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Patrick

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.Patrick Steeger

Bild zeigt Patrick Steeger, Geschäftsführer vom bKV Firmenservice
Stand: 10. März, 2026

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Krankenstand in der IT-Branche: Daten, Ursachen & Prognose

Die IT-Branche weist den niedrigsten Krankenstand aller Wirtschaftszweige in Deutschland auf.

Laut DAK-Auswertung lag er 2025 bei nur 3,4% mit durchschnittlich 12,6 Fehltagen pro Kopf, verglichen mit dem Branchendurchschnitt von 5,4% (19,5 Fehltage). Doch diese Statistik trügt erheblich: Die niedrigen offiziellen Zahlen sind primär ein Ausdruck von massivem Präsentismus.

Fast 9 von 10 IT-Fachkräften arbeiten auch krank weiter, insbesondere aus dem Homeoffice. Tatsächlich zeigt die Golem.de-Gesundheitsstudie 2025, dass mehr als die Hälfte der befragten ITler ihre mentale Gesundheit als schlecht einstufen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die IT-Branche liegt mit 3,4% Krankenstand (12,6 Fehltage pro Kopf) am unteren Ende aller Branchen, verglichen mit dem Durchschnitt von 5,4% (19,5 Fehltage), der Sprung von 2,3% (2021) auf 3,5% (2022) entspricht dem eAU-Effekt durch elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  • Die niedrigen offiziellen Zahlen täuschen: 89% der IT-Fachkräfte arbeiten auch bei Krankheit weiter (Golem.de-Umfrage 2025 mit 3.349 Teilnehmern), 15% arbeiten selbst bei schwerer Krankheit, 13% sogar trotz Krankschreibung, fast 90% arbeiten überwiegend oder ausschließlich remote
  • Mehr als die Hälfte der IT-Angestellten bezeichnet 2025 ihre mentale Gesundheit als schlecht (2024: 36%), fast jeder Dritte berichtet von Burnout-Fällen im eigenen Unternehmen, 73% der europäischen IT-Fachkräfte leiden unter arbeitsbedingtem Stress oder Burnout (ISACA-Studie)
  • Die volkswirtschaftlichen Kosten der Arbeitsunfähigkeit belaufen sich 2024 auf 134 Milliarden Euro Produktionsausfall und 227 Milliarden Euro Bruttowertschöpfungsausfall, psychische Erkrankungen verursachen durchschnittlich 33 Tage Ausfall pro Fall (das Fünffache einer Atemwegserkrankung)

Wie hoch ist der durchschnittliche Krankenstand in der IT-Branche?

Der offizielle Krankenstand in der IT-Branche liegt 2025 bei 3,4% mit durchschnittlich 12,6 Fehltagen pro Kopf. Das ist der niedrigste Wert aller Wirtschaftszweige in Deutschland.

Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 5,4% (19,5 Fehltage), das Gesundheitswesen bei 6,2% (22,5 Fehltage).

Die IT-Branche (DAK-Branchenbezeichnung: „Datenverarbeitung und Informationsdienstleistungen“) liegt damit konstant am unteren Ende aller Branchen. Im Branchenranking 2025 steht sie dem Gesundheitswesen diametral gegenüber.

IT/DatenverarbeitungBundesdurchschnitt
Krankenstand 20253,4%5,4% (DAK)
Fehltage 2025 pro Kopf12,6 Tage19,5 Tage (DAK)
Krankenstand 20243,5%5,4% (DAK)
Krankenstand 20233,7%5,5% (DAK)
Fehltage 2023 pro Kopf13,4 Tage20,0 Tage (DAK)
Krankenstand 20223,5%5,5% (DAK)
Krankenstand 20212,3%ca. 4,0% (DAK)

Der Sprung von 2,3% (2021) auf 3,5% (2022) entspricht dem allgemeinen eAU-Effekt durch die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Seit 2022 liegt der IT-Krankenstand relativ stabil bei 3,4 bis 3,7%, mit einem leichten Rückgang auf 3,4% im Jahr 2025. Das Muster gleicht dem allgemeinen Trend: starker Anstieg 2022 durch verbesserte Erfassung, seitdem Stabilisierung auf erhöhtem Niveau.

