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Wie hoch ist der Krankenstand in der Pflege in Deutschland?

Pflegekräfte fehlen häufiger als jede andere Berufsgruppe in Deutschland.

Patrick Steeger
Geschäftsführer & Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Zuletzt aktualisiert
5. Juli 2026
Lesezeit
9 Min.
Nachdenklicher Pflegedienstleiter im blauen Hemd blickt aus einem großen Fenster im Flur eines Pflegeheims

Wenn Unternehmen aus der Pflegebranche zu mir kommen, ist das erste Thema fast immer dasselbe: Die Ausfallzeiten fressen die Planung auf. Und das ist keine Übertreibung. Pflegekräfte sind kranker als jede andere Berufsgruppe in Deutschland, mit einem Abstand, der seit Jahren stabil bleibt. In unserer bKV-Beratung für Pflegeeinrichtungen entwickeln wir gezielte Vorsorgekonzepte, um diese hohen Ausfallzeiten in Ihrem Betrieb spürbar zu senken.

Wer in der Pflege beschäftigt, wer Träger eines Pflegedienstes oder einer stationären Einrichtung ist, kommt an diesen Zahlen nicht vorbei.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Pflegekräfte fehlten 2024 im Schnitt 28,5 Tage krankheitsbedingt, das sind über 55 Prozent mehr als der gesamtdeutsche Durchschnitt von 18,2 Tagen (Quelle: Techniker Krankenkasse 2025)
  • Altenpflegekräfte verzeichneten 2024 sogar 33,1 Fehltage pro Person und Jahr, also knapp sieben Wochen
  • Stationäre Pflege führte 2023 das Branchenranking mit einem Krankenstand von 10,08 Prozent an, vor Metallerzeugung und Entsorgung
  • Psychische Erkrankungen haben sich in der ambulanten Pflege seit 2009 verdoppelt und sind mittlerweile die häufigste Ursache für Langzeitausfälle
  • Es gibt starke regionale Unterschiede: Kreis Viersen kommt auf 11,27 Prozent Krankenstand, der Rhein-Sieg-Kreis auf 6,49 Prozent

Wie hoch ist der Krankenstand in der Pflege in Deutschland?

Pflegekräfte sind die am stärksten belastete Berufsgruppe in Deutschland, gemessen an Fehltagen. Das zeigen die Daten der Techniker Krankenkasse, die jährlich zum Tag der Pflegenden veröffentlicht werden und auf einer Auswertungsbasis von rund 6 Millionen versicherten Erwerbspersonen beruhen.

Im Jahr 2024 fehlten Pflegekräfte bundesweit im Durchschnitt 28,5 Tage. Alle anderen Beschäftigten kamen auf 18,2 Tage. Altenpflegekräfte stachen dabei nochmals hervor: 33,1 Fehltage pro Person und Jahr, das sind fast sieben Wochen. Beschäftigte in der Krankenpflege kamen auf 26,7 Tage.

Tabelle 1: Fehltage nach Berufsgruppe 2024 (Quelle: TK-Pressemitteilung, 12. Mai 2025)

BerufsgruppeØ Fehltage 2024
Altenpflegekräfte33,1 Tage
Pflegekräfte gesamt28,5 Tage
Beschäftigte in der Krankenpflege26,7 Tage
Alle Beschäftigungsgruppen18,2 Tage

Für das Jahr 2025 liegen bereits neue Daten vor. Laut TK-Pressemitteilung vom 11. Mai 2026, Datenbasis rund 6,2 Millionen Versicherte, sank der Wert leicht auf 27,8 Fehltage für Pflegekräfte gesamt, 32,7 Tage für Altenpflegekräfte und 25,8 Tage für die Krankenpflege. Laut TK ist das der zweite Rückgang in Folge, aber der Abstand zum Gesamtdurchschnitt von 17,7 Tagen bleibt erheblich.

Ambulante Pflege: Acht Prozent Krankenstand seit 2022

Für die ambulante Pflege liefert der Branchenbericht Ambulante Pflege 2024 des BGF-Instituts im Auftrag der AOK Rheinland und Hamburg besonders detaillierte Daten. Die Datenbasis: rund 30.000 AOK-versicherte Beschäftigte der ambulanten Pflege.

