Patrick Steeger

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Bild zeigt Patrick Steeger, Geschäftsführer vom bKV Firmenservice
zuletzt aktualisiert: 17. März 2026

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Krankenstand in der Metallbranche: Daten, Ursachen & Prognose

Der Krankenstand in der deutschen Metall- und Elektro-Industrie liegt seit 2022 auf historisch hohem Niveau. In der M+E-Industrie lag er 2023 bei 5,8%, nachdem er 2022 einen Rekordwert von 7,0% erreicht hatte.

Branchenintern bestehen massive Unterschiede: Während Metallerzeugung und Metallbearbeitung auf 7,9% kommen, liegt der Bereich Forschung, Entwicklung und Konstruktion nur bei 4,3%. Die Hauptursachen sind Muskel-Skelett-Erkrankungen, Atemwegsinfekte und stark zunehmende psychische Erkrankungen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Krankenstand in der M+E-Industrie lag 2023 bei 5,8% (2022: Rekordjahr mit 7,0%), branchenintern gibt es massive Unterschiede zwischen Metallerzeugung/Bearbeitung (7,9%) und Forschung/Entwicklung/Konstruktion (4,3%)
  • Im Elektro- und Metallgewerbe des Handwerks liegt der Krankenstand bei 6,5% mit durchschnittlich 23,7 Fehltagen je Beschäftigtem, Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen 30,6% aller Fehltage
  • Die volkswirtschaftlichen Kosten sind enorm: Die BAuA beziffert den Produktionsausfall durch Arbeitsunfähigkeit 2024 auf 134 Milliarden Euro, den Bruttowertschöpfungsausfall auf 227 Milliarden Euro, Arbeitgeber zahlten 82 Milliarden Euro für Lohnfortzahlung
  • Der sprunghafte Anstieg ab 2022 ist teilweise auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zurückzuführen, die eine lückenlosere Erfassung ermöglicht, der BKK Dachverband formuliert unmissverständlich: „Mehr Transparenz, nicht mehr Krankheit“

Wie hoch ist der durchschnittliche Krankenstand in der Metallindustrie?

Der durchschnittliche Krankenstand in der M+E-Industrie lag 2023 bei 5,8%. Das klingt nach einer Entspannung gegenüber dem Rekordjahr 2022 mit 7,0%, aber das Niveau liegt immer noch rund 50% über dem Vor-Corona-Wert von 2019.

Die Zeitreihe zeigt das deutlich: Von 2018 bis 2021 bewegte sich der Krankenstand stabil zwischen 4,6% und 4,8%. Dann kam der Sprung auf 7,0% im Jahr 2022, und seitdem verharrt der Wert auf diesem erhöhten Plateau.

Die aktuellsten Daten stammen aus der BKK-Sonderauswertung für Gesamtmetall.

JahrKrankenstand Ø M+E-Industrie
20184,8%
20194,8%
20204,6%
20214,6%
20227,0% (Rekordjahr)
20235,8%

Innerhalb der Metallbranche gibt es erhebliche Unterschiede. Die Daten für 2022 nach Wirtschaftszweigen zeigen, dass Metallhersteller mit 6,7% am stärksten betroffen sind, gefolgt vom Fahrzeugbau mit 6,2%. Maschinenbau (5,4%), Elektroindustrie (5,5%) und sonstige Waren (5,3%) liegen etwas darunter.

Berufsgruppen: Faktor 2 zwischen Produktion und Büro

Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn Sie sich die Berufsgruppen anschauen. Die BKK-Sonderauswertung für 2023 zeigt ein klares Muster: Körperlich belastende Tätigkeiten weisen Krankenstände von 7 bis 8,5% auf, wissensintensive Tätigkeiten liegen bei 4,2 bis 4,3%. Der Unterschied beträgt den Faktor 2.

