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Krankenstand im Baugewerbe: Aktuelle Statisitken & Prognosen

Alles, was Geschäftsführer über die bKV wissen müssen, einfach erklärt.

Patrick Steeger
Geschäftsführer & Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Zuletzt aktualisiert
10. Juli 2026
Lesezeit
11 Min.
bKV-Berater Patrick Steeger als Autor des Ratgebers zur Mitarbeitergesundheit

Wer im Baugewerbe tätig ist, weiß: Körperlich ist dieser Beruf einer der härtesten überhaupt. Schweres Heben, Zwangshaltungen, Lärm, Staub, Kälte, Hitze – das zieht sich durch alle Berufsgruppen im Bau, vom Maurer bis zum Dachdecker. Dass sich all das langfristig in den Gesundheitsstatistiken niederschlägt, ist keine Überraschung. Überraschend ist für viele Arbeitgeber aber, wie konkret und wie teuer das in Euro und Ausfallzeiten wird.

Dieser Artikel fasst die aktuellen Zahlen zum Krankenstand im Baugewerbe zusammen, zeigt die wichtigsten Ursachen und ordnet die Branche in den gesamtdeutschen Kontext ein.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Bau- und Ausbaugewerbe verzeichnete 2023 laut IKK classic mit 7,9 Prozent den höchsten Krankenstand aller handwerklichen Gewerbegruppen, Maurer kamen auf 10,0 Prozent
  • Im Branchenvergleich kommt die stationäre Pflege noch darüber, aber im produzierenden und handwerklichen Bereich führt das Baugewerbe das Ranking an
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen 39,2 Prozent aller AU-Tage im Bau, fast doppelt so viel wie im Nichthandwerk mit 25,8 Prozent
  • 2024 gab es im Baugewerbe 91.813 meldepflichtige Arbeitsunfälle und 78 tödliche Unfälle
  • Hitze wird zunehmend zum Risikofaktor: An einem Hitzetag mit über 30 Grad steigen Krankmeldungen laut einer aktuellen Studie im Schnitt um 3,5 Prozent

Wie hoch ist der Krankenstand im Baugewerbe?

Für das Baugewerbe gibt es keine einheitliche Zahl, weil verschiedene Krankenkassen unterschiedliche Versichertengruppen auswerten. Der vollständigste Blick auf die Branche ergibt sich aus der Kombination mehrerer Quellen.

Gut zu wissen

Die DAK-Gesundheit wertete für 2024 branchenspezifisch aus und kam für das Baugewerbe auf einen Krankenstand von 5,0 Prozent, also etwas unter dem Gesamtschnitt aller Branchen von 5,4 Prozent. Die Falldauer lag mit 10,1 Tagen minimal über dem Gesamtschnitt von 9,7 Tagen. Bauarbeiter waren im Mittel 1,6 Tage weniger krank als im Vorjahr. Hintergrund dieser Auswertung ist die IGES-Analyse von 2,4 Millionen DAK-versicherten Beschäftigten, berichtet durch die Deutsche Handwerks-Zeitung am 28. Januar 2025.

Deutlich höhere Werte zeigt die IKK classic, die traditionell einen hohen Anteil von Handwerks- und Bauberufen unter ihren Versicherten hat.

Der IKK-Kurzbericht Gesundheit 2024 (Berichtsjahr 2023) weist für das Bau- und Ausbaugewerbe einen Krankenstand von 7,9 Prozent aus, den höchsten Wert unter allen handwerklichen Gewerbegruppen.

70,4 Prozent der Beschäftigten waren im Jahresverlauf mindestens einmal krankgeschrieben, jede Person kam auf durchschnittlich 1,9 Krankheitsfälle pro Jahr mit einer Falldauer von 15,5 Tagen.

Im Schnitt fiel jede beschäftigte Person 29 Kalendertage aus.

Krankenstand nach Berufsgruppen im Bau

Innerhalb des Baugewerbes gibt es erhebliche Unterschiede je nach Berufsgruppe.

Maurerhandwerk und Tiefbau tragen dabei die höchste Last. Der IKK-Kurzbericht Gesundheit 2024 liefert dazu detaillierte Zahlen auf Basis der versicherten Handwerksbeschäftigten im Berichtsjahr 2023. Die Daten sind über das IKK-Kurzbericht-PDF öffentlich zugänglich.

