budget kann sie zum Beispiel für PZR (bis 60 Euro), Heilpraktiker, Arznei- oder Heilmittel nutzen.
Was wäre besser gewesen? Bei der AXA FlexMed easy Premium (600-Euro-Budget, Sehhilfen-Sublimit 450 Euro) hätte Claudia 450 Euro für die Brille erstattet bekommen – nur 30 Euro Eigenanteil.
Fall 2: Zwei PZRs plus Bleaching bei Ottonova CrewCare 600
Mitarbeiterin Sarah lässt zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung (je 90 Euro) und einmal Bleaching (85 Euro) durchführen. Gesamtkosten: 265 Euro. Ihr Budget: Ottonova CrewCare 600 Euro.
So läuft die Erstattung: Das PZR-plus-Bleaching-Sublimit (gemeinsam) liegt bei 125 Euro pro Jahr (konstant, unabhängig von Budgetstufe). Die Erstattung beträgt 125 Euro. Sarah zahlt 140 Euro selbst. Ihr Restbudget für andere Leistungen beträgt 475 Euro.
Das gemeinsame PZR-plus-Bleaching-Sublimit von 125 Euro bleibt identisch, egal ob Budget 300 Euro oder 1.500 Euro. Das wirkt bei höheren Budgetstufen noch restriktiver (relativer Anteil sinkt).
Fall 3: Kinesio-Taping-Sublimit bei Hallesche FEELfree:up 900
Sportlicher Mitarbeiter Tom (Hobby: Triathlon) lässt sich regelmäßig kinesiologisch tapen. Im Jahr kommen 8 Behandlungen à 30 Euro, macht 240 Euro. Budget: FEELfree:up 900 Euro.
So läuft die Erstattung: Das Kinesio-Taping-Sublimit liegt bei 100 Euro pro Jahr. Die Erstattung für Taping beträgt 100 Euro. Tom zahlt 140 Euro selbst. Sein Restbudget für andere Leistungen beträgt 800 Euro.
Das 100-Euro-Sublimit deckt die ersten drei bis vier Behandlungen ab, dann ist die Obergrenze erreicht. Für Physiotherapie oder andere Heilmittel hingegen gibt es kein Sublimit bei FEELfree:up – Tom kann hier das gesamte Restbudget nutzen.
Fall 4: Die Brille bei DKV ohne Sublimit
Mitarbeiter Felix (42 Jahre) kauft eine teure Computerbrille für 350 Euro. Budget: DKV Budgettarif 600 Euro.
So läuft die Erstattung: Es gibt kein Sehhilfen-Sublimit. Die Erstattung beträgt 350 Euro (vollständig aus Budget). Sein Restbudget beträgt 250 Euro.
Felix bekommt die Brille zu 100 Prozent erstattet. Der DKV-Tarif hat jedoch höhere Prämien und einen Mindestbestand von 10 Mitarbeitern. Für junge Belegschaften mit niedrigem Durchschnittsalter kann der Tarif günstiger abschließbar sein.
Fall 5: Sublimit wird durch Zahnbaustein umgangen (Signal Iduna GesundVITAL)
Mitarbeiterin Jana braucht eine Zahnkrone für 1.200 Euro. Die GKV zahlt einen Festzuschuss von 50 Euro. Budget: Signal Iduna GesundVITAL 600 Euro (enthält 90 Prozent Zahnersatz über Baustein ZahnPerfekt).
So läuft die Erstattung: Der Zahnersatz-Baustein ZahnPerfekt erstattet 90 Prozent der Kosten, abzüglich GKV-Vorleistung. Die GKV-Erstattung beträgt 50 Euro. Signal Iduna ZahnPerfekt zahlt 90 Prozent mal 1.200 Euro gleich 1.080 Euro minus 50 Euro GKV, also 1.030 Euro aus dem Baustein. Der Restbetrag von 170 Euro wird vom 600-Euro-Budget abgezogen. Janas Restbudget beträgt 430 Euro.
Jana muss für eine 1.200-Euro-Krone nur 120 Euro selbst zahlen (1.200 minus 50 GKV minus 1.030 Baustein). Das ist das Kombimodell in der Praxis: Der Zahnbaustein läuft außerhalb des Budgets, vermeidet also das Sublimit-Problem vollständig für Zahnersatz.
Fall 6: Wie Sublimits und die 50-Euro-Sachbezugsgrenze zusammenwirken (Gothaer-Szenario)
Arbeitgeber mit 30 Mitarbeitern hatte Gothaer FlexSelect XL (ohne Sublimits) für 12,20 Euro pro Monat abgeschlossen. Zum 1. Januar 2026 wurde der Beitrag auf 14,62 Euro pro Monat erhöht.