IT-Branche im Branchenvergleich: Fast 40% unter dem Durchschnitt

Die IT-Branche unterschreitet den Durchschnitt um fast 40%. Der Abstand zum Spitzenreiter (Gesundheitswesen) beträgt fast das Doppelte.

BerufsgruppeKrankenstandFehltage/Jahr
Altenpflege / Kinderbetreuung7,4%ca. 27 Tage
Gesundheitswesen gesamt6,2%22,5 Tage
Verkehr, Lagerei, Kurierdienste6,0%ca. 22 Tage
Branchendurchschnitt5,4%19,5 Tage
Banken/Versicherungen4,0%ca. 14,5 Tage
Datenverarbeitung/IT3,4%12,6 Tage

89% arbeiten auch bei Krankheit weiter

Die offiziell niedrigen Krankenstände spiegeln nicht die tatsächliche Gesundheitslage wider. Mehrere Studien belegen ein massives Präsentismus-Problem in der IT-Branche. Die Golem.de-Umfrage 2025 mit 3.349 IT-Angestellten zeigt: 89% arbeiten auch bei Krankheit weiter, nur 11% melden sich konsequent krank. 15% arbeiten selbst bei schwerer Krankheit, 13% sogar trotz Krankschreibung.

Die TU Dortmund stellt in ihrer Pragdis-Studie fest: IT-Fachkräfte tauchen in Krankenkassenstatistiken nicht auf, weil sie trotz Erkrankung weiterarbeiten, ein klassischer „Präsentismus-Effekt“. Die TU Chemnitz belegt für 2024: 63% aller deutschen Angestellten arbeiten krank, bei IT-Fachkräften liegt der Wert mit 89% dramatisch höher.

Die Hauptgründe für das Weiterarbeiten sind struktureller Natur: Es gibt niemanden, der die Arbeit übernehmen kann (Fachkräftemangel), Sorge um Überlastung der Teammitglieder und Druck von Arbeitgeber oder Vorgesetzten (knapp ein Viertel der Befragten).

Homeoffice senkt die Hemmschwelle zum kranken Weiterarbeiten

Fast 90% der befragten IT-Fachkräfte arbeiten überwiegend oder ausschließlich remote.

Das Homeoffice senkt die Hemmschwelle, bei leichten Erkrankungen weiterzuarbeiten, da der soziale Druck wegfällt und die physische Präsenz nicht erforderlich ist. Die DAK bestätigt: Beschäftigte in Informatikberufen sind entweder seltener krank oder arbeiten trotz Krankheit häufiger im Homeoffice weiter.

Was sind die Ursachen des niedrigen offiziellen Krankenstands?

Die Ursachen liegen nicht darin, dass IT-Fachkräfte gesünder wären. Im Gegenteil: Die tatsächliche Gesundheitslage ist alarmierend. Die niedrigen offiziellen Zahlen sind primär ein Ausdruck von Präsentismus, strukturellem Druck und Homeoffice-bedingter Arbeitsfähigkeit trotz Krankheit.

Über 50% stufen ihre mentale Gesundheit als schlecht ein

Die Golem.de-Gesundheitsstudie 2025 zeichnet ein dramatisches Bild der mentalen Gesundheit von IT-Fachkräften. Mehr als die Hälfte der IT-Angestellten bezeichnet 2025 ihre mentale Gesundheit als schlecht, ein dramatischer Anstieg gegenüber einem Drittel im Vorjahr (36%).

Fast jeder Dritte berichtet, dass im vergangenen Jahr eine oder mehrere IT-Fachkräfte im Unternehmen wegen Burnout ausgefallen sind. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung lag die Burnout-Rate laut Pronova BKK bei 13%.

Gesundheitsindikator2024 (Golem-Umfrage)2025 (Golem-Umfrage)Veränderung
Mentale Gesundheit schlecht36%>50%starker Anstieg
Körperliche Gesundheit schlecht24%>33%Anstieg
Burnout-Fälle im eigenen Unternehmenk.A.~30%

73% der europäischen IT-Fachkräfte leiden unter Stress oder Burnout

Die im März 2025 veröffentlichte ISACA-Studie mit 7.726 Teilnehmern weltweit (davon 1.340 in Europa) liefert bestätigende Daten auf europäischer Ebene.

