Patrick Steeger

Ich kenne den bKV-Markt seit über 12 Jahren und weiß genau, worauf es ankommt. Die größten Fehler passieren bei der Tarifwahl. Lassen Sie uns das richtig angehen.

Patrick Steeger bKV-Experte Zum bKV-Tarifvergleich

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Mitarbeiter binden?
Mit einer bKV? Easy.

Außerdem sparen Sie eine Menge Steuern & rennen der Konkurrenz davon. Besser geht’s nicht.

.Patrick Steeger

Bild zeigt Patrick Steeger, Geschäftsführer vom bKV Firmenservice
zuletzt aktualisiert: 26. März 2026

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Wie bewerte ich einen bKV-Tarif richtig?

Der bKV-Markt ist explodiert. Über 40 Anbieter mit mehr als 250 Tarifen kämpfen um Ihre Aufmerksamkeit.

Ende 2025 hatten 60.600 Unternehmen eine betriebliche Krankenversicherung eingeführt, zehn Jahre zuvor waren es gerade mal 3.848. Fast 3 Millionen Beschäftigte sind mittlerweile versichert.

Nur auf den Monatsbeitrag zu schauen, reicht längst nicht mehr. Versteckte Limits, Beitragsexplosionen oder komplizierte Verwaltung können Sie teuer zu stehen kommen.

Auf was muss man als Unternehmen bei einer bKV achten?

Sie wollen Ihre Mitarbeiter binden, Fehlzeiten senken und im Wettbewerb um Fachkräfte punkten.

Gleichzeitig müssen Sie steuerliche Grenzen einhalten, den Verwaltungsaufwand im Griff behalten und sicherstellen, dass der Tarif langfristig bezahlbar bleibt. Ein Fehler bei der Tarifwahl kostet Sie nicht nur Geld, sondern auch Vertrauen bei Ihren Mitarbeitern.

Budgettarif, Baustein oder Kombi bestimmen die Grundstruktur

Bevor Sie einzelne Anbieter vergleichen, müssen Sie das Tarifmodell verstehen. Am Markt gibt es drei Varianten, die völlig unterschiedlich funktionieren.

Beim Budgetmodell legen Sie ein Jahresbudget fest (zwischen 300 und 1.500 Euro), Ihre Mitarbeiter nutzen es frei für Gesundheitsleistungen. 54 Prozent der Versicherungsmakler glauben, dass sich Budgettarife langfristig durchsetzen werden. Die Nutzungsquote liegt deutlich höher als bei starren Tarifen, und nur genutzte Benefits binden Mitarbeiter wirklich.

Beim Bausteinmodell stellen Sie die bKV aus einzelnen Modulen zusammen. Zahnersatz, Sehhilfen, Krankenhaus oder Heilpraktiker stehen als separate Bausteine zur Verfügung. Jeder Baustein funktioniert für sich, die Inanspruchnahme eines Bausteins hat keine Auswirkung auf andere. Mehr Aufwand für Sie, aber gezielter Schutz.

Das Kombimodell verbindet Budget als Basis mit einzelnen Bausteinen als Ergänzung. Hat Ihr Budgettarif ein Sublimit bei Zahnersatz, schließt ein Zahnbaustein die Lücke. Die Praxis zeigt: Das Kombimodell liefert das stärkste Gesamtpaket. Budget für die Flexibilität, Zahnbaustein für die teuren Fälle.

Vorsorge im Budget oder zusätzlich macht mehrere hundert Euro Unterschied

Ein Detail, das viele übersehen und das Sie mehrere hundert Euro pro Mitarbeiter kosten kann. Bei manchen Tarifen belasten Vorsorgeuntersuchungen das Budget, bei anderen laufen sie zusätzlich.

  • Modell A funktioniert so: Ihr Mitarbeiter hat 600 Euro Budget. Geht er zur Vorsorgeuntersuchung (200 Euro), bleiben nur noch 400 Euro für Brille, Physiotherapie und Medikamente übrig.
  • Modell B funktioniert anders: Ihr Mitarbeiter hat 600 Euro Budget. Vorsorgeuntersuchungen kommen obendrauf. Die 600 Euro bleiben voll für andere Leistungen erhalten.

Letzte Woche saß mir ein Geschäftsführer aus der Metallverarbeitung gegenüber.

Er hatte einen 600-Euro-Budgettarif abgeschlossen und war enttäuscht, dass seine Mitarbeiter nur noch 450 Euro für Brillen und Physiotherapie hatten. Der Grund: Vorsorgeuntersuchungen hatten bereits 150 Euro vom Budget aufgefressen. Bei Modell B wären die vollen 600 Euro erhalten geblieben.

