Die Fehlzeitenquote ist die Kennzahl, mit der sich Ausfälle über Abteilungen und Jahre hinweg vergleichen lassen. Sie braucht dafür zwei Zahlen aus Ihrer Zeiterfassung, und sie sagt mehr aus als die reine Zahl der Krankmeldungen.
Wie berechnen Sie die Fehlzeitenquote in Ihrem Unternehmen?
Sie setzen die krankheitsbedingten Ausfalltage ins Verhältnis zu den Tagen, an denen gearbeitet worden wäre.
Fehlzeitenquote = Ausfalltage ÷ Sollarbeitstage × 100Sollarbeitstage sind die geplanten Arbeitstage ohne Urlaub und Feiertage. Bei einer Fünftagewoche mit 30 Urlaubstagen bleiben rund 220 Tage im Jahr. Bei 23 Fehltagen je Kopf ergibt das eine Quote von 10,5 Prozent.
Urlaub, Elternzeit und unbezahlte Freistellung gehören nicht in den Zähler. Wer sie mitrechnet, misst die Abwesenheitsquote und erhält einen Wert, der sich mit keiner Statistik vergleichen lässt.
Wie hoch ist der Krankenstand im Branchenvergleich?
Der Krankenstand der AOK lag im Jahr 2024 bei 6,5 Prozent, ein Zehntelpunkt unter dem Vorjahr. In Tagen ausgedrückt waren das 23,9 Arbeitsunfähigkeitstage je Mitglied, im Jahr 2025 dann 23,3 Tage. Nach Branchen fällt der Wert für 2024 deutlich auseinander:
- Gesundheits- und Sozialwesen: 7,4 Prozent
- Energie, Wasser, Entsorgung und Bergbau: 7,3 Prozent
- Verarbeitendes Gewerbe: 7,3 Prozent
- Öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung: 7,3 Prozent
- Verkehr und Transport: 7,1 Prozent
- Metallindustrie: 6,9 Prozent
- Banken und Versicherungen: 4,5 Prozent
Auch regional gehen die Werte auseinander. Sachsen-Anhalt lag im Jahr 2024 bei 7,7 Prozent, Nordrhein-Westfalen bei 7,0 Prozent, Berlin mit 5,8 Prozent am niedrigsten.
Der Krankenstand der Kassen rechnet auf Kalendertage, Ihre betriebliche Quote rechnet auf Sollarbeitstage. Deshalb liegt Ihr Wert bei gleicher Ausfallzeit höher. Vergleichen Sie über die Zahl der Fehltage je Kopf, dann stimmen beide Seiten überein.
Was bedeutet die Fehlzeitenquote für Ihre Personalplanung?
Teilen Sie die Ausfalltage durch die Sollarbeitstage, erhalten Sie den Ausfall in Vollzeitkräften. Bei 50 Beschäftigten und 23 Fehltagen je Kopf fehlen rechnerisch dauerhaft gut fünf Vollzeitstellen. Diese Zahl ist der ehrlichere Planungswert, weil sie sich direkt gegen Ihre Schichtbesetzung halten lässt.
Ein Prozentpunkt Unterschied in der Quote entspricht bei 50 Beschäftigten und 220 Sollarbeitstagen 110 Ausfalltagen im Jahr. Das ist der Maßstab, an dem sich jede Maßnahme messen lassen muss.
Wie senken Unternehmen ihre Fehlzeitenquote dauerhaft?
Die kurzen Fälle bestimmen die Zahl der Krankmeldungen, die langen bestimmen die Quote. Über 40 Prozent aller Ausfalltage stammen aus Fällen über sechs Wochen, obwohl diese nur 3,3 Prozent der Meldungen ausmachen. Wer die Quote senken will, setzt deshalb bei den langen Fällen an.
Psychische Erkrankungen dauern mit durchschnittlich 28,5 Tagen je Fall am längsten. Früher Zugang zu Diagnostik und Therapie verkürzt genau diese Fälle, und dafür braucht es kurze Wartezeiten.
Woher stammen die Zahlen zum Krankenstand?
- AOK, Fehlzeiten-Bilanz 2025, veröffentlicht am 16. März 2026
- WIdO, Fehlzeiten-Report 2025 mit den Branchenwerten für 2024
- WIdO, Anteil der Langzeiterkrankungen an den Fehltagen
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024