BerufsgruppeKrankenstand 2023
Fahrzeugführer8,5%
Metallerzeugung/-bearbeitung7,9%
Logistikberufe7,7%
Maschinen-/Fahrzeugtechnik6,8%
Finanzen/Rechnungswesen5,9%
Mechatronik & Elektroberufe5,6%
Forschung/Entwicklung/Konstruktion4,3%
Unternehmensführung4,2%

Das enorme Präventionspotenzial liegt bei den produktionsnahen Tätigkeiten. Wenn Sie Ihre Beschäftigten in der Metallbearbeitung, Logistik oder als Fahrzeugführer einsetzen, sollten Sie genau hinschauen.

Elektro- und Metallgewerbe im Handwerk: 23,7 Fehltage pro Jahr

Die IKK classic liefert mit ihrem Gesundheitsreport spezifische Daten zum Elektro- und Metallgewerbe im Handwerk. Gemeint sind Metallbau-Betriebe, Schlossereien und Elektrobetriebe. Der Krankenstand liegt bei 6,5% (Handwerk gesamt: 6,9%), die durchschnittliche Falldauer beträgt 11,6 Tage, die Fehltage je Beschäftigtem summieren sich auf 23,7 Tage pro Jahr.

Zum Vergleich: Im Bau- und Ausbaugewerbe sind es sogar 29 Fehltage, während Nicht-Handwerks-Betriebe bei 25,4 Tagen liegen. Die Metallbranche im Handwerk liegt also im oberen Mittelfeld.

Vergleich: Krankenstand in Deutschland vs. Metallbranche

Die aktuellsten Auswertungen verschiedener Krankenkassen für ganz Deutschland zeigen ein konsistentes Bild:

Der Krankenstand in Deutschland liegt 2024 und 2025 zwischen 5,4% und 6,5%, je nach Versichertenstruktur der Kasse. Der BKK Dachverband meldet für 2024 einen Krankenstand von 6,1% mit 22,3 Fehltagen je Person, für 2025 einen leichten Rückgang auf 5,83% mit circa 21,3 Fehltagen.

Die DAK-Gesundheit kommt für 2025 auf 5,4% und 19,5 Fehltage, die Techniker Krankenkasse auf 18,6 Fehltage. Die AOK liegt mit 6,5% für 2024 am oberen Ende. Das Niveau liegt weiterhin rund 50% über dem Vor-Corona-Wert von 2019, der leichte Rückgang 2025 gegenüber dem Rekordjahr 2022 ist vor allem auf weniger Atemwegserkrankungen zurückzuführen.

Die Metallbranche liegt mit 5,8% (M+E-Industrie 2023) bzw. 6,5% (Elektro-/Metallhandwerk) im deutschen Durchschnitt. Das Problem ist nicht, dass die Metallbranche extrem über dem Durchschnitt liegt, sondern dass der Durchschnitt insgesamt so hoch ist und innerhalb der Branche massive Unterschiede bestehen.

Was sind die Ursachen des hohen Krankenstands in der Metallbranche?

Die Ursachen sind vielfältig und überlagern sich. Strukturelle Treiber wie Schichtarbeit, körperliche Belastung und demografischer Wandel treffen auf den statistischen Effekt der 2022 eingeführten elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Muskel-Skelett-Erkrankungen: Fast jeder dritte Fehltag

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind die größte Diagnosegruppe in der Metallbranche. Im Elektro- und Metallgewerbe des Handwerks verursachen sie 30,6% aller Fehltage, im allgemeinen Durchschnitt sind es nur 20,3%. Die durchschnittliche Falldauer liegt bei circa 15,7 Tagen.

Die Ursache ist simpel: Beschäftigte in der Metallproduktion, im Maschinenbau und im Metallhandwerk sind täglich biomechanischen Risikofaktoren ausgesetzt.

  • Manuelle Lastenhandhabung (schweres Heben und Tragen, insbesondere beim Beugen und Drehen des Körpers),
  • repetitive Bewegungen (gleichförmig wiederholte oder kraftbetonte Bewegungsabläufe an Maschinen),
  • statische Körperhaltungen (langes Stehen, Zwangshaltungen an Werkbänken),
  • Vibrationen (Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibrationen durch Werkzeuge und Maschinen),
  • und ungünstige Umgebungsbedingungen (Lärm, Hitze, Kälte, Staub, Schweißrauch).

