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Wie steht es um den Fachkräftemangel im Handwerk?

Alles, was Geschäftsführer über die bKV wissen müssen, einfach erklärt.

Patrick Steeger
Geschäftsführer & Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Zuletzt aktualisiert
24. April 2026
Lesezeit
5 Min.
bKV-Berater Patrick Steeger als Autor des Ratgebers zur Mitarbeitergesundheit

Jeder dritte Handwerksberuf gilt heute als Engpassberuf.

Offene Stellen bleiben im Schnitt über sieben Monate unbesetzt – doppelt so lang wie noch vor zehn Jahren. Und das, obwohl die Gesamtwirtschaft in Deutschland seit 2015 rund vier Millionen neue sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen hat.

Im Handwerk hat die Zahl gleichzeitig abgenommen.

Was hinter diesen Zahlen steckt, zeige ich Ihnen hier.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rund 200.000 bis 250.000 Stellen bleiben im Handwerk aktuell unbesetzt
  • Handwerksstellen brauchen im Schnitt 224 Tage zur Besetzung – gegenüber 104 Tagen noch in 2015
  • Jeder dritte Handwerksberuf ist ein Engpassberuf (Bundesagentur für Arbeit)
  • Über 19.000 Lehrstellen fanden in 2024 keine Bewerber
  • In den nächsten fünf Jahren steht bei 125.000 Betrieben ein Generationswechsel an

Wie viele Handwerksunternehmen gibt es in Deutschland?

Rund 1.038.000 Handwerksbetriebe gibt es in Deutschland – das entspricht fast 16 % aller Unternehmen im Land.

Das Handwerk ist damit eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft. Rund 5,6 Millionen Menschen arbeiten in der Branche, das sind 12,3 % aller Erwerbstätigen. Allein beim Umsatz steht für 2024 eine Zahl von rund 770 Milliarden Euro – ohne Mehrwertsteuer.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Strukturdaten zusammen (Quelle: ZDH, Kennzahlen des Handwerks):

Kennzahl2024
Handwerksbetriebe gesamt1.038.254
Beschäftigte insgesamtrund 5,6 Millionen
Anteil an allen Erwerbstätigen12,3 %
Auszubildenderund 342.000
Anteil aller Auszubildenden in Deutschland28,2 %
Umsatz (ohne MwSt.)770,7 Mrd. Euro
Anteil am Gesamtumsatz der Wirtschaft7,8 %

Was diese Zahlen nicht zeigen: Hinter der stabilen Betriebsgesamtzahl verbergen sich deutliche Verwerfungen.

Patrick Steeger

Kleine Handwerksunternehmen mit unter 5 Beschäftigten haben in 2024 einen Umsatzrückgang von 15,1 % erlitten. Große Betriebe ab 50 Mitarbeitenden legten dagegen um 3,4 % zu. Wer keine Leute findet, verliert Aufträge – das spiegeln diese Zahlen direkt wider.

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Patrick Steeger, bKV-Experte

Wie viele Handwerker fehlen in Deutschland?

Mindestens 200.000 Stellen bleiben im Handwerk aktuell unbesetzt – das ist die offizielle Einschätzung des ZDH.

Bei den Arbeitsagenturen gemeldet waren zum Jahresende 2024 rund 125.500 offene Stellen. Der ZDH geht davon aus, dass der tatsächliche Bedarf „deutlich über 200.000″ liegt, weil viele Betriebe offene Stellen gar nicht erst melden.

Noch klarer wird das Ausmaß des Problems, wenn man sich anschaut, wie lange Handwerksbetriebe heute warten müssen, bis eine Stelle überhaupt besetzt ist:

ZeitpunktVakanzzeit HandwerkVakanzzeit alle Berufe
2015104 Tage84 Tage
2024224 Tage160 Tage
Anstieg+120 Tage+76 Tage

Handwerksstellen dauern heute mehr als doppelt so lang zur Besetzung wie noch vor zehn Jahren – und liegen damit 40 % über dem ohnehin schon hohen Gesamtschnitt.

Gleichzeitig ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Handwerk seit 2015 um 110.000 zurückgegangen, während sie in der Gesamtwirtschaft um 4,1 Millionen stieg.