73% der europäischen IT-Fachkräfte berichten von arbeitsbedingtem Stress oder Burnout, 61% nennen hohe Arbeitsbelastung als Hauptursache, 44% klagen über knappe Fristen, 43% bemängeln fehlende Ressourcen und 47% sagen, schwierige oder nicht unterstützende Führungskräfte beeinträchtigten das Wohlbefinden.

Eine weitere Studie des auf Software-Teams spezialisierten Unternehmens Haystack Analytics ergab: 83% der Softwareentwickler berichten von Burnout-Symptomen. Die Pandemie hat das Problem durch Home-Office-bedingte Entgrenzung verschärft, die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen.

Freelancer trifft es besonders hart

Die ESF-geförderte Pragdis-Studie der TU Dortmund untersuchte die Gesundheit von IT-Fachkräften im Detail.

Freelancer sind besonders stark betroffen: 65% leiden unter arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Beschwerden (Festangestellte: niedriger), 52% unter arbeitsbedingten psychischen Problemen (Festangestellte: niedriger), über 50% berichten von Ängsten und negativen Emotionen (Festangestellte: unter 50%).

Nur 30% der Freelancer glauben, ihren Beruf bis 65 ausüben zu können (Festangestellte: 40%). 14% der Freelancer glauben, nicht mal bis 50 durchzuhalten (Festangestellte: 10%).

Termindruck, unklare Ziele und mangelnde Wertschätzung

Die Golem.de-Umfrage aus 2025 identifiziert die wichtigsten psychischen Belastungsfaktoren:

  • Hoher Termindruck,
  • Stress und Hektik (44%),
  • unklare Zielvorgaben (42%),
  • mangelnde Wertschätzung (36%),
  • angespannte Unternehmenslage (34%),
  • Führungswechsel oder Firmenübernahmen (34%),
  • und fehlende oder geringere Boni (36%).

Hinzu kommen körperliche Belastungen durch Bildschirmarbeit: Beschwerden im unteren Rücken und Nacken sind am häufigsten. Mobile Arbeit (Homeoffice) führt tendenziell zu stärkeren Muskel-Skelett-Beschwerden als Büroarbeit.

Fehlende ergonomische Ausstattung im Homeoffice verdoppelt das Risiko für Nackenschmerzen und Rückenbeschwerden, längere tägliche Bildschirmarbeitszeiten erhöhen das Risiko zusätzlich.

Fachkräftemangel, permanenter Wandel und Entgrenzung

Die strukturellen Probleme der IT-Branche verschärfen die psychische Belastung zusätzlich.

Anfang 2025 waren in der Berufsgruppe „Informatik und IKT“ rund 50.000 Personen arbeitslos gemeldet, gleichzeitig herrscht in vielen Spezialbereichen akuter Mangel. Die vorhandenen Kräfte werden überlastet, weil es schlicht niemanden gibt, der die Arbeit übernehmen könnte.

Hinzu kommen weitere Belastungsfaktoren:

  • Technologien wechseln schnell, der Weiterbildungsdruck ist enorm
  • Kein klarer Feierabend, permanente Erreichbarkeit, „arbeiten, arbeiten, schlafen“-Zyklen
  • Trotz kreativer Ansprüche besteht der Alltag vieler Entwickler aus repetitiver Code-Arbeit vor dem Bildschirm
  • Die IT-Branche erlebt seit 2024 Entlassungswellen, Budgetkürzungen und Unsicherheit

Die Kombination aus Fachkräftemangel, permanentem Wandel und fehlender Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben führt zu einer Dauerspannung, die sich in den Burnout-Zahlen niederschlägt.

Psychische Erkrankungen verursachen 33 Tage Ausfall pro Fall

In der IT-Branche verschiebt sich die Diagnosestruktur deutlich zugunsten psychischer Erkrankungen und zulasten von Muskel-Skelett-Erkrankungen und Verletzungen.

Psychische Erkrankungen sind in der IT die mit Abstand dominierende Diagnosegruppe und verursachen zudem die längsten Ausfallzeiten: durchschnittlich 33 Tage pro Fall (DAK 2024).

Zum Vergleich: Atemwegserkrankungen dauern im Schnitt nur 6,3 Tage.

DiagnosegruppeIT/Büroberufe (Tendenz)Gesamtwirtschaft (BKK 2024)
Psychische ErkrankungenÜberproportional19% der Fehltage
AtemwegserkrankungenDurchschnittlich18% der Fehltage
Muskel-Skelett-ErkrankungenUnterproportional23% der Fehltage
VerletzungenSehr geringca. 9%

Volkswirtschaftliche Kosten: Wie teuer ist der Krankenstand?