Tabelle 1: Krankenstand nach Berufsgruppen im Baugewerbe 2023 (Quelle: IKK classic, Kurzbericht Gesundheit 2024)

BerufsgruppeKrankenstandBeschäftigte mit mind. 1 AU-TagFälle je PersonFalldauerFehltage je Person
Maurerhandwerk10,0 %74,1 %1,919,2 Tage36,9
Dachdeckerhandwerk8,8 %77,6 %2,214,6 Tage32,1
Tiefbau8,7 %70,2 %2,016,1 Tage31,8
Hochbau8,1 %66,8 %1,816,0 Tage29,5
Maler- und Lackiererhandwerk7,8 %73,9 %2,113,9 Tage29,1
Zimmerhandwerk7,7 %73,8 %1,914,5 Tage28,2

Besonders auffällig ist der Wert beim Maurerhandwerk: 36,9 Fehltage pro Person und Jahr bedeuten, dass jeder Maurer im Schnitt mehr als sieben Arbeitswochen ausfällt. Das schlägt in der Personalplanung durch, und zwar spürbar.

Handwerk erreicht dritten Höchststand in Folge

Für das Handwerk insgesamt veröffentlichte die IKK classic im Februar 2025 die Jahresauswertung für 2024 auf Basis von rund 400.000 handwerksversicherten Beschäftigten. Der Krankenstand lag bei 7,0 Prozent, der dritte Höchstwert in Folge. 70,1 Prozent der Mitarbeitenden fehlten mindestens einmal, jede Person verzeichnete 2,1 Krankheitsfälle pro Jahr. Der Anteil von Langzeiterkrankungen über 42 Tage stieg auf 47,6 Prozent.

Vergleich mit gesamtdeutschem Krankenstand

Um die Baubranchenzahlen einordnen zu können, lohnt ein kurzer Blick auf den Gesamtrahmen. Die DAK weist für 2024 einen Gesamtkrankenstand von 5,4 Prozent aus, die TK kommt auf 5,23 Prozent und die AOK auf 6,5 Prozent. Der höhere AOK-Wert erklärt sich durch deren Versichertenstruktur mit überdurchschnittlich vielen körperlich arbeitenden Beschäftigten. Der BKK-Dachverband berichtet für 2024 einen Wert von 6,1 Prozent.

Patrick Steeger

Das Baugewerbe liegt je nach Datenquelle zwischen dem Gesamtschnitt und deutlich darüber. Die höheren IKK-Werte dürften die Realität der körperlich arbeitenden Berufsgruppen besser abbilden als der DAK-Wert.

Unterschrift Patrick Steeger

Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten im Baugewerbe

Neben dem allgemeinen Krankenstand gibt es im Baugewerbe eine zweite, besonders relevante Kennzahl: Arbeitsunfälle. Das Baugewerbe ist eine der unfallträchtigsten Branchen in Deutschland, nicht weil Sicherheitsvorschriften ignoriert werden, sondern weil die physischen Risiken dieser Arbeit strukturell hoch sind.

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) betreut mehr als 3 Millionen Versicherte und rund 604.000 Unternehmen. Sie veröffentlicht jährlich eine detaillierte Statistik zu Unfällen und Berufskrankheiten. Die aktuellen Zahlen für 2024 wurden am 11. Juli 2025 veröffentlicht und sind über das Presseportal der BG BAU abrufbar.

Arbeitsunfälle in 2024

Im Jahr 2024 gab es in der Bauwirtschaft und baunahen Dienstleistungen 91.813 meldepflichtige Arbeitsunfälle. Das waren 4.340 weniger als 2023, ein Rückgang von 4,5 Prozent. Trotz dieses Rückgangs blieb die Unfallquote mit 43,76 meldepflichtigen Unfällen je 1.000 Versicherte deutlich über dem Branchendurchschnitt.

Zum Vergleich: Laut DGUV-Daten aus 2023 kamen auf 1.000 Vollarbeiter im Baugewerbe 52,1 meldepflichtige Unfälle, während der Durchschnitt aller gewerblichen Berufsgenossenschaften bei 18,3 lag.

Gut zu wissen

78 Menschen starben 2024 durch Arbeitsunfälle am Bau, zwei mehr als im Vorjahr. Drei Ursachen allein erklären 77 Prozent aller tödlichen Unfälle: Absturzunfälle mit einem Anteil von 36 Prozent, herabfallende oder kippende Bauteile mit 26 Prozent und Unfälle mit Baumaschinen mit 15 Prozent.

Historisch gesehen zeigt sich eine klare Verbesserungstendenz. Noch 2020 lagen die meldepflichtigen Arbeitsunfälle bei rund 104.000, seitdem ging der Wert kontinuierlich zurück: 2021 auf 103.525, 2022 erstmals unter 100.000, 2023 auf rund 96.000 und 2024 auf 91.813.