Fragen Sie beim Anbieter direkt nach: Laufen Vorsorgeuntersuchungen on top oder belasten sie das Budget? Das kann bei einem 600-Euro-Budget einen Mehrwert von 200 bis 300 Euro ausmachen.

50-Euro-Grenze ist eine harte Steuergrenze ohne Spielraum

Die Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro pro Monat (§ 8 Absatz 2 Satz 11 EStG) ist steuer- und sozialabgabenfrei.

Aber Vorsicht: Das ist eine harte Freigrenze ohne Toleranz. Überschreiten Sie sie auch nur um einen Cent, wird der gesamte Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Sie haben zwei alternative Modelle, wenn die 50-Euro-Grenze nicht reicht:

  • Bei der Pauschalversteuerung (§ 37b oder § 40 EStG) übernehmen Sie als Arbeitgeber die pauschale Steuer, Ihre Mitarbeiter haben keine steuerlichen Nachteile, aber Sie zahlen mehr.
  • Bei der Nettolohnversteuerung erhöhen Sie das Bruttogehalt um den bKV-Beitrag inklusive aller Abgaben und ziehen den bKV-Beitrag dann wieder ab, das Nettogehalt bleibt unverändert.

Planen Sie immer eine Pufferzone zur 50-Euro-Grenze ein.

Wählen Sie Tarife mit 40 bis 45 Euro Beitrag, nicht mit 49,50 Euro. Warum? Weil Beitragserhöhungen jederzeit kommen können und Sie sonst unvorbereitet über die Grenze rutschen.

Beitragserhöhungen können Unternehmen hart treffen

Die Beitragsstabilität entscheidet, ob Ihr Tarif in fünf Jahren noch bezahlbar ist. Die jüngsten Marktentwicklungen zeigen deutlich, dass Beitragserhöhungen ein reales Risiko darstellen.

Zwei aktuelle Beispiele aus dem Jahr 2026 sollten Sie kennen: Gothaer erhöhte zum 01.01.2026 die Beiträge für die Budgettarife FlexSelect Premium und FlexSelect XL um bis zu 50 Prozent. Die Tarife waren nicht kostendeckend kalkulierbar. Offene Budgettarife ohne Sublimits hatten ein erhöhtes Risikoprofil durch überdurchschnittliche Inanspruchnahme.

Auch die R+V hatte in der Vergangenheit Beitragserhöhungen von über 100 Prozent verzeichnet. Zum 01.01.2026 wurde der Beitrag für den PROFIL-Tarif erneut angehoben, von 13,31 Euro auf 15,25 Euro pro Monat.

Sie sollten die historischen Beitragsanpassungen der letzten drei bis fünf Jahre prüfen.

Fragen Sie den Anbieter direkt: Wie oft und wie stark wurden Beiträge erhöht? Bestehen Sie auf ein außerordentliches Kündigungsrecht bei Beitragsanpassungen. Behalten Sie die 50-Euro-Grenze im Blick, denn eine Erhöhung von 48 auf 52 Euro macht plötzlich den gesamten Betrag steuerpflichtig.

Sublimits deckeln Leistungen trotz vollem Budget

Eines der am häufigsten unterschätzten Risiken in Budgettarifen sind Sublimits. Das sind Obergrenzen für bestimmte Leistungsbereiche innerhalb des Gesamtbudgets.

Ein Mitarbeiter hat ein Jahresbudget von 600 Euro. Laut Tarif können davon jedoch höchstens 180 Euro für Zahnreinigungen und 300 Euro für Sehhilfen genutzt werden. Selbst wenn das restliche Budget vorhanden wäre, ist die Nutzung für diese Bereiche gedeckelt.

Sie sollten vier Fragen stellen, bevor Sie einen Budgettarif abschließen:

  • Gibt es überhaupt Sublimits? Manche Anbieter wie DKV verzichten im Budgettarif vollständig darauf.
  • Welche Bereiche sind betroffen? Zahn und Sehhilfen werden am häufigsten begrenzt.
  • Wie hoch sind die Obergrenzen im Verhältnis zum Gesamtbudget? 180 Euro Sehhilfen-Limit bei 1.500 Euro Budget ist restriktiv.
  • Kann ein Zahnbaustein als Ergänzung hinzugebucht werden? Das Kombimodell schließt die Lücke.

Sublimits sind nicht per se schlecht. Sie stabilisieren die Beiträge, weil die Versicherer das Kostenrisiko besser kalkulieren können. Aber Sie müssen wissen, dass sie da sind.

Und Sie müssen prüfen, ob ein Kombimodell die Lösung ist.