Die BAuA beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsunfähigkeit für 2024 auf 134 Milliarden Euro Produktionsausfall (Lohnkosten) und 227 Milliarden Euro Bruttowertschöpfungsausfall.

Der Produktionsausfall je AU-Tag liegt bei 152 Euro, der Bruttowertschöpfungsausfall bei 258 Euro.

KennzahlBetrag
Produktionsausfall (Lohnkosten)134 Mrd. €
Ausfall Bruttowertschöpfung227 Mrd. €
Produktionsausfall je AU-Tag152 €
Bruttowertschöpfungsausfall je AU-Tag258 €

Für IT-Fachkräfte mit typischerweise überdurchschnittlichen Gehältern (Median circa 56.000 bis 65.000 Euro pro Jahr) liegen die tatsächlichen Kosten pro Fehltag deutlich über dem Durchschnitt.

Bei Tagessätzen von 400 bis 800 Euro für IT-Spezialisten und der Berücksichtigung von Projektverzögerungen und Know-how-Verlust übersteigen die realen Kosten die BAuA-Schätzwerte erheblich.

Präsentismus kostet mehr als Fehlzeiten

Hinzu kommt der versteckte Kostenfaktor Präsentismus: Produktivitätsverluste durch krank arbeitende Beschäftigte übersteigen nach Forschungsergebnissen die Ausgaben für Fehlzeiten um ein Vielfaches.

Die TU Chemnitz zeigt: Die Erschöpfung durch Präsentismus bleibt mehrere Wochen nach der Krankheitsphase erhöht, eine schnelle Erholung findet nicht statt.

Da psychische Erkrankungen in der IT besonders relevant sind, lohnt der Blick auf die Gesamtkosten dieser Diagnosegruppe: Die BAuA schätzt den Produktionsausfall durch psychische Erkrankungen 2024 auf 22,5 Milliarden Euro, den Bruttowertschöpfungsausfall auf 38 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Krankheitsdauer pro Fall liegt bei 33 Tagen, das Fünffache einer Atemwegserkrankung.

IT-Branche vs. Metallbranche: Unterschiedliche Probleme, gleiche Schwere

Der Vergleich zeigt: Beide Branchen haben gravierende Gesundheitsprobleme, sie manifestieren sich nur unterschiedlich.

Die Metallbranche leidet primär unter körperlicher Belastung (hoher offizieller Krankenstand), die IT-Branche unter psychischer Belastung (niedriger offizieller Krankenstand, aber extreme Dunkelziffer durch Präsentismus).

IT/DatenverarbeitungMetall-/Elektroindustrie
Krankenstand (offiziell)3,4% (DAK 2025)ca. 5,8% (BKK 2023)
Fehltage/Jahr12,6 Tage (DAK 2025)ca. 21 Tage
Hauptdiagnose 1Psychische ErkrankungenMuskel-Skelett-Erkrankungen
Hauptdiagnose 2AtemwegserkrankungenAtemwegserkrankungen
Hauptdiagnose 3Muskel-Skelett (Rücken/Nacken)Verletzungen
PräsentismusExtrem hoch (89%)Moderat bis hoch
SchichtarbeitSelten (On-Call/Bereitschaft)Sehr häufig
Homeoffice-Anteil~90%Sehr niedrig
Körperliche BelastungGering (Bildschirmarbeit)Hoch (manuell/industriell)
Psychische BelastungSehr hoch (73% Burnout)Hoch (Jobangst, Schicht)

Handlungsfelder für Arbeitgeber: Was können Sie jetzt tun?

IT-Arbeitgeber müssen psychische Gesundheit priorisieren, Präsentismus aktiv bekämpfen, Ergonomie im Homeoffice fördern und Work-Life-Balance ernst nehmen. Die Maßnahmen unterscheiden sich fundamental von denen in der Metallbranche, weil die Belastungen andere sind.

Employee Assistance Programme und Führungskräfteschulung

Employee Assistance Programme (EAP) mit anonymer psychologischer Beratung ermöglichen Frühintervention bei Burnout, bevor Langzeit-AU entsteht. Führungskräfteschulungen zu Mental Health und psychologischer Sicherheit sind essenziell, denn 47% beklagen schwierige Führungskräfte als Belastungsfaktor.