Diese Belastungen führen langfristig zu chronischen Rückenschmerzen, Gelenkerkrankungen und Sehnenscheidenentzündungen. Das sind die klassischen Muskel-Skelett-Erkrankungen, die in der Metallbranche für fast jeden dritten Fehltag verantwortlich sind.

Atemwegserkrankungen und Verletzungen

Atemwegserkrankungen machen 20,0% der Fehltage aus (allgemeiner Durchschnitt: 19,7%), die durchschnittliche Falldauer liegt bei 6,3 Tagen. Verletzungen und Vergiftungen verursachen 15,1% der Fehltage (allgemeiner Durchschnitt: circa 9%), mit einer durchschnittlichen Falldauer von circa 19,2 Tagen.

Die überproportional hohen Werte bei Verletzungen sind direkte Folge der körperlichen Arbeitsanforderungen und der Unfallgefahr in der Metallbranche. Jede Verletzung kostet im Schnitt fast drei Wochen Arbeitszeit.

Schichtarbeit: Nur 23% schätzen ihren Gesundheitszustand als sehr gut ein

Rund 15% der abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeiten in Schichtarbeit, in der Metallindustrie liegt der Anteil deutlich höher, insbesondere im Automobilbau und in der Metallhütte.

Die gesundheitlichen Folgen sind wissenschaftlich belegt: Nur 23% der Schichtarbeitenden schätzen ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder ausgezeichnet ein (vs. 34% ohne Schichtarbeit).

Muskel-Skelett-Beschwerden und Schlafstörungen treten bei Schichtarbeitenden signifikant häufiger auf.

Langfristig besteht ein erhöhtes Risiko für:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Diabetes mellitus Typ 2,
  • Depressionen,
  • und bestimmte Krebsarten.

Schichtarbeit stört den zirkadianen Rhythmus, beeinflusst Melatonin- und Cortisolhaushalt und beeinträchtigt die Regeneration.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin konstatiert auf Basis einer Erwerbstätigenbefragung 2024: Schichtarbeitende sind nicht nur zeitlich stärker belastet, sondern kumulativ auch häufiger ungünstigen Umgebungsbedingungen und hoher Arbeitsintensität ausgesetzt.

Eine Mehrfachbelastung, die sich in überdurchschnittlichen Krankenständen niederschlägt.

Psychische Erkrankungen: Über fünf Wochen Ausfall pro Fall

Psychische Erkrankungen machen circa 14 bis 17% der Fehltage aus, verursachen aber die mit Abstand längsten Ausfallzeiten: durchschnittlich über fünf Wochen (35+ Tage) pro Fall.

Besonders besorgniserregend sind die Trends: +6,9% Zuwachs bei psychisch bedingten Fehltagen allein von 2024 auf 2025, +43% Anstieg der Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen innerhalb der letzten zehn Jahre.

Die Produktionsausfallkosten durch psychische Erkrankungen beliefen sich 2024 auf 22,5 Milliarden Euro, der Bruttowertschöpfungsausfall auf 38 Milliarden Euro. Die TK meldet für 2025 im Schnitt 3,47 Fehltage je Erwerbsperson allein wegen psychischer Diagnosen (2022: 3,06).

Die Ursachen liegen laut Bundesregierung unter anderem in gestiegenen kognitiv-geistigen Anforderungen, höheren Anforderungen an Selbstorganisation und Flexibilität sowie der Angst vor Arbeitsplatzverlust.

In der Metallbranche verschärfen Personalabbau, Rezession und Strukturkrise die Unsicherheit zusätzlich: Seit 2018 gingen über 270.000 M+E-Arbeitsplätze verloren, für 2026 prognostiziert Gesamtmetall den Verlust von weiteren 100.000 bis 150.000 Stellen.

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: „Mehr Transparenz, nicht mehr Krankheit“

Ein wesentlicher Erklärungsfaktor für den statistischen Sprung ab 2022 ist die zum 1. Januar 2022 eingeführte elektronische AU-Bescheinigung (eAU). Die DAK-Gesundheit hat in einer Sonderanalyse festgestellt, dass der sprunghafte Anstieg 2022 (+40% gegenüber 2021) zu einem erheblichen Teil auf die lückenlosere Erfassung zurückzuführen ist.