Digitalisierung entscheidet über Verwaltungsaufwand und Nutzung

Für Sie als Geschäftsführung oder HR ist dies oft der praktisch entscheidende Faktor. Eine zeitgemäße bKV muss nahezu automatisiert laufen. Sonst frisst die Verwaltung Zeit und Ihre Mitarbeiter nutzen das Benefit nicht.

Eine moderne bKV-Plattform sollte folgende Anforderungen erfüllen:

  • Onboarding neuer Mitarbeiter per Excel-Upload oder API-Schnittstelle zur Lohnbuchhaltung, kein manuelles Ausfüllen von Formularen
  • Offboarding ausgeschiedener Mitarbeiter per digitaler Abmeldung in wenigen Klicks, SIGNAL IDUNA schafft das in 3 Klicks
  • Rechnungseinreichung per Foto-Upload in der App, kein Papierweg erforderlich
  • Erstattungsgeschwindigkeit zwischen 24 und 48 Stunden ist optimal, akzeptabel bis 1 Woche, kritisch über 3 Wochen
  • Budget-Transparenz für Mitarbeiter mit Echtzeit-Restbudget in der App, Ihre Mitarbeiter müssen jederzeit sehen können, wie viel Budget noch da ist
  • Datenschutz gewährleistet, dass Gesundheitsdaten nicht zum Arbeitgeber fließen, rechtlich notwendig, aber nicht alle Anbieter setzen das sauber um
  • Arbeitgeberportal mit Übersicht über Beiträge, Vertragsmanagement und Reports, Sie wollen auf einen Blick sehen, was läuft

Gestern saß mir ein Geschäftsführer gegenüber, dessen Unternehmen mit 120 Mitarbeitern einen Anbieter gewählt hatte, bei dem jede Rechnung per Post eingereicht werden musste. Die Mitarbeiter haben das Benefit kaum genutzt, weil es zu umständlich war. Nach dem Wechsel zu einem digitalen Anbieter stieg die Nutzungsquote von 15 Prozent auf 75 Prozent.

Portabilität beim Arbeitgeberwechsel wird oft vergessen

Ein häufig vernachlässigter Aspekt, für Ihre Mitarbeiter aber hochrelevant. Mit dem Ende der Betriebszugehörigkeit endet grundsätzlich auch die bKV-Mitgliedschaft.

Gerade für ältere Mitarbeiter oder solche mit Vorerkrankungen kann das ein Problem werden.

Der goldene Prüfpunkt lautet: Bietet der Anbieter die Möglichkeit, den Versicherungsschutz nach dem Ausscheiden ohne erneute Gesundheitsprüfung in einem vergleichbaren Tarif selbstfinanziert fortzuführen?

Sie sollten fünf Aspekte prüfen, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben:

  • Weiterversicherungsrecht vorhanden oder nicht, und wenn ja in welchem Tarif, leistungsgleich oder schlechter
  • Antragsfrist meist 2 Monate nach Ausscheiden, Gothaer und SIGNAL IDUNA gewähren beide 2 Monate
  • Gesundheitsprüfung bei Weiterversicherung notwendig oder nicht, ohne erneute Prüfung ist ein starker Vorteil gerade für Mitarbeiter mit Vorerkrankungen
  • Beitragshöhe nach Wechsel orientiert sich am Alter bei Wechsel, Früheinsteiger profitieren langfristig
  • Ruhestand ermöglicht Übertragung des Tarifs in die eigenfinanzierte Rentenversicherung oder nicht

Der PKV-Verband empfiehlt ausdrücklich, diesen Punkt vor Vertragsabschluss zu klären: „Da der Arbeitgeber die Versicherung nur für die Dauer der Betriebszugehörigkeit finanziert, ist es für die Versicherten ratsam, vor Vertragsabschluss darauf zu achten, dass der Anbieter diese Option vorsieht.“

Versorgungsordnung schützt vor arbeitsrechtlichen Risiken

Ohne Versorgungsordnung drohen arbeitsrechtliche Risiken. Betriebliche Übung und Gleichbehandlungsgebot können Sie in die Bredouille bringen. Stellen Sie selektiv nur bestimmten Mitarbeitern eine bKV zur Verfügung, muss dies durch sachliche Kriterien gerechtfertigt sein.

Die obligatorische bKV (alle Mitarbeiter, Arbeitgeber trägt Kosten) ist deutlich wirkungsvoller als die fakultative. Letztere wird selten als attraktiver Benefit wahrgenommen.

Manche Branchen haben es schwer: Zahnarztpraxen, Apotheken, Pharmaunternehmen und Sicherheitsdienstleister werden von vielen Versicherern nicht oder nur mit Einschränkungen angenommen. Fragen Sie das vorab, bevor Sie Zeit in die Tarifauswahl investieren.

Welche Leistungen sind bei einer bKV wichtig?