Das ist eine relevante Verbesserung, aber der strukturell hohe Unfallstand bleibt eine Branchenrealität.

Berufskrankheiten in 2024

Neben Arbeitsunfällen ist die Entwicklung bei Berufskrankheiten im Bau bemerkenswert. 2024 gingen bei der BG BAU 21.061 Verdachtsmeldungen auf Berufskrankheiten ein, 7,1 Prozent mehr als 2023. Das sind 1.403 Meldungen mehr als im Vorjahr.

Die fünf häufigsten gemeldeten Berufskrankheiten im Baugewerbe zeigen, was körperliche Arbeit über Jahrzehnte auslöst. Die Zahlen beziehen sich auf den Bericht der BG BAU für 2024 (Pressemitteilung, 11. Juli 2025).

Tabelle 2: Top-5 gemeldete Berufskrankheiten im Baugewerbe 2024 (Quelle: BG BAU, Pressemitteilung Juli 2025)

BerufskrankheitMeldungen 2024
Lärmschwerhörigkeit4.946
Hautkrebs durch UV-Strahlung3.071
Bandscheibenbedingte Wirbelsäulenerkrankungen2.080
Verschleißerkrankungen des Kniegelenks1.748
Lungenkrebs mit Asbeststaublungenerkrankung1.313

366 Menschen starben 2024 durch Berufskrankheiten im Baubereich. Davon entfielen 119 Todesfälle auf Mesotheliom durch Asbest, 88 auf Asbestose mit Lungenkrebs und 49 auf Asbeststaublungenerkrankungen. Die Asbeststerblichkeit zeigt: Belastungen von vor Jahrzehnten töten heute noch.

Kosten der BG BAU in 2024

Die finanziellen Dimensionen dieser Unfalls- und Berufskrankheitslast sind erheblich. Die BG BAU leistete 2024 Entschädigungsleistungen von insgesamt rund 1,91 Milliarden Euro, 2,6 Prozent mehr als 2023. Davon entfielen rund 1,07 Milliarden auf Renten und rund 813 Millionen auf Rehabilitationsmaßnahmen, aufgeteilt in etwa 249 Millionen für ambulante Heilbehandlung und rund 196 Millionen für stationäre Behandlung und häusliche Krankenpflege.

Gesamtdeutsch belaufen sich die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für 2024 auf 134 Milliarden Euro, der Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 227 Milliarden Euro. Die Daten sind auf der BAuA-Website zugänglich.

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Was sind Ursachen für den hohen Krankenstand im Baugewerbe?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht eine einzelne Ursache, sondern ein Bündel aus physischen, organisatorischen und demografischen Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. Im Hintergrund spielt außerdem ein statistischer Effekt eine Rolle, der oft übersehen wird.

Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen fast 40 Prozent aller Fehltage

Im Bau- und Ausbaugewerbe sind Muskel-Skelett-Erkrankungen für 39,2 Prozent aller AU-Tage verantwortlich. Zum Vergleich: Im Nichthandwerk liegt dieser Anteil bei 25,8 Prozent. Das ist kein kleiner Unterschied, sondern ein strukturelles Branchenproblem.

Der betriebsärztliche Gesundheitsbericht 2025 der BG BAU, der auf Daten von 16.352 Maurern aus den Jahren 2021 bis 2023 basiert, liefert dazu ein sehr konkretes Bild. 98 Prozent der untersuchten Maurer gaben an, mindestens einer der aufgeführten körperlichen Belastungen ausgesetzt zu sein. Fast die Hälfte arbeitete regelmäßig in Zwangshaltungen, rund ein Drittel stand unter Stress- und Zeitdruck.

Der Bericht ist über die BG BAU-Website abrufbar.

Die spezifischen Risikofaktoren für Muskel-Skelett-Erkrankungen im Bau lassen sich klar benennen:

  • Schweres Heben und Tragen von Mauersteinen, Tonziegeln und Fertigteilen
  • Arbeiten in knienden und gebückten Positionen
  • Hand-Arm-Vibrationen durch Presslufthämmer und Trennschleifer
  • Ganzkörpervibrationen durch Baumaschinen, belastend besonders für die Lendenwirbelsäule
  • Exposition gegenüber Kälte, Nässe und Zugluft, die lokale Muskelverspannungen fördert

Bei den gesundheitlichen Beschwerden zeigte der BG-BAU-Gesundheitsbericht: 22 Prozent der Maurer klagten über Wirbelsäulen- oder Rückenbeschwerden, 21 Prozent über Gelenk- oder Gliederschmerzen. In der Altersgruppe 55 bis unter 65 Jahre stiegen diese Werte auf 36 Prozent bei Rückenbeschwerden an.