Realistische Projektplanung und Ressourcenzuweisung: 61% klagen über Überlastung, 44% über knappe Fristen. Klare Zielvorgaben: 42% nennen unklare Ziele als Stressfaktor. Wertschätzung und Anerkennung institutionalisieren: 36% vermissen Wertschätzung.

Krankmeldung erwünscht, Vertretungsstrukturen schaffen

Nur jedes zweite IT-Unternehmen bietet gezielte Maßnahmen zur Wiedereingliederung nach langen Krankheitszeiten, bei psychischen Erkrankungen sind es sogar nur 40%.

Arbeitgeber sollten klare Signale setzen, dass Krankmeldung erwünscht ist (Vorbildfunktion der Führungskräfte), Vertretungsstrukturen schaffen, damit Einzelpersonen ausfallen können ohne dass Projekte leiden, und „krank arbeiten“ als Kulturproblem thematisieren.

Die TU-Chemnitz-Studie zeigt, dass Präsentismus zu wochenlanger Erschöpfung führt. Das ist keine Lösung, das ist ein Problem.

Budget für ergonomische Homeoffice-Ausstattung

Die BAuA/IPA-Studie belegt, dass schlechte ergonomische Ausstattung im Homeoffice das Risiko für Muskel-Skelett-Beschwerden verdoppelt.

Konkrete Maßnahmen:

  • Budget für ergonomische Homeoffice-Ausstattung (externer Monitor, ergonomische Tastatur/Maus,
  • höhenverstellbarer Schreibtisch),
  • regelmäßige Unterbrechungen der Bildschirmarbeit fördern (§ 5 Bildschirmarbeitsverordnung),
  • Angebote für Rücken- und Nackenpräventio,
  • und digitale Gesundheitskurse und Bewegungsprogramme.

Recht auf Unerreichbarkeit nach Feierabend

Weniger als die Hälfte der IT-Fachkräfte bewertet ihre Work-Life-Balance als zufriedenstellend. Homeoffice verbessert zwar die wahrgenommene Balance, birgt aber gleichzeitig das Risiko der Entgrenzung. Recht auf Unerreichbarkeit nach Feierabend etablieren, keine Meetings vor 9 oder nach 17 Uhr, „Deep Work“-Zeiten ohne Unterbrechungen und Sabbatical-Modelle und Überstundenabbau aktiv fördern.

600 Euro pro Mitarbeiter steuerfrei für Gesundheitsförderung

Wie in der Metallbranche können IT-Arbeitgeber gemäß § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro Arbeitnehmer und Jahr steuerfrei für Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung aufwenden, darunter Stressbewältigungskurse, Resilienz-Trainings, Rückenschulungen und Ernährungsprogramme.

Prognose: Wie wird sich der Krankenstand in der IT-Branche entwickeln?

Der offizielle Krankenstand der IT-Branche dürfte 2026 weitgehend stabil bei 3,3 bis 3,5% bleiben. Der leichte Rückgang von 3,7% (2023) auf 3,4% (2025) setzt sich möglicherweise fort, da Atemwegsinfekte rückläufig sind.

Gleichzeitig steigen psychische Erkrankungen weiter an: +6,9% Zuwachs bei psychisch bedingten Fehltagen allein von 2024 auf 2025.

KI-Transformation, Alterung und Return-to-Office als Treiber

Mehrere Aufwärtstreiber werden den Krankenstand beeinflussen:

  • Psychische Erkrankungen (kontinuierlich steigende Burnout-Raten, verschärft durch KI-Transformation, der AOK Fehlzeiten-Report 2025 warnt explizit vor neuen Gesundheitsrisiken durch KI-Einsatz am Arbeitsplatz),
  • Alterung der Belegschaft (auch die IT-Branche altert, die First-Mover-Generation der 1990er/2000er erreicht ein Alter mit höherer Morbidität),
  • Fachkräftemangel und Verdichtung (weniger Personal muss mehr leisten, 61% klagen bereits über Überlastung),
  • wirtschaftliche Unsicherheit (Massenentlassungen bei Tech-Unternehmen,
  • steigende IT-Arbeitslosigkeit mit 50.000 arbeitslos gemeldeten Anfang 2025, psychische Belastung durch Jobangst),
  • und der Return-to-Office-Trend (falls sich Büropflicht durchsetzt, könnten Präsentismus-Fälle erstmals als offizielle Krankmeldungen auftauchen, paradoxer Anstieg des statistischen Krankenstands).