Eine Studie von g/d/p aus dem Jahr 2022 zeigt, welche Leistungsbereiche Mitarbeitern am wichtigsten sind. 68,3 Prozent der befragten Arbeitnehmer würden eine bKV vom Arbeitgeber begrüßen (Civey, Januar 2026).

Diese sechs Bereiche sollten Sie prüfen.

Zahngesundheit steht ganz oben auf der Wunschliste

Zahnbehandlung, Zahnersatz und professionelle Zahnreinigung sind der wichtigste Leistungsbereich. Ein Implantat kostet schnell 2.820 Euro. Bei 70 Prozent Erstattung zahlt Ihr Mitarbeiter noch circa 846 Euro selbst.

Bei 90 Prozent nur noch circa 282 Euro. Bei 100 Prozent: null Euro.

Sie sollten bei Zahnleistungen folgende Prüfpunkte beachten:

  • Zahnbehandlung mit 100 Prozent für Füllungen, Wurzel- und Parodontalbehandlung ist optimal, alles darunter ist ein Kompromiss
  • Zahnersatz mit mindestens 70 bis 85 Prozent Erstattung anstreben, 90 Prozent ist sehr gut, die Erstattung gilt inklusive GKV-Vorleistung
  • Zahnstaffel prüfen, ob es eine Summenbegrenzung in den ersten Jahren gibt, keine Staffel ist besser, übliche Staffeln laufen vier bis sieben Jahre und begrenzen Zahnersatzkosten anfangs auf 500 oder 1.000 Euro
  • PZR mit zweimal jährlich und mindestens 60 bis 80 Euro je Reinigung, optimal sind 100 Euro oder mehr, SIGNAL IDUNA bietet bis zu 300 Euro

Ein Mitarbeiter mit schlechten Zähnen kostet Sie nichts, wenn er keine bKV hat.

Aber er fehlt öfter, ist unzufriedener und wechselt eher den Job. Ein Zahnbaustein für 18 bis 35 Euro pro Monat kann hier massiv gegensteuern.

Vorsorgeuntersuchungen senken langfristige Krankheitskosten

Vorsorgeuntersuchungen sind der zweitwichtigste Bereich. Erweiterte Ultraschall, Blutanalysen und Krebsfrüherkennung senken langfristig Krankheitskosten und Ausfallzeiten.

Der entscheidende Punkt lautet: Laufen Vorsorgeuntersuchungen on top oder belasten sie das Budget? On top ist erheblich besser. Hallesche FEELfree plus bietet zum Beispiel unbegrenzte Vorsorgeuntersuchungen on top zum Grundbudget.

Schutzimpfungen sollten ebenfalls abgedeckt sein. IGeL-Impfungen und Reiseimpfungen wie FSME, Hepatitis A plus B, Cholera, Gelbfieber, Tollwut, Typhus und Malariaprophylaxe sind besonders relevant für Außendienstmitarbeiter oder international tätige Teams.

Schneller Facharztterminservice spart Wartezeit und Frustration

Ein schneller Facharztterminservice ist für Ihre Mitarbeiter extrem wertvoll. Statt drei Monate auf einen Kardiologen-Termin zu warten, bekommen sie innerhalb weniger Tage einen Termin.

SIGNAL IDUNA bietet zum Beispiel einen 24/7-Facharztservice. Hallesche bietet Videosprechstunden. Allianz bietet einen Patientenbegleiter-Service im Krankenhaus-Baustein. Das kostet Sie keinen Cent extra, ist aber oft der Grund, warum Mitarbeiter die bKV wirklich schätzen.

Sehhilfen werden am häufigsten genutzt

Brillen und Kontaktlinsen sind neben Zahnreinigung die meistgenutzten Leistungen. Mindestens 150 bis 300 Euro alle zwei Jahre sollten drin sein. 450 Euro sind sehr gut, AXA FlexMed easy Premium bietet das.

LASIK-Operationen sollten ebenfalls abgedeckt sein. Diese werden in Premium-Tarifen erstattet, oft mit 100 Prozent bis zur Budgethöhe.

Achtung beim Sublimit: Viele Budgettarife deckeln Sehhilfen trotz hohem Gesamtbudget. Hallesche FEELfree begrenzt Sehhilfen auf 180 Euro pro Jahr, egal ob Sie ein 600-Euro-Budget oder ein 1.500-Euro-Budget haben.

Allianz MeineGesundheit bietet dagegen eine Sehhilfe-Extra-Option: ein separates Extrabudget in gleicher Höhe wie das Grundbudget, ausschließlich für Sehhilfen.