Vor der eAU wurde die Ausfertigung für die Krankenkasse häufig nicht eingereicht, ein Dunkelfeld, das nun ausgeleuchtet wird. Das ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) bestätigt, dass die neue Erhebungsmethode den statistischen Anstieg mitverursacht.

Der BKK Dachverband formuliert dazu unmissverständlich: „Mehr Transparenz, nicht mehr Krankheit“ – der Krankenstand 2025 sei mit 5,83% kein Zeichen vermehrter Krankheit, sondern besserer Erfassung.

Demografischer Wandel: 13,7% Krankenstand ab 60 Jahren

Die Alterspyramide der M+E-Industrie zeigt, dass 10% der Beschäftigten bereits über 60 Jahre alt sind.

Die IKK classic belegt: Im Handwerk steigt der Krankenstand ab 60 Jahren auf 13,7% (vs. 5,6% bei 20- bis 29-Jährigen).

Da die Babyboomer-Generation in den nächsten Jahren zunehmend in Rente geht, aber gleichzeitig ältere Beschäftigte länger arbeiten müssen, wird der demografische Effekt auf den Krankenstand voraussichtlich anhalten.

Präsentismus: 70% gehen krank zur Arbeit

Die Debatte wird verzerrt, wenn Sie den Gegenpol ignorieren: Vor der Corona-Pandemie gingen 70% der Beschäftigten mindestens einmal pro Jahr krank zur Arbeit, im Schnitt fast neun Arbeitstage. Krank Arbeitende stecken Kollegen an, erhöhen die Unfallgefahr und senken die Produktivität. Was Unternehmen langfristig teurer zu stehen kommt als ordentliche Krankschreibungen.

Volkswirtschaftliche Kosten: Wie teuer ist der Krankenstand?

Die BAuA berechnet jährlich die volkswirtschaftlichen Kosten der Arbeitsunfähigkeit.

Die aktuellsten Zahlen beziehen sich auf 2024 und sind enorm: Der Produktionsausfall (Lohnkosten) beläuft sich auf 134 Milliarden Euro, der Bruttowertschöpfungsausfall auf 227 Milliarden Euro. Das entspricht 5,1% des Bruttonationaleinkommens.

Kennzahl (2024)Wert
Ø AU-Tage je Arbeitnehmer20,8 Tage
AU-Tage gesamt881,5 Millionen
Ausgefallene Erwerbsjahre2,4 Millionen
Produktionsausfall (Lohnkosten)134 Mrd. €
Produktionsausfall je Arbeitnehmer3.177 €
Produktionsausfall je AU-Tag152 €
Bruttowertschöpfungsausfall227 Mrd. €
Bruttowertschöpfungsausfall je Arbeitnehmer5.376 €
Anteil am Bruttonationaleinkommen5,1%

Branchenspezifisch ist der Industriesektor (inklusive Metallbranche) mit über 70 Milliarden Euro Bruttowertschöpfungsausfall der am stärksten betroffene Wirtschaftsbereich.

Bei den Diagnosen führen Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 44,2 Milliarden Euro Wertschöpfungsausfall, gefolgt von psychischen Erkrankungen mit 38 Milliarden Euro.

Arbeitgeber zahlten 2024 laut Institut der Deutschen Wirtschaft rund 82 Milliarden Euro für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Seit 2010 haben sich die Aufwendungen mehr als verdoppelt.

Pro Arbeitnehmer und AU-Tag kostet der Produktionsausfall 152 Euro, pro Arbeitnehmer und Jahr sind es 3.177 Euro.

Politische Debatte: Karenztag und Arbeitgeberforderungen

Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter hat Anfang März 2026 die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung gefordert und sich für die Einführung von Karenztagen ausgesprochen.

Die Forderung steht im Kontext der schweren Wirtschaftskrise der M+E-Industrie, die sich im zweiten Rezessionsjahr befindet und massiv Arbeitsplätze abbaut.

BDA-Präsident Rainer Dulger hatte bereits Ende 2025 gefordert: Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, Begrenzung der Lohnfortzahlung auf sechs Wochen pro Jahr (statt pro Erkrankung) und häufigere MDK-Überprüfungen.