Die steuerliche Konsequenz sah so aus: Bisherige Sachbezüge waren bKV 12,20 Euro plus Fahrkostenzuschuss 30 Euro, macht 42,20 Euro – unter 50 Euro Freigrenze, also steuerfrei.
Neue Situation: bKV 14,62 Euro plus Fahrkostenzuschuss 30 Euro, macht 44,62 Euro – immer noch unter 50 Euro, knapp. Bei einem weiteren Anstieg auf 17 Euro: 47 Euro gesamt – die Grenze nähert sich. Überschreitung auch nur um 1 Cent macht den gesamten Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig.
Die Lösung für die Zukunft: Tarif mit Sublimits wählen, der preislich stabil bleibt, und immer eine Pufferzone von mindestens 8 bis 10 Euro zur 50-Euro-Grenze einplanen.
Sublimits schließen mit einem Kombimodell
Sublimits in Budgettarifen werden durch ein zusätzliches Bausteinmodul gezielt geschlossen. Dieses Prinzip wird von nahezu allen Anbietern aktiv angeboten. Das Kombimodell kombiniert einen Budgettarif mit Sublimits und einen spezialisierten Baustein für den Bereich, der am häufigsten hohe Kosten verursacht: Zahnersatz.
Wie funktioniert das Kombimodell?
Sie wählen einen Budgettarif mit Sublimits (zum Beispiel AXA FlexMed easy Plus für 19,33 Euro bei 600-Euro-Budget). Der Budgettarif deckt Sehhilfen (bis 300 Euro), Zahnprophylaxe, Heilpraktiker, Arznei- und Hilfsmittel ab. Für Zahnersatz schließen Sie zusätzlich einen Zahnbaustein ab (zum Beispiel FlexMed Zahnersatz Premium für 20,10 Euro). Der Zahnbaustein erstattet 85 bis 90 Prozent der Zahnersatzkosten außerhalb des Budgets.
Gesamtbeitrag: 19,33 Euro (Budget) plus 20,10 Euro (Zahnbaustein), macht 39,43 Euro pro Monat. Das liegt unter der 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze.
Welche Anbieter bieten Kombimodelle an?
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die wichtigsten Kombimodelle am Markt:
| Anbieter | Budgettarif | Ergänzungsbaustein Zahn | Zahnersatz-Erstattung | Aufpreis pro Monat |
|---|---|---|---|---|
| AXA | FlexMed easy Plus | FlexMed Zahnersatz Premium | 85 bis 90% außerhalb Budget | 20,10 Euro |
| AXA | FlexMed easy Plus | FlexMed Zahnersatz Komfort | 75% außerhalb Budget | 9,00 Euro |
| AXA | FlexMed easy Plus | FlexMed Zahnersatz 30 | 30% außerhalb Budget (max. 2.500 Euro/Jahr) | 12,12 Euro |
| Signal Iduna | GesundAKTIV+ | ZahnBest+ | 70% außerhalb Budget | 11,22 Euro |
| Signal Iduna | GesundAKTIV+ | ZahnPerfekt+ | 90% außerhalb Budget (ab 20 MA) | 8,46 Euro |
| HanseMerkur | BKB | Zahnersatz 300 bis 1.080 Euro Jahresleistung | 100% bis Jahresgrenze | variabel |
Warum ist das Kombimodell besser als ein Tarif ohne Sublimits?
Das Kombimodell trennt die hochpreisige, unplanbare Leistung (Zahnersatz) vom Budget. Zahnersatz ist nicht vorhersehbar: Niemand plant, dieses Jahr eine Krone für 1.500 Euro zu brauchen. Deshalb ist die Leistungsquote beim Zahnbaustein kalkulierbarer als bei einem offenen Budget.
Das Budget bleibt frei für alle planbaren Leistungen: Brille, Zahnreinigung, Heilpraktiker, Medikamente. Sie zahlen nur für das, was Sie wirklich brauchen. Wenn Ihre Belegschaft wenig Zahnersatz braucht, können Sie den Zahnbaustein auch weglassen und nur den Budgettarif abschließen.
Die Beitragsstabilität ist höher: Tarife mit Kombimodell haben in der Vergangenheit deutlich stabilere Beiträge gezeigt als Tarife ohne Sublimits. Der Zahnbaustein ist separat kalkuliert und kann unabhängig vom Budget angepasst werden.
Für wen lohnt sich das Kombimodell nicht?
Wenn Ihre Belegschaft sehr jung ist (Durchschnittsalter unter 30) und absehbar keinen Zahnersatz braucht, können Sie auf den Zahnbaustein verzichten. Der Budgettarif alleine reicht dann.