Arznei, Heil und Hilfsmittel reduzieren Zuzahlungen spürbar

Arznei-, Heil- und Hilfsmittel sind der fünftwichtigste Bereich. 100 Prozent Erstattung für verordnete Arzneimittel, Verbandsmittel, Heilmittel wie Physiotherapie und Ergotherapie, Hilfsmittel wie orthopädische Einlagen sowie alle Zuzahlungen nach Paragraph 61 SGB V sind optimal.

Heilpraktiker und Osteopathie sollten ebenfalls abgedeckt sein. Achtung: Manche Tarife erstatten Osteopathie nur beim Heilpraktiker, nicht beim Arzt. Prüfen Sie das vorab, wenn Ihre Mitarbeiter ärztliche Osteopathen bevorzugen.

Mentale Gesundheit wird immer wichtiger

Mentale Gesundheit mit Psychotherapie und Coachings wächst stark. Psychische Erkrankungen sind Hauptursache langer Ausfälle. Ambulante Psychotherapie sollte inkludiert sein.

Allianz VorsorgeExtra bietet zum Beispiel 100 Prozent Erstattung für dreimonatiges telefonisches Coaching bei psychischen Belastungen, bis zu 6 Sitzungen, zum Beispiel bei Burnout, Stress oder Erschöpfung. Continentale hat im November 2025 mentale Gesundheit und Pflege-Assistance kostenlos in alle Tarife integriert.

App-basierte Mental-Health-Angebote werden zunehmend entscheidend. Prüfen Sie, ob diese im Budget enthalten sind oder on top laufen.

BEST-System: 8 Kriterien für schnelle bKV-Tarifbewertung

Sie brauchen jetzt ein System, mit dem Sie jeden bKV-Tarif schnell und fundiert bewerten können.

Wie funktioniert das BEST-System?

Sie bewerten jeden Tarif anhand von acht Kriterien.

Jedes Kriterium hat eine Gewichtung zwischen 5 und 25 Prozent, je nachdem wie wichtig es für die Gesamtqualität ist. Sie vergeben Punkte und multiplizieren diese mit der Gewichtung. Am Ende addieren Sie alle gewichteten Punkte und rechnen das Ergebnis auf eine 100-Punkte-Skala um.

Für jedes Kriterium nutzen Sie eine Ampelbewertung:

  • 🟢 Grün bedeutet: Anforderung vollständig erfüllt, marktführend
  • 🟡 Gelb bedeutet: Einschränkungen vorhanden, aber akzeptabel
  • 🔴 Rot bedeutet: Kriterium nicht erfüllt oder erhebliche Risiken

Die folgende Tabelle zeigt Ihnen das vollständige Bewertungs-Framework. Sie sehen auf einen Blick, welche Kriterien wie stark gewichtet werden und welche Prüffragen Sie stellen sollten.

GewichtungPrüffragen
1. Tarifmodell & Flexibilität10 ProzentBudget, Baustein oder Kombi? Freie Kombination möglich? Budgetstufen ausreichend?
2. Leistungstiefe & Breite25 ProzentAlle 6 Top-Bereiche abgedeckt? Vorsorge on top? Mentale Gesundheit inkludiert?
3. Versteckte Limits15 ProzentSublimits vorhanden? Zahnstaffel aktiv? Ausschlüsse bei Osteopathie oder Vorerkrankungen?
4. Beitragsstabilität20 ProzentHistorische Erhöhungen geprüft? Tarif offen oder kalkulierbar? 50-Euro-Grenze sicher eingehalten?
5. Administration & Digitalisierung10 ProzentApp-Qualität gut? Erstattungsgeschwindigkeit schnell? Datenschutz gewährleistet?
6. Portabilität10 ProzentWeiterversicherung nach Ausscheiden möglich? Ohne Gesundheitsprüfung?
7. Steuerliche & rechtliche Qualität5 ProzentSachbezug korrekt strukturiert? Versorgungsordnung empfohlen oder bereitgestellt?
8. Unabhängige Testratings5 ProzentIVFP, DFSI/Focus Money, ServiceValue oder BaFin-Beschwerden berücksichtigt?

Das System ist bewusst so aufgebaut, dass Leistungstiefe und Beitragsstabilität zusammen 45 Prozent ausmachen. Das sind die beiden entscheidenden Faktoren für die langfristige Qualität einer bKV.

Beispiel: Allianz MeineGesundheit nach BEST-System bewertet

Jetzt wird es praktisch. Nehmen wir die Allianz MeineGesundheit als Beispiel. Die Allianz wurde 2025 von Focus Money zum besten bKV-Anbieter insgesamt gekürt und erhielt die Bestnote „Hervorragend“ für Budget- und Bausteintarife. Wie schneidet der Tarif im BEST-System ab?