IG Metall: „Unverschämt und fatal“

Die IG Metall lehnt Karenztage kategorisch ab. Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban: „Den Beschäftigten Krankmacherei zu unterstellen, ist unverschämt und fatal. Wer Karenztage aus der Mottenkiste holt, greift die soziale Sicherheit an und fördert verschleppte Krankheiten.“ Stattdessen fordert die IG Metall bessere Arbeitsbedingungen, konsequente Gefährdungsbeurteilungen und mehr Prävention.

Wissenschaftliche Einordnung: 150 Euro Kosten pro Karenztag

Der Ökonom Nicolas Ziebarth (Cornell University) warnt vor Karenztagen: Ein Karenztag würde den durchschnittlichen Arbeitnehmer circa 150 Euro brutto kosten und dazu führen, dass sich Beschäftigte krank zur Arbeit schleppen, mit negativen Folgen für Kollegengesundheit und Produktivität.

Der BKK Dachverband betont: „Anwesenheit sollte nicht belohnt, Abwesenheit nicht bestraft werden. Entscheidend ist das Ergebnis der Arbeit.“ Die Debatte zeigt, wie angespannt die Situation ist. Arbeitgeber sehen die hohen Kosten, Gewerkschaften die Gesundheit der Beschäftigten, Ökonomen die volkswirtschaftlichen Folgen von Präsentismus.

Handlungsfelder für Arbeitgeber: Was können Sie jetzt tun?

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist der stärkste Hebel zur Senkung des Krankenstands und umfasst drei Säulen:

  • Verhältnisprävention (Gestaltung sicherer, ergonomischer Arbeitsplätze; Lärmschutz; Optimierung von Schichtsystemen; arbeitswissenschaftlich fundierte Pausengestaltung),
  • Verhaltensprävention (Schulungen zu Rückengesundheit, Stressbewältigung, Ernährung; Betriebssportangebote; Suchtprävention),
  • und Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM, gesetzlich vorgeschrieben nach § 167 SGB IX bei AU über 6 Wochen pro Jahr; strukturierte Rückkehrgespräche; stufenweise Wiedereingliederung).

Der bayme-vbm-Leitfaden (Arbeitgeberhandbuch BGM der bayerischen Metall- und Elektroindustrie) empfiehlt Metallbetrieben speziell: Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nach § 5 ArbSchG, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, vorwärtsrotierende Schichtmodelle und Rückencoaching-Programme.

Konkrete Maßnahmen für die Metallbranche

Die größten Hebel liegen dort, wo die größten Diagnosegruppen sind: Muskel-Skelett-Erkrankungen (30,6% der Fehltage), Verletzungen (15,1%) und psychische Erkrankungen (14%, aber über fünf Wochen Ausfall pro Fall).

HandlungsfeldMaßnahmeErwarteter Effekt
Muskel-SkelettErgonomische Arbeitsplätze, Hebehilfen, ExoskeletteReduktion der MSE-Fehltage (größte Diagnosegruppe)
SchichtarbeitVorwärtsrotation, max. 3 Nachtschichten in Folge, ausreichende RuhezeitenWeniger Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Risiken
Psychische GesundheitFührungskräfteschulung, Mitarbeiterbefragungen, anonyme Beratung (EAP)Frühintervention bei der teuersten Diagnosegruppe
VerletzungspräventionSicherheitsschulungen, PSA-Programme, Near-Miss-ReportingReduktion der dritten großen Diagnosegruppe
Ältere BeschäftigteAltersgerechte Arbeitsplätze, Laufbahnmodelle, Wechsel von Schicht- in TagarbeitDemografiefeste Personalpolitik
Rückkehr (BEM)Strukturiertes Eingliederungsmanagement, angepasste TätigkeitenVermeidung von Langzeit-AU und Frühverrentung

Ergonomische Arbeitsplätze, Hebehilfen und Exoskelette reduzieren die Belastung bei Muskel-Skelett-Erkrankungen. Vorwärtsrotation bei Schichtarbeit (Früh → Spät → Nacht), maximal drei Nachtschichten in Folge und ausreichende Ruhezeiten senken Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Risiken.