Der Krankenstand in der ambulanten Pflege der Region Rheinland und Hamburg stieg 2022 erstmals auf 8,49 Prozent und erreichte 2023 mit 8,70 Prozent einen neuen Höchstwert. Im Schnitt fehlte jede beschäftigte Person 2023 rund 31,8 Kalendertage. Die Arbeitsunfähigkeitsquote lag bei 70,7 Prozent, das heißt sieben von zehn Beschäftigten meldeten sich mindestens einmal krank.

Noch deutlicher wird das Bild bei der Gesundheitsquote: Nur 29,4 Prozent der Beschäftigten hatten 2023 keine einzige Krankschreibung, der niedrigste Wert seit zwanzig Jahren. 2020 lag dieser Anteil noch bei 44,8 Prozent.

Tabelle 2: Krankenstand in der ambulanten Pflege im Zeitverlauf (Quelle: BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg, Branchenbericht Ambulante Pflege 2024)

JahrKrankenstandAU-Tage je 100 VersichertenjahreØ Falldauer
20196,83 %2.493,614,4 Tage
20206,78 %2.473,715,8 Tage
20216,79 %2.478,316,0 Tage
20228,49 %3.100,613,6 Tage
20238,70 %3.176,712,4 Tage

Auffällig: Die Falldauer sank von 16,0 Tagen in 2021 auf 12,4 Tage in 2023, während die AU-Fallzahl stark stieg. Das deutet darauf hin, dass mehr kurzfristige Erkrankungen auftreten, was teilweise auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab Januar 2023 zurückzuführen ist, die mehr Kurzzeiterkrankungen statistisch erfasst.

Historische Entwicklung des Krankenstands in der Pflege

Wer denkt, das sei ein neues Problem, liegt falsch. Der Krankenstand in der Pflege war schon vor 2020 überdurchschnittlich hoch. Was sich verändert hat, ist das Ausmaß.

Niedersachsen: Von 24 auf 31 Fehltage in vier Jahren

Die TK-Landesvertretung Niedersachsen hat eine Zeitreihe veröffentlicht (Pressemitteilung vom 28. Mai 2025), die den Trend sehr deutlich macht. Datenbasis: über 457.000 TK-versicherte Erwerbspersonen in Niedersachsen.

Tabelle 3: Fehltage von Pflegekräften in Niedersachsen (Quelle: TK Landesvertretung Niedersachsen, 2025)

JahrØ Fehltage Pflegekräfte Niedersachsen
201924,0 Tage
202023,8 Tage
202123,9 Tage
202230,0 Tage
202331,0 Tage
202429,4 Tage

Von 2021 auf 2022 sprangen die Fehltage um mehr als sechs Tage nach oben, ein Anstieg von rund 25 Prozent in einem Jahr. 2024 lag der Wert mit 29,4 Tagen immer noch um 9,3 Tage über dem niedersächsischen Durchschnitt aller Berufe von 20,1 Tagen.

Baden-Württemberg: Leichte Entspannung auf hohem Niveau

Auch Baden-Württemberg zeigt einen ähnlichen Verlauf. Laut TK-Pressemitteilung vom 17. Juni 2026, Datenbasis rund 640.000 TK-versicherte Erwerbspersonen in Baden-Württemberg, erreichten die Fehltage 2022 einen Höchstwert von 25,3 Tagen, sanken bis 2025 auf 22,8 Tage. Altenpflegekräfte lagen 2025 mit 27,6 Fehltagen weiter deutlich über dem Schnitt aller Berufe in BW von 14,5 Tagen.

Psychische Diagnosen: Verdopplung seit 2009

Das ist der Trend, der mich in Gesprächen mit Pflegedienstträgern am meisten beschäftigt.

Laut Branchenbericht Ambulante Pflege 2024 (BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg) haben sich Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in der ambulanten Pflege im Zeitraum von 2009 bis 2023 um hundert Prozent erhöht, gerechnet auf Basis eines Index von 2009 gleich 100 Prozent.

Dazu kommen Nerven- und Sinneserkrankungen, die seit 2009 um rund 60 Prozent zunahmen.

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Patrick Steeger im dunklen Sakko sitzt an einem Holztisch und blickt lächelnd in die Kamera

Welche sind die häufigsten Gründe für AU-Tage in der Pflege?

In der ambulanten Pflege 2023 waren psychische Erkrankungen für 18,47 Prozent aller AU-Tage verantwortlich, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 16,64 Prozent und Atemwegserkrankungen mit 14,36 Prozent (Quelle: BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg).