Kriterium 1: Tarifmodell & Flexibilität

Die Allianz bietet alle drei Modelle: Budget (MeineGesundheit), Baustein (11 einzelne Bausteine) und Kombi. Die Budgetstufen reichen von 300 bis 1.500 Euro pro Jahr. Freie Kombination ist möglich. Sie können zum Beispiel MeineGesundheit 600 Euro mit Sehhilfe Extra und RundumZahn 70 kombinieren.

Bewertung: 🟢 Grün, vollständig flexibel, alle Modelle verfügbar

Punktzahl: 8,0 von 10 Punkten

Die Allianz verliert zwei Punkte, weil die Mindestanzahl von 5 Mitarbeitern für kleinere Unternehmen eine Hürde sein kann. Anbieter wie SDK zählen Familienangehörige zur Mindestanzahl, das ist kundenfreundlicher.

Kriterium 2: Leistungstiefe & Breite

Die Allianz deckt alle sechs wichtigsten Leistungsbereiche ab. Zahnbehandlung, Zahnersatz, PZR, Sehhilfen, LASIK, Heilpraktiker, Osteopathie, Vorsorgeuntersuchungen, Schutzimpfungen, mentale Gesundheit, stationäre Leistungen, Krankentagegeld und Auslandsreiseschutz sind verfügbar.

Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die Leistungen im Detail. Sie sehen auf einen Blick, wo die Allianz stark ist und wo Einschränkungen bestehen.

LeistungAllianz MeineGesundheitBewertung
Zahnbehandlung100 Prozent für Füllungen, Wurzel- und Parodontalbehandlung aus Budget🟢 Exzellent
Zahnersatz100 Prozent aus Budget ODER 70/90/100 Prozent außerhalb Budget mit RundumZahn-Bausteinen🟢 Marktführend
ZahnstaffelKeine Zahnstaffel vorhanden🟢 Optimal
PZR100 Prozent aus Budget, bei RundumZahn auch Bleaching bis 150 Euro in 2 Jahren🟢 Sehr gut
Sehhilfen75 Prozent aus Budget ODER Sehhilfe Extra (separates Extrabudget) ODER Sehhilfe 100 (100 Prozent Erstattung)🟢 Exzellent
LASIK100 Prozent aus Budget bis Budgethöhe🟢 Optimal
Heilpraktiker/Osteopathie100 Prozent aus Budget🟢 Sehr gut
VorsorgeuntersuchungenIm Budget enthalten, NICHT on top🟡 Einschränkung
SchutzimpfungenIm Budget enthalten, NICHT on top🟡 Einschränkung
Mentale GesundheitVorsorgeExtra mit 100 Prozent Coaching, bis 6 Sitzungen über 3 Monate🟢 Sehr gut
Stationäre LeistungenKrankenhaus-Baustein mit Chefarzt, 2-Bett, Patientenbegleiter für 21,98 Euro/Monat🟢 Exzellent
KrankentagegeldAb 7. Woche AU, 5 bis 25 Euro/Tag, Beitrag ab 4,05 Euro/Monat bei 5 Euro/Tag🟢 Gut
AuslandsreiseschutzReise-Baustein für 8 Wochen inkl. Rücktransport, nur 0,83 Euro/Monat🟢 Exzellent

Die Tabelle macht deutlich: Die Allianz ist in fast allen Bereichen sehr gut bis exzellent aufgestellt. Die einzige nennenswerte Einschränkung ist, dass Vorsorge und Impfungen das Budget belasten. Hallesche FEELfree plus bietet hier einen Vorteil, weil Vorsorge komplett on top läuft.

Bewertung: 🟢 Grün, alle Top-Bereiche abgedeckt, aber Vorsorge nicht on top

Punktzahl: 21,8 von 25 Punkten

Die Allianz verliert 3,2 Punkte, weil Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen das Budget belasten. Bei einem 600-Euro-Budget können Vorsorgeuntersuchungen schnell 150 bis 200 Euro kosten, das schmälert den verfügbaren Betrag für andere Leistungen erheblich.

Kriterium 3: Versteckte Limits

Die Allianz MeineGesundheit hat keine klassischen Sublimits mehr. Seit Februar 2025 wurden die alten Sublimit-Strukturen aufgehoben. Sehhilfen und Zahnleistungen können jetzt voll aus dem Budget genutzt werden, solange Budget vorhanden ist. Keine Zahnstaffel, keine Ausschlüsse bei Vorerkrankungen.

Bewertung: 🟢 Grün, keine relevanten Sublimits, keine Zahnstaffel, keine Ausschlüsse bei Vorerkrankungen

Punktzahl: 12,6 von 15 Punkten

Die Allianz verliert 2,4 Punkte, weil PKV-Versicherte bei GKV-pflichtigen Leistungen 40 Prozentpunkte weniger Erstattung erhalten. Ein PKV-Versicherter mit RundumZahn 70 erhält bei Füllungen nur 30 Prozent statt 70 Prozent. Bei Implantaten aber die vollen 70 Prozent, weil die GKV bei Implantaten keine Vorleistung erbringt.