Abwärtstreiber sind KI-Unterstützung (KI-Tools könnten Routinearbeiten reduzieren und damit kognitive Belastung senken), wachsendes Gesundheitsbewusstsein (die öffentliche Debatte zu Mental Health in der IT nimmt zu, Unternehmen investieren verstärkt in BGM) und die Normalisierung des eAU-Effekts (der statistische Einmaleffekt der besseren Erfassung klingt ab).

Latenzzeit psychischer Erkrankungen birgt größtes Risiko

Die größte Gefahr für die IT-Branche ist die Latenzzeit psychischer Erkrankungen.

Anders als eine Erkältung (Fehltage innerhalb von Tagen sichtbar) akkumulieren sich psychische Belastungen über Monate und Jahre, bevor sie in einer Langzeit-Krankschreibung münden.

Wenn die aktuell über 50% mental belasteten IT-Fachkräfte in den nächsten Jahren in Burnout-bedingte Langzeitausfälle übergehen, könnte der offizielle Krankenstand der IT-Branche sprunghaft steigen, trotz gleichbleibender oder sogar sinkender Kurzzeit-Erkrankungen.

Die Golem.de-Studie formuliert es unmissverständlich: „Die für den Unternehmenserfolg so enorm wichtigen ITler arbeiten zunehmend auf Verschleiß. Viele funktionieren noch – aber sie fühlen sich längst nicht mehr wohl. Innerhalb eines Jahres hat sich ihre Lage von alarmierend zu katastrophal verschlechtert.“

Fazit: „3,4% Krankenstand täuschen – 89% der Mitarbeiter arbeiten krank weiter“

Die IT-Branche weist mit 3,4% den niedrigsten Krankenstand aller Wirtschaftszweige auf, aber diese Statistik täuscht. Die tatsächliche Gesundheitslage ist alarmierend:

  • 89% der IT-Fachkräfte arbeiten auch bei Krankheit weiter, fast 90% arbeiten überwiegend remote
  • Über 50% bezeichnen ihre mentale Gesundheit als schlecht (2024: 36%)
  • 73% der europäischen IT-Fachkräfte leiden unter arbeitsbedingtem Stress oder Burnout
  • Psychische Erkrankungen verursachen durchschnittlich 33 Tage Ausfall pro Fall
  • Die Hauptursachen sind strukturell: Hoher Termindruck (44%), unklare Zielvorgaben (42%), mangelnde Wertschätzung (36%), Fachkräftemangel und Homeoffice-Entgrenzung
  • Die größte Gefahr liegt in der Latenzzeit psychischer Erkrankungen: Wenn die aktuell über 50% mental belasteten IT-Fachkräfte in den nächsten Jahren in Burnout-bedingte Langzeitausfälle übergehen, könnte der offizielle Krankenstand sprunghaft steigen

Ich arbeite seit über 12 Jahren mit Unternehmen an Gesundheitsförderung und Mitarbeiterbindung. Der niedrige offizielle Krankenstand in der IT-Branche ist kein Grund zur Entwarnung, sondern ein Warnsignal.

Die Daten zeigen klar: Ihre IT-Fachkräfte arbeiten auf Verschleiß. Führen Sie ein IT-Unternehmen oder beschäftigen Sie IT-Fachkräfte? Lassen Sie uns sprechen, wenn Sie sicherstellen möchten, dass Ihre Mitarbeiter nicht nur funktionieren, sondern sich auch wohlfühlen.

Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Gespräch.

Patrick Steeger

bKV-Experte

Über den Autor

Ich bin Patrick, Geschäftsführer von bKVfirmenservice.de. Seit 2015 beschäftige ich mich mit der betrieblichen Krankenversicherung – erst neun Jahre als Geschäftsführer in einem Versicherungskonzern, seit 2024 als unabhängiger Berater. Gemeinsam mit meinem Team unterstütze ich KMUs und Konzerne bei Benefits wie bAV, bKV und Gesundheitsbudgets. Mit diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und zeige, wie Unternehmen Arbeitswelten schaffen, in denen Menschen gerne bleiben.
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