Das heißt: Psyche hat Muskel-Skelett als größten Einzeltreiber für AU-Tage überholt.

Patrick Steeger

Bei den AU-Fällen sieht das Bild anders aus: Atemwegserkrankungen verursachten mit 26,94 Prozent der Fälle die meisten Krankschreibungen, also kurzfristig und häufig. Psychische Erkrankungen stehen bei den Fällen mit 6,69 Prozent weiter hinten, verursachen aber überproportional lange Ausfälle.

Unterschrift Patrick Steeger

Tabelle 4: Hauptdiagnosegruppen nach Anteil AU-Tage, ambulante Pflege 2023 (Quelle: BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg)

DiagnosegruppeAnteil AU-Tage 2023Anteil AU-Tage 2022
Psychische Erkrankungen18,47 %16,19 %
Muskel-Skelett16,64 %16,16 %
Atemwege14,36 %15,01 %
Verletzungen6,66 %6,42 %
Nerven und Sinne5,48 %4,61 %
Infektionen4,28 %4,06 %
Herz-Kreislauf3,40 %3,31 %
Verdauung3,39 %3,03 %

Sechs von zehn Spitzendiagnosen sind psychisch

Besonders eindrücklich ist die Liste der zehn häufigsten Diagnosen nach AU-Tagen in der ambulanten Pflege 2023. Sechs der zehn Positionen sind psychische Erkrankungen (Quelle: BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg):

Tabelle 5: Top-10-Diagnosen nach AU-Tagen je 100 Versichertenjahre, ambulante Pflege 2023

RangDiagnoseAU-Tage je 100 VJ
1Akute Infektionen der oberen Atemwege377,0
2Depressive Episode303,5
3Rückenschmerzen294,7
4Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen281,2
5Andere Angststörungen146,8
6Rezidivierende depressive Störung127,1
7Andere neurotische Störungen119,0
8Covid-19109,0
9Andere neurotische Störungen106,8
10Somatoforme Störungen86,0

Was zeigen die TK-Daten ergänzend?

Laut TK-Pressemitteilung vom 12. Mai 2025 entfielen auf Pflegekräfte bundesweit 2024 je Person 5,7 Fehltage durch psychische Diagnosen, 5,7 Tage durch Erkrankungen des Atmungssystems und 4,9 Tage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Für 2025 zeigen die TK-Daten (TK-Pressemitteilung, 11. Mai 2026): 5,7 Tage psychische Erkrankungen, 5,3 Tage Atmungssystem, 4,8 Tage Muskel-Skelett.

Strukturelle Ursachen hinter den Zahlen

Wer die Branche kennt, ahnt die Gründe. Die Krankenkassen benennen sie in ihren Berichten klar:

  • Körperliche Belastung durch häufiges Heben, Bücken und Lagern erhöht die Rate an Muskel-Skelett-Erkrankungen
  • Emotionale und psychische Belastung durch Konfrontation mit Leid, Sterben und herausfordernden Situationen, verstärkt durch Schichtarbeit
  • Personalunterbesetzung führt zur Mehrbelastung der verbleibenden Kräfte, eine selbstverstärkende Spirale aus Krankenstand, Unterbesetzung und noch mehr Krankenstand
  • Erhöhtes Infektionsrisiko durch häufigen Patientenkontakt
  • Schichtarbeit und lange Arbeitszeiten als zentraler Belastungsfaktor (TK)

Der DAK-Psychreport für 2025 (IGES Institut, Datenbasis 2,42 Millionen erwerbstätige DAK-Versicherte) zeigt zudem: Im Gesundheitswesen lagen psychisch bedingte Fehltage um 39 Prozent über dem branchenübergreifenden Durchschnitt. Pflegeberufe und Altenpflege kamen auf 573 psychisch bedingte Fehltage je 100 Beschäftigte im Jahr 2024, verglichen mit 342 Tagen im Gesamtdurchschnitt.

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Regionale Unterschiede im Krankenstand in der Pflege

Pauschale Aussagen über die Pflegebranche greifen zu kurz, weil die regionalen Unterschiede erheblich sind. Das zeigt der Branchenbericht Ambulante Pflege 2024 des BGF-Instituts sehr deutlich.

Im Jahr 2023 reichte die Spanne allein im Rheinland und Hamburg von 6,49 Prozent Krankenstand im Rhein-Sieg-Kreis bis 11,27 Prozent im Kreis Viersen, also fast das Doppelte.