Wenn Sie über 50 Euro pro Monat zahlen können (also die Sachbezugsfreigrenze nicht relevant ist), können Sie auch einen DKV- oder Allianz-Tarif ohne Sublimits wählen. Dann haben Sie maximale Flexibilität ohne zusätzliche Bausteine.
Sonderfall: Sublimits in Bausteintarifen
In reinen Bausteintarifen (ohne gemeinsames Gesamtbudget) gibt es keine Sublimits im klassischen Sinne – jeder Baustein hat seine eigene, separate Obergrenze. Die Bausteine sind unabhängig voneinander. Technisch gesehen ist die Bausteinobergrenze das Äquivalent zum Sublimit, nur dass sie vollständig isoliert ist.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen typische Baustein-Obergrenzen am Beispiel HanseMerkur:
| Baustein | Jahresleistung |
|---|---|
| Zahnersatz 300 | 300 Euro pro Jahr |
| Zahnersatz 1.080 | 1.080 Euro pro Jahr |
| Zahnbehandlung 120 | 120 Euro pro Jahr |
| Heilpraktiker 180 | 180 Euro pro Jahr |
| Heilpraktiker 420 | 420 Euro pro Jahr |
| Sehhilfen 60 | 60 Euro alle 2 Jahre |
| Sehhilfen 240 | 240 Euro alle 2 Jahre |
| Arznei 30 | 30 Euro pro Jahr |
| Arznei 90 | 90 Euro pro Jahr |
Der Vorteil liegt auf der Hand: Beim Einsatz von Zahnleistungen wird das Sehhilfen-Budget nicht tangiert und umgekehrt. Jeder Baustein ist ein eigener Topf.
Der Nachteil: Höherer Verwaltungsaufwand und bei Bausteinakkumulation höhere Gesamtbeiträge als bei einem einzelnen Budgettarif. Wenn Sie fünf Bausteine kombinieren (Zahnersatz, Zahnbehandlung, Heilpraktiker, Sehhilfen, Arznei), zahlen Sie oft mehr als für einen Budgettarif mit 600 Euro.
Bausteintarife sind sinnvoll, wenn Sie sehr gezielt nur bestimmte Bereiche absichern wollen.
Zum Beispiel: nur Zahnersatz und Sehhilfen, nichts anderes. Dann zahlen Sie nur für diese zwei Bausteine. Ein Budgettarif würde auch Heilpraktiker, Arznei, Hilfsmittel abdecken – Leistungen, die Sie vielleicht gar nicht brauchen.
Fazit: Sublimits sind Kalkulationsinstrumente, keine versteckten Nachteile
Sublimits sind betragsmäßige Obergrenzen für einzelne Leistungsbereiche innerhalb des Gesamtbudgets. Sie sind bewusst eingesetzte Kalkulationsinstrumente, um Beitragsstabilität zu gewährleisten – keine versteckten Nachteile.
Die Marktdaten der letzten zwei Jahre zeigen klar: Tarife ohne Sublimits geraten unter Druck.
Gothaer hat zwei Tarife geschlossen und Beiträge um bis zu 50 Prozent erhöht. Barmenia hat den Tarif WellYou eingestellt. R+V musste Beiträge um über 100 Prozent anpassen. Die Versicherungsbranche zieht Konsequenzen aus Leistungsquoten über 100 Prozent.
Die beste Lösung für Arbeitgeber ist das Kombimodell: Budgettarif mit Sublimits plus gezielter Zahnbaustein für die häufigste hochpreisige Leistung. So bleibt das Budget für alle anderen Bereiche voll verfügbar, Zahnersatz ist außerhalb des Budgets abgesichert.
Was Sie bei der Tarifwahl beachten müssen:
- Prüfen Sie, ob Sublimits vorhanden sind und für welche Bereiche
- Bevorzugen Sie budgetproportionale Sublimits statt feste Sublimits
- Kombinieren Sie Budgettarife mit Zahnbausteinen für optimale Absicherung
- Planen Sie 8 bis 10 Euro Puffer zur 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze ein
- Meiden Sie Anbieter mit Beitragserhöhungshistorie bei Tarifen ohne Sublimits
Ich berate seit über zwölf Jahren Geschäftsführer zur betrieblichen Krankenversicherung und Sublimits sind das Thema, das am häufigsten unterschätzt wird. Viele wählen den vermeintlich günstigsten Tarif ohne Sublimits – und stehen zwei Jahre später vor drastischen Beitragserhöhungen oder Tarifschließungen.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Tarif mit welchen Sublimits für Ihre Belegschaft passt, lassen Sie uns gemeinsam schauen. Ein unverbindliches Gespräch kostet Sie nichts, aber es kann Sie vor teuren Fehlentscheidungen bewahren.