Kriterium 4: Beitragsstabilität

Die Allianz hat in den letzten fünf Jahren keine dramatischen Beitragserhöhungen vorgenommen. Im Vergleich zu Gothaer (plus 50 Prozent in 2026) oder R+V (über 100 Prozent in der Vergangenheit) schneidet die Allianz deutlich besser ab.

Die Tarife sind offen kalkuliert (kein geschlossenes Kollektiv), aber die Kollektivgröße ist sehr groß, was die Risikodiversifikation verbessert. Je größer das Kollektiv, desto stabiler sind die Beiträge langfristig.

Bewertung: 🟡 Gelb, Beitragsstabilität gut, aber keine Garantie für die Zukunft

Punktzahl: 14,3 von 20 Punkten

Die Allianz verliert 5,7 Punkte, weil auch sie keine absolute Beitragsgarantie geben kann und weil die 50-Euro-Grenze bei höheren Kombinationen deutlich überschritten wird. MeineGesundheit 1.500 Euro plus RundumZahn 90 kostet 70,70 Euro pro Monat, das liegt 20,70 Euro über der Sachbezugsfreigrenze.

Kriterium 5: Administration & Digitalisierung

Die Allianz bietet eine moderne digitale Plattform. Onboarding per Excel-Upload oder API-Schnittstelle, Offboarding in wenigen Klicks, Rechnungseinreichung per Foto-Upload in der App, Erstattungsgeschwindigkeit 24 bis 48 Stunden, Echtzeit-Restbudget in der App sichtbar, Gesundheitsdaten fließen nicht zum Arbeitgeber, Arbeitgeberportal mit Übersicht über Beiträge und Vertragsmanagement.

Bewertung: 🟢 Grün, vollständig digitalisiert, schnelle Erstattung, transparente Plattform

Punktzahl: 8,0 von 10 Punkten

Die Allianz verliert zwei Punkte, weil die App-Bewertungen in den Stores nicht durchgehend exzellent sind und weil manche Nutzer längere Wartezeiten beim Kundenservice berichten.

Kriterium 6: Portabilität

Die Allianz bietet ein Weiterversicherungsrecht nach Ausscheiden. Mitarbeiter können den Schutz ohne erneute Gesundheitsprüfung in einem vergleichbaren Tarif selbstfinanziert fortführen. Die Antragsfrist beträgt in der Regel 2 Monate nach Ausscheiden.

Bewertung: 🟡 Gelb, Weiterversicherung möglich, aber nicht in allen Details optimal

Punktzahl: 6,0 von 10 Punkten

Die Allianz verliert vier Punkte, weil die Beitragshöhe nach dem Wechsel deutlich steigen kann (Orientierung am Alter bei Wechsel) und weil nicht alle Bausteine nahtlos in die Privatversicherung übertragbar sind.

Kriterium 7: Steuerliche & rechtliche Qualität

Die Allianz strukturiert den Sachbezug korrekt nach Paragraph 8 Absatz 2 Satz 11 EStG. Alle Beiträge können alternativ pauschalversteuert werden (Paragraph 37b oder Paragraph 40 EStG). Die Allianz stellt Mustervorlagen für Versorgungsordnungen bereit und weist auf Gleichbehandlungsgrundsätze hin.

Bewertung: 🟢 Grün, steuerlich sauber strukturiert, rechtliche Unterstützung vorhanden

Punktzahl: 4,8 von 5 Punkten

Die Allianz verliert 0,2 Punkte, weil die Versorgungsordnung nicht automatisch mitgeliefert wird, sondern aktiv angefordert werden muss.

Kriterium 8: Unabhängige Testratings

Die Allianz erhielt in den letzten Jahren mehrere Auszeichnungen. IVFP 2024 vergab die Gesamtnote „Exzellent“ in allen vier Teilbereichen (Beratung, Vertragsgestaltung, Service & Verwaltung, Produktportfolio). Focus Money 2025 vergab die Bestnote „Hervorragend“ für Budget- und Bausteintarife sowie die Auszeichnung als bester bKV-Anbieter insgesamt. In 7 von 8 Segmenten der Gesundheitsservices ebenfalls „Hervorragend“. Focus Money 2023 vergab zum sechsten Mal in Folge „Hervorragend“ bei Bausteinen, Gesamtplatz 1 geteilt mit HanseMerkur.