Tabelle 6: Krankenstand in der ambulanten Pflege nach Regionen 2023 (Quelle: BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg)

RegionKrankenstand 2023
Kreis Viersen11,27 %
ehem. Kreis Aachen10,67 %
Essen10,58 %
Kreis Heinsberg10,11 %
Rhein-Erft-Kreis10,03 %
Oberhausen9,74 %
Solingen9,55 %
Aachen8,72 %
Köln8,52 %
Düsseldorf8,10 %
Hamburg7,87 %
Rhein-Sieg-Kreis6,49 %
Rheinland gesamt8,70 %

Psychische Belastung regional noch stärker gestreut

Noch größer sind die Unterschiede bei den psychisch bedingten Fehltagen. Der Kreis Viersen kommt auf 1.267,60 AU-Tage je 100 Versichertenjahre durch psychische Erkrankungen, der Rhein-Sieg-Kreis auf 420,80. Das entspricht einem Faktor von drei zwischen dem belastetsten und dem am wenigsten belasteten Kreis in der Region.

Für Träger und Unternehmen bedeutet das: Ein regionaler Vergleich lohnt sich. Wer in strukturell belasteten Regionen tätig ist, steht vor anderen Herausforderungen als ein Dienst in Hamburg oder im Rhein-Sieg-Kreis.

Branchenvergleich: Krankenstand in der Pflege vs. alle Branchen

Pflege ist nicht einfach eine belastete Branche. Sie belegt in fast allen Vergleichsstatistiken die vorderen Plätze, häufig den ersten.

Stationäre Pflege führt das Branchenranking an

Laut Branchenbericht Ambulante Pflege 2024 (BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg), Branchenvergleich für 2023, verzeichnete die stationäre Pflege mit 10,08 Prozent den höchsten Krankenstand aller betrachteten Branchen. Die ambulante Pflege lag mit 8,70 Prozent auf Platz fünf.

Tabelle 7: Branchenranking nach Krankenstand 2023 (Quelle: BGF-Institut / AOK Rheinland/Hamburg)

BrancheKrankenstand 2023Krankenstand 2022
Stationäre Pflege10,08 %9,86 %
Metallerzeugung9,32 %9,00 %
Ver- und Entsorgung8,92 %8,83 %
Nahrungsmittelherstellung8,91 %8,87 %
Ambulante Pflege8,70 %8,49 %
Herstellung Metallwaren8,44 %8,29 %
Maschinenbau / Fahrzeugbau8,13 %8,04 %
Verkehr / Lagerei7,92 %7,62 %
Einzelhandel7,70 %7,43 %
Gesundheitswesen gesamt6,86 %6,65 %
Information / Kommunikation4,32 %4,08 %

DAK-Daten bestätigen den Befund für 2024 und 2025

Der DAK-Gesundheitsreport für 2025 (IGES Institut, Datenbasis 2,4 Millionen DAK-versicherte Beschäftigte) weist das Gesundheitswesen mit einem Krankenstand von 6,3 Prozent für das Jahr 2024 als Spitzenreiter aller Branchen aus, deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 5,4 Prozent. Verkehr, Lagerei und Kurierdienste kamen auf 6,0 Prozent, Banken und Versicherungen auf 4,0 Prozent, Datenverarbeitung auf 3,5 Prozent.

Für 2025 zeigt der DAK-Gesundheitsreport für 2026 (Pressemitteilung vom 19. Januar 2026): Beschäftigte in der Pflege kamen auf einen Krankenstand von 8,1 Prozent, Kindertagesstätten auf 7,6 Prozent, Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen auf 6,2 Prozent mit 22,5 Fehltagen pro Kopf, der höchste Wert aller Branchen.

Volkswirtschaftliche Dimension

Legt man die TK-Daten für 2024 auf die rund 1,7 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Pflegekräfte bundesweit um, ergeben sich rechnerisch etwa 48,5 Millionen verlorene Personentage pro Jahr allein in der Pflege (Quelle: pflegenot-deutschland.de auf Basis TK-Daten 2024).

Gut zu wissen

Was das für Pflegeunternehmen konkret bedeutet, liegt auf der Hand. Wer als Träger die Zahlen kennt und nichts dagegen tut, lässt bares Geld liegen und verschlechtert gleichzeitig die Situation der verbleibenden Belegschaft. Das ist die selbstverstärkende Spirale, die die Krankenkassen seit Jahren beschreiben und die in der Branche noch immer zu selten strategisch angegangen wird.

