Ein einzelner Krankheitstag fällt im Alltag kaum auf. Über ein Jahr summieren sich die Tage zu einer Zahl, die viele Geschäftsführer beim ersten Blick überrascht. Der Rechner zeigt das Volumen, die Kosten und den Abstand zum Bundesschnitt.
Wie viele Krankheitstage sind je Beschäftigten normal?
Die Antwort hängt davon ab, wer zählt. Jede Krankenkasse wertet ihren eigenen Versichertenbestand aus, und der unterscheidet sich in Alter, Beruf und Branche. Diese vier Werte bilden den aktuellen Rahmen:
- AOK, Auswertung für 2025: 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage je Beschäftigten, nach 23,9 Tagen im Jahr 2024
- BKK, Auswertung für 2025: 22,3 Fehltage je Beschäftigten
- DAK, Auswertung für 2025: 19,5 Kalendertage je Beschäftigten
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2024: 20,8 Ausfalltage je Beschäftigten über alle Kassen
In Summe kamen im Jahr 2024 bundesweit 881,5 Millionen Ausfalltage zusammen. Der Krankenstand der AOK lag bei 6,5 Prozent, ein Zehntelpunkt unter dem Vorjahr. Seit 2022 hält sich das Niveau, ein Rückgang auf die Werte vor der Pandemie ist bisher ausgeblieben.
Ein Teil des Anstiegs seit 2022 geht auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurück. Seitdem erreicht jede Krankmeldung die Kasse automatisch, auch die kurzen. Vorher blieb mancher gelbe Schein in der Schublade liegen.
Was kostet ein Krankheitstag den Arbeitgeber?
Der direkte Teil lässt sich aus dem Gehalt ableiten. Sie teilen das Jahresgehalt durch die Arbeitstage und rechnen den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung hinzu.
Kosten je Krankheitstag = Jahresgehalt ÷ 220 Arbeitstage × (1 + Arbeitgeberanteil)Für 2026 liegt der Arbeitgeberanteil bei rund 21,2 Prozent. Darin stecken 7,3 Prozent Krankenversicherung und die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 2,9 Prozent. Dazu kommen 9,3 Prozent Rentenversicherung, 1,3 Prozent Arbeitslosenversicherung und 1,8 Prozent Pflegeversicherung.
Bei 48.000 Euro Jahresgehalt sind das rund 264 Euro je Ausfalltag. Bundesweit summierte sich die Entgeltfortzahlung im Jahr 2024 auf 82 Milliarden Euro, davon 69,1 Milliarden Euro Gehalt und 13,0 Milliarden Euro Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat die Summe aus dem Sozialbudget abgeleitet. Binnen drei Jahren ist sie um zehn Milliarden Euro gestiegen.
Dazu kommt, was liegen bleibt. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beziffert den Produktionsausfall für 2024 auf 134 Milliarden Euro, den Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 227 Milliarden Euro. Auf den einzelnen Ausfalltag gerechnet sind das 152 Euro Produktionsausfall und 257 Euro Wertschöpfung.
Warum wiegen Langzeitfälle beim Krankenstand so schwer?
Nur 3,3 Prozent aller Krankmeldungen dauern länger als sechs Wochen. Auf diese wenigen Fälle entfallen über 40 Prozent aller Ausfalltage. Psychische Erkrankungen führen dabei die Statistik der Falldauer an, mit durchschnittlich 28,5 Arbeitsunfähigkeitstagen je Fall.
Für Ihre Kalkulation heißt das zweierlei. Die Entgeltfortzahlung endet nach sechs Wochen je Krankheitsfall, danach übernimmt die Kasse mit dem niedrigeren Krankengeld. Die Lücke im Team bleibt trotzdem bestehen, oft über Monate. Der Rechner weist die Langzeittage deshalb getrennt aus.
Betriebe mit bis zu 30 Beschäftigten nehmen am Ausgleichsverfahren U1 teil und bekommen einen Teil der Entgeltfortzahlung erstattet, je nach Kasse und gewähltem Satz zwischen 40 und 80 Prozent. Prüfen Sie bei jedem längeren Fall, ob der Erstattungsantrag gestellt wurde.
Wie senken Betriebe die Zahl ihrer Krankheitstage?
Atemwegsinfekte stehen hinter 36 Prozent aller Krankmeldungen und damit hinter der Masse der kurzen Fälle. Die langen Fälle kommen aus einer anderen Ecke: psychische Erkrankungen und Beschwerden am Bewegungsapparat. Beide reagieren stark darauf, wie früh jemand behandelt wird.
Genau an dieser Stelle wirkt eine betriebliche Krankenversicherung. Schnelle Facharzttermine und telemedizinischer Zugang verkürzen die Wartezeit vor der Behandlung, Vorsorgeuntersuchungen holen Beschwerden früher ans Licht.
Woher stammen die Zahlen zu Krankheitstagen?
- AOK, Fehlzeiten-Bilanz 2025, veröffentlicht am 16. März 2026
- WIdO, Fehlzeiten-Report 2025 mit den Auswertungen für 2024
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024
- Institut der deutschen Wirtschaft, Entgeltfortzahlung bei Krankheit 2024