Gut zu wissen

Seit 2015 gibt es laut ZDH mehr offene Stellen in handwerklichen Berufen als arbeitslose Handwerker. Das bedeutet: Selbst wenn alle arbeitslosen Handwerker sofort eine neue Stelle anträten, blieben immer noch Tausende Positionen unbesetzt.

In 2024 schätzt der ZDH, dass rund 80.000 Arbeitsplätze verloren gingen – nicht weil die Aufträge fehlten, sondern weil Betriebe schlossen, da kein Nachfolger und kein Personal zu finden war.

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Warum gibt es Fachkräftemangel im Handwerk?

Vier Faktoren treiben den Mangel gleichzeitig an und verstärken sich gegenseitig.

Der ZDH benennt sie klar:

  • Demografischer Wandel: Weniger Junge kommen nach, mehr erfahrene Fachkräfte gehen in Rente
  • Bildungspolitischer Irrweg: Jahrzehntelange Bevorzugung akademischer Bildung gegenüber beruflicher Ausbildung
  • Steigende Studierneigung: Immer mehr Schulabgänger entscheiden sich für ein Studium statt eine Ausbildung
  • Imageproblem: Das Handwerk gilt gesellschaftlich als weniger attraktiv als akademische Berufe

Besonders der letzte Punkt sitzt tief. Laut BIBB verbinden Jugendliche mit Hochschulreife eine Arbeit in Berufen, die auch Hauptschülern offenstehen, mit einem Prestigeverlust. Solange das so wahrgenommen wird, verliert das Handwerk im Wettbewerb um Nachwuchs strukturell.

Fast die Hälfte aller Azubis verschwunden

Was demografischer Wandel und Studierneigung zusammen anrichten, zeigt diese Entwicklung:

JahrAuszubildende im Handwerk
1997rund 633.000
2007rund 483.000
2024rund 341.000

Ein Rückgang von fast 46 % in knapp 30 Jahren. Und das Problem verschärft sich: In 2024 blieben rund 19.000 Handwerks-Lehrstellen mangels geeigneter Bewerber unbesetzt – 18 % aller betrieblich gemeldeten Ausbildungsplätze. Nur noch 28 % der ausbildungsberechtigten Handwerksbetriebe bilden überhaupt noch aus.

Generationswechsel ohne Nachfolger

Dazu kommt die Altersstruktur der Inhaber: Beinahe jeder vierte Betriebsinhaber im Handwerk ist heute über 60 Jahre alt. In den nächsten fünf Jahren steht bei bis zu 125.000 Betrieben ein Generationswechsel an – mehr als 10 % aller Handwerksbetriebe. Findet sich kein Nachfolger, schließt der Betrieb. Damit gehen nicht nur Unternehmen verloren, sondern auch Ausbildungsplätze, Kapazitäten und Jahrzehnte aufgebautes Fach-Know-how.

Welche Handwerker fehlen am meisten?

Elektriker und Fachkräfte für Sanitär, Heizung und Klima fehlen am stärksten – und das genau dann, wenn die Energiewende diese Berufsgruppen am dringendsten braucht.

Die Bundesagentur für Arbeit stuft aktuell 40 Handwerksberufe auf Fachkräfteniveau als Engpassberufe ein. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hat die größten Lücken für den Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 beziffert:

  • Bauelektrik-Fachkräfte: Fachkräftelücke 18.343 – 8 von 10 Stellen bleiben rechnerisch unbesetzt
  • Elektrische Betriebstechnik: Fachkräftelücke 14.218 – ebenfalls mehr als 8 von 10 Stellen unbesetzt
  • Elektrotechnik-Experten: Fachkräftelücke 8.519

Hinzu kommen ausgeprägte Engpässe in Bau- und Ausbauberufen sowie im Metallhandwerk. Im Ausbildungsmarkt trifft es besonders das Fleischer- und Bäckereihandwerk sowie Bau- und Metallberufe: Hier blieb in 2024 ein überproportional hoher Anteil der Lehrstellen unbesetzt.

Bei allen gemeldeten Handwerks-Ausbildungsstellen lag die Nicht-Besetzungsquote bei 38 % – gegenüber 31 % bei IHK-Stellen.

Zuwanderung federt ab, löst aber nicht

Ende 2024 arbeiteten rund 112.000 ausländische Fachkräfte in Handwerksberufen.