Führungskräfteschulung, Mitarbeiterbefragungen und anonyme Beratung (Employee Assistance Program, EAP) ermöglichen Frühintervention bei psychischen Erkrankungen.

Steuerliche Förderung: 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr steuerfrei

Arbeitgeber können gemäß § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro Arbeitnehmer und Jahr steuerfrei für Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung aufwenden. Darunter fallen Rückenkurse, Stressbewältigung, Suchtprävention und Ernährungskurse.

Diese Freibetragsregelung ist für Metallbetriebe ein konkreter Anreiz, in Prävention zu investieren.

Prognose: Wie wird sich der Krankenstand in der Metallbranche entwickeln?

Der Krankenstand dürfte 2026 auf dem erhöhten Plateau verharren. Die TK meldet für 2025 zwar einen leichten Rückgang auf 18,6 Fehltage (2024: 19,1), und auch der BKK-Wert sank minimal auf 5,83%. Von einer Trendwende zu sprechen, ist aber verfrüht.

Der BKK Dachverband selbst warnt: „Der Rückgang von 0,07 Prozentpunkten ist zu gering, um von einer Trendwende sprechen zu können.“

Der DAK-Vorstandschef Storm fordert einen „Krankenstands-Gipfel beim Kanzler“, um das Thema strukturell anzugehen. Das zeigt, wie ernst die Lage ist.

Mittelfristig (2027–2030): Gegenläufige Trends

Mehrere gegenläufige Trends werden den Krankenstand bestimmen.

Aufwärtstreiber sind der demografische Wandel (immer mehr ältere Beschäftigte mit höherem Krankheitsrisiko), weiter steigende psychische Erkrankungen (+6,9% pro Jahr zuletzt), der Klimawandel (der TK-Gesundheitsreport 2025 belegt, dass an Hitzetagen bestimmte Diagnosen mehr als doppelt so häufig auftreten wie saisonal erwartet; 77% der Outdoor-Beschäftigten, darunter viele Metallbauer, spüren Auswirkungen) und der Fachkräftemangel, der zu Verdichtung bei verbleibenden Beschäftigten führt.

Abwärtstreiber sind die Normalisierung des „eAU-Effekts“ (die statistische Verzerrung schwindet mit der Zeit), steigende Automatisierung und Digitalisierung, die körperliche Belastungen senken, zunehmende BGM-Investitionen durch steigenden wirtschaftlichen Druck und mögliche politische Maßnahmen (Teilkrankschreibung, wie von der DAK gefordert).

Strukturelle Besonderheit der Metallbranche in 2026

Die M+E-Industrie befindet sich in der schwersten Krise seit Gründung der Bundesrepublik, mit massivem Personalabbau, Kurzarbeit und sinkender Auslastung (78% Anfang 2026). Paradoxerweise könnte der Beschäftigungsabbau den statistischen Krankenstand kurzfristig senken:

Wenn vor allem ältere oder gesundheitlich belastete Beschäftigte das Unternehmen verlassen (Sozialauswahl, Frühverrentung), sinkt der rechnerische Krankenstand der verbleibenden Belegschaft.

Das Handelsblatt berichtet von einem solchen Trend bei Dax-Konzernen: Der Krankenstand sinkt leicht, „dahinter steckt aber keine gute Nachricht“. Die Zahlen täuschen, wenn die gesündesten Beschäftigten übrig bleiben, weil die kranken schon weg sind.

Patrick Steeger

bKV-Experte

Über den Autor

Ich bin Patrick, Geschäftsführer von bKVfirmenservice.de. Seit 2015 beschäftige ich mich mit der betrieblichen Krankenversicherung – erst neun Jahre als Geschäftsführer in einem Versicherungskonzern, seit 2024 als unabhängiger Berater. Gemeinsam mit meinem Team unterstütze ich KMUs und Konzerne bei Benefits wie bAV, bKV und Gesundheitsbudgets. Mit diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und zeige, wie Unternehmen Arbeitswelten schaffen, in denen Menschen gerne bleiben.
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