ServiceValue Fairness-Test 2023 brachte keine Top-Platzierung, 11 Anbieter erhielten „sehr gut“ oder „gut“. BaFin-Beschwerdestatistik zeigt keine auffälligen Werte, faire Beschwerdequote pro 100.000 Verträge.

Bewertung: 🟢 Grün, mehrfach ausgezeichnet, aber nicht in allen Tests Spitzenreiter

Punktzahl: 3,0 von 5 Punkten

Die Allianz verliert zwei Punkte, weil sie im ServiceValue-Test nicht zur Spitzengruppe gehörte und weil die BaFin-Beschwerdestatistik nicht öffentlich im Detail kommuniziert wird.

Gesamtbewertung Allianz MeineGesundheit nach BEST-System

Die folgende Tabelle fasst alle acht Kriterien mit ihren Bewertungen, Punktzahlen und Ampeln zusammen. Sie sehen auf einen Blick, wie die Allianz MeineGesundheit im BEST-System abschneidet.

GewichtungPunktzahlGewichtete PunkteAmpel
1. Tarifmodell & Flexibilität10%8,0/100,80🟢
2. Leistungstiefe & Breite25%21,8/255,45🟢
3. Versteckte Limits15%12,6/151,89🟢
4. Beitragsstabilität20%14,3/202,86🟡
5. Administration & Digitalisierung10%8,0/100,80🟢
6. Portabilität10%6,0/100,60🟡
7. Steuerliche & rechtliche Qualität5%4,8/50,24🟢
8. Unabhängige Testratings5%3,0/50,15🟢
GESAMT100%12,79 von 16,00🟢

Die Gesamtpunktzahl berechnet sich so: Sie addieren alle gewichteten Punkte (0,80 plus 5,45 plus 1,89 plus 2,86 plus 0,80 plus 0,60 plus 0,24 plus 0,15 gleich 12,79).

Die maximale Punktzahl wären 16,00 (alle Kriterien mit voller Punktzahl). Umgerechnet auf eine 100-Punkte-Skala ergibt das: 12,79 / 16,00 × 100 gleich 79,9 Prozent, aufgerundet 78,5 Punkte.

Gesamtbewertung: 🟢 Grün, empfehlenswert mit kleineren Einschränkungen

Die Allianz MeineGesundheit ist ein solider, leistungsstarker Tarif mit exzellenter Digitalisierung und breiter Leistungspalette. Die größten Schwächen liegen in der fehlenden On-Top-Vorsorge (Kriterium 2) und in der Portabilität nach Ausscheiden (Kriterium 6).

Fazit: Nur genutzte Benefits binden Mitarbeiter, und dafür brauchen Sie den richtigen Tarif

Sie haben jetzt ein praktisches System an der Hand, mit dem Sie jeden bKV-Tarif fundiert bewerten können. Das BEST-System zeigt Ihnen auf einen Blick, wo ein Tarif stark ist und wo Schwächen liegen.

Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten:

  • Kombimodell schlägt reine Budget- oder Bausteintarife: Budget für Flexibilität, Zahnbaustein für die teuren Fälle
  • Vorsorge on top macht aus einem 600-Euro-Budget faktisch 800 bis 900 Euro Wert
  • 50-Euro-Grenze ohne Puffer ist riskant: Wählen Sie 40 bis 45 Euro Beitrag, nicht 49,50 Euro
  • Beitragserhöhungen kommen: Gothaer plus 50 Prozent, R+V über 100 Prozent, prüfen Sie die Historie
  • Sublimits verstecken sich: 600 Euro Budget, aber nur 180 Euro für Sehhilfen nutzbar
  • Digitalisierung entscheidet: App-Einreichung in 24 Stunden bringt 75 Prozent Nutzung, Papierweg nur 15 Prozent
  • Portabilität schützt langjährige Mitarbeiter: Weiterversicherung ohne Gesundheitsprüfung ist wertvoll

Wenn Sie unsicher sind, welcher Tarif für Ihr Unternehmen passt, lassen Sie uns gemeinsam schauen. Ein unverbindliches Gespräch kostet Sie nichts, aber es kann Sie vor teuren Fehlentscheidungen bewahren.

Patrick Steeger

bKV-Experte

Über den Autor

Ich bin Patrick, Geschäftsführer von bKVfirmenservice.de. Seit 2015 beschäftige ich mich mit der betrieblichen Krankenversicherung – erst neun Jahre als Geschäftsführer in einem Versicherungskonzern, seit 2024 als unabhängiger Berater. Gemeinsam mit meinem Team unterstütze ich KMUs und Konzerne bei Benefits wie bAV, bKV und Gesundheitsbudgets. Mit diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und zeige, wie Unternehmen Arbeitswelten schaffen, in denen Menschen gerne bleiben.
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