Die entscheidende Frage für Sie als Träger oder Personalverantwortliche lautet also nicht, ob Ihr Haus betroffen ist. Die Frage ist, welche konkreten Maßnahmen Sie heute einleiten, um Ihre Belegschaft zu stabilisieren, bevor der nächste Ausfall Ihr Planungsgerüst wieder zum Einsturz bringt.

Häufige Fragen

Welchen Einfluss hat die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf die statistische Erfassung der Fehltage?
Die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab Januar 2023 sorgt dafür, dass mehr Kurzzeiterkrankungen statistisch erfasst werden. Dadurch stieg die Fallzahl an Krankschreibungen, während die durchschnittliche Falldauer in der ambulanten Pflege von 16,0 Tagen im Jahr 2021 auf 12,4 Tage im Jahr 2023 sank.
Unterscheidet sich das Ausmaß der Fehltage zwischen Altenpflegekräften und Beschäftigten in der Krankenpflege?
Ja, Altenpflegekräfte weisen im Vergleich höhere Ausfallzeiten auf. Im Jahr 2024 fehlten Altenpflegekräfte bundesweit durchschnittlich 33,1 Tage, während Beschäftigte in der Krankenpflege auf 26,7 Fehltage kamen. Auch im Jahr 2025 blieb dieser Abstand mit 32,7 Tagen in der Altenpflege gegenüber 25,8 Tagen in der Krankenpflege bestehen.
Wie viele Beschäftigte in der ambulanten Pflege bleiben über ein gesamtes Kalenderjahr hinweg arbeitsfähig?
Der Anteil der Beschäftigten ohne eine einzige Krankschreibung ist stark rückläufig. Im Jahr 2023 erreichten nur 29,4 Prozent der Beschäftigten in der ambulanten Pflege diese Gesundheitsquote. Im Jahr 2020 lag der Anteil der Mitarbeiter ohne Arbeitsunfähigkeitsmeldung noch bei 44,8 Prozent.
Wie wirkt sich eine bestehende Personalunterbesetzung auf die weitere Entwicklung des Krankenstands aus?
Krankenkassenberichte identifizieren eine Personalunterbesetzung als Auslöser für eine Mehrbelastung der verbleibenden Pflegekräfte. Dieser Umstand erzeugt eine selbstverstärkende Spirale, bei der anfängliche Fehlzeiten zu noch höheren Krankenständen im gesamten Team führen. Durch gezielte Vorsorgekonzepte aus der Beratung zur betrieblichen Krankenversicherung können Sie dieser Dynamik im Betrieb gegensteuern.
Auf welchen Erhebungsdaten beruhen die bundesweiten Auswertungen zum Krankenstand im Gesundheitswesen?
Die Auswertungen der Techniker Krankenkasse stützen sich auf Daten von 6 bis 6,2 Millionen versicherten Erwerbspersonen. Die DAK-Gesundheitsreporte nutzen Angaben von rund 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten. Für die ambulante Pflege im Rheinland und in Hamburg wertete das BGF-Institut die Daten von rund 30.000 versicherten Pflegekräften aus.
Porträt von Patrick Steeger, Versicherungsmakler für betriebliche Krankenversicherung
Über den Autor
Patrick Steeger
Geschäftsführer & Versicherungsmakler (§ 34d GewO)

Patrick Steeger ist BDSF-zertifizierter Sachverständiger für die betriebliche Krankenversicherung, Versicherungsmakler (§ 34d GewO) und Geschäftsführer der bKV Firmenservice in Hamburg. Seit 2015 ist er auf die bKV spezialisiert und begleitet Unternehmen ungebunden und anbieterübergreifend. Seine Vergütung tragen die Versicherer, für Unternehmen entstehen keine Zusatzkosten.

BDSF-zertifizierter Sachverständiger für bKV (Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter)
Geschäftsführer der bKV Firmenservice (Brandbenefits GmbH, Hamburg)
Betriebswirt (FH Osnabrück) mit Schwerpunkt Personal und Finanzen
Über 12 Jahre Markterfahrung, seit 2015 auf die bKV spezialisiert
Über 250 ungebunden geprüfte Tarifkombinationen
Fachautor zu bKV-Themen, unter anderem für business-wissen.de
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