Mit einem Ausländeranteil von 23 % liegt das Handwerk bereits über dem Gesamtwirtschaftsschnitt von 19 %. Während die Gesamtbeschäftigung in Handwerksberufen um 1,1 % zurückging, stieg die Zahl ausländischer Beschäftigter gleichzeitig um 1,5 %.

Das Handwerk ist in weiten Teilen bereits auf Zuwanderung angewiesen, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten – reicht aber bei weitem nicht aus, um die strukturelle Lücke zu schließen.

Häufige Fragen

Was ist eine betriebliche Krankenversicherung?
Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist eine vom Arbeitgeber finanzierte Zusatzversicherung für Ihre Belegschaft. Sie hebt Ihr Team auf das Leistungsniveau von Privatpatienten, von hochwertigem Zahnersatz bis zu schnellen Facharztterminen. Angeboten wird sie als arbeitgeberfinanzierter Gruppenvertrag, in dem alle Mitarbeiter automatisch abgesichert sind. Mittlerweile setzen über 47.000 Unternehmen in Deutschland auf eine bKV, für zusammen mehr als 2,3 Millionen Beschäftigte.
Was kostet eine bKV für mein Unternehmen?
Das Budget legen Sie als Arbeitgeber selbst fest, üblich sind ab rund 20 bis 30 € pro Mitarbeiter und Monat. Steuerlich besonders attraktiv: Als Sachbezug bleibt die bKV bis zur Freigrenze von 50 € pro Mitarbeiter und Monat lohnsteuer- und sozialabgabenfrei (§ 8 Abs. 2 EStG). Für Sie sind die Beiträge zudem als Betriebsausgabe abzugsfähig. Mit unserem Rechner sehen Sie in Sekunden, was ein passendes Paket für Ihr Team kostet.
Müssen sich meine Mitarbeiter gesundheitlich prüfen lassen?
Im arbeitgeberfinanzierten Gruppenvertrag entfällt die Gesundheitsprüfung in aller Regel komplett. Ihre Mitarbeiter werden vom ersten Tag an aufgenommen, ungeachtet bestehender Vorerkrankungen, und sind meist sofort leistungsberechtigt. Genau das ist ein großer Vorteil gegenüber einer privaten Zusatzversicherung, die jeder einzeln beantragen müsste.
Ist die bKV steuerlich absetzbar?
Ja. Ihre Beiträge zur bKV sind in der Regel als Betriebsausgabe voll abzugsfähig. Für Ihre Mitarbeiter bleibt die Leistung als Sachbezug bis 50 € pro Monat lohnsteuer- und sozialabgabenfrei (§ 8 Abs. 2 EStG). Wichtig ist die saubere Umsetzung in der Lohnabrechnung, denn schon ein Euro über der Freigrenze macht den gesamten Betrag steuerpflichtig. Auf Wunsch stimmen wir die Gestaltung direkt mit Ihrem Steuerberater ab.
Wie schnell kann ich starten?
Von der ersten Analyse bis zur fertigen bKV vergehen bei uns in der Regel nur rund vier Wochen. Nach einem kostenlosen Erstgespräch und dem Marktvergleich übernehmen wir die komplette Einführung mit minimalem Aufwand für Ihr HR-Team, sodass Ihre bKV schnell und rechtssicher startklar ist.
bKV-Experte Patrick Steeger berät Unternehmen zur betrieblichen Krankenversicherung
Über den Autor
Patrick Steeger
Geschäftsführer & Versicherungsmakler (§ 34d GewO)

Patrick Steeger ist BDSF-zertifizierter Sachverständiger für die betriebliche Krankenversicherung, Versicherungsmakler (§ 34d GewO) und Geschäftsführer der bKV Firmenservice in Hamburg. Seit 2015 ist er auf die bKV spezialisiert und begleitet Unternehmen ungebunden und anbieterübergreifend. Seine Vergütung tragen die Versicherer, für Unternehmen entstehen keine Zusatzkosten.

BDSF-zertifizierter Sachverständiger für bKV (Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter)
Geschäftsführer der bKV Firmenservice (Brandbenefits GmbH, Hamburg)
Betriebswirt (FH Osnabrück) mit Schwerpunkt Personal und Finanzen
Über 12 Jahre Markterfahrung, seit 2015 auf die bKV spezialisiert
Über 250 ungebunden geprüfte Tarifkombinationen
Fachautor zu bKV-Themen, unter anderem für business-wissen.de
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