Verletzungen und Unfälle: Zweithöchster Faktor bei AU-Tagen

Verletzungen und Vergiftungen verursachen im Bau- und Ausbaugewerbe 19,1 Prozent aller AU-Tage. Im Nichthandwerk liegt dieser Wert bei 12,2 Prozent. Die Unfallquote von 52,1 meldepflichtigen Unfällen je 1.000 Vollarbeiter im Baugewerbe gegenüber 18,3 im BG-Durchschnitt macht deutlich: Das Verletzungsrisiko ist strukturell dreimal so hoch wie in anderen Branchen.

Psychische Erkrankungen liegen och unter dem Branchendurchschnitt

Im direkten Vergleich liegt das Baugewerbe bei psychischen Erkrankungen noch unter vielen anderen Branchen. Im IKK-Kurzbericht 2024 entfielen 8,1 Prozent der AU-Tage im Bau auf psychische Erkrankungen, gegenüber 22,1 Prozent im Nichthandwerk.

Das klingt wie eine gute Nachricht, verdeckt aber einen wichtigen Trend: Im Handwerk gesamt stieg der Anteil psychischer Erkrankungen an den AU-Tagen von 13,8 Prozent in 2023 auf 14,2 Prozent in 2024.

Forschungsseitig sind die psychosozialen Risiken im Baugewerbe gut dokumentiert. Eine internationale Metaanalyse aus 2021 mit 48 Studien und rund 13.000 Befragten (Sun et al., Safety Science) zeigte: Mehr als 60 Prozent der Bauarbeiter standen unter Zeit- und Termindruck, die Hälfte fühlte sich dadurch belastet.

Konflikte zwischen Mitarbeitenden gefährdeten besonders häufig die psychische Gesundheit. Auch der BG-BAU-Gesundheitsbericht zum Maurerhandwerk bestätigt: Rund ein Drittel der Maurer berichtete von Stress- und Zeitdruck als täglicher Belastung.

Hitze ist ein wachsender Risikofaktor durch den Klimawandel

Dass Hitze die Krankmeldungen treibt, ist für das Baugewerbe besonders relevant, weil ein Großteil der Arbeit im Freien stattfindet. Der DAK-Gesundheitsreport 2024 mit dem Sonderthema Arbeitswelt und Hitze (IGES Institut) zeigt, wie stark Hitze bereits heute in die Arbeitsfähigkeit eingreift:

  • 23 Prozent der Beschäftigten fühlen sich bei Hitze stark belastet, das entspricht über 10 Millionen Menschen
  • Als besonders betroffen nennt der Bericht ausdrücklich das Baugewerbe und das Handwerk
  • Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten erlebten im Sommer 2023 Leistungseinbußen durch Hitze
  • 19 Prozent berichteten von konkreten Gesundheitsproblemen, bei hitzebelasteten Erwerbstätigen waren es 39 Prozent
  • Häufigste Symptome: Abgeschlagenheit (68 %), Kreislaufbeschwerden (65 %), Kopfschmerzen (50 %)

Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (noch im Peer-Review-Verfahren, Stand 2026) quantifiziert den Effekt: An einem Hitzetag mit über 30 Grad steigen Krankmeldungen im Schnitt um 3,5 Prozent. Nach drei aufeinanderfolgenden Hitzetagen liegt der Anstieg bei 5 Prozent, nach sieben Tagen bei 10,8 Prozent.

Eine dreitägige Hitzewelle verursacht zusätzliche Kosten von rund 32 Millionen Euro allein für Lohnfortzahlung.

Altersstruktur und zunehmende Belastung im Laufe der Karriere

Die körperliche Belastung im Baugewerbe addiert sich über die Jahre. Das zeigt sich besonders deutlich im BG-BAU-Gesundheitsbericht: In der Altersgruppe 55 bis unter 65 Jahre wiesen 65 Prozent der Maurer einen auffälligen Hörtest auf.

Rückenbeschwerden betrafen 36 Prozent in dieser Altersgruppe, verglichen mit 22 Prozent im Gesamtschnitt. 54 Prozent waren übergewichtig oder adipös, gegenüber 40 Prozent im Bevölkerungsdurchschnitt derselben Altersgruppe.

Die IKK classic bestätigt dieses Muster: Männer ab 50 Jahren im Handwerk weisen wesentlich höhere Krankenstände auf als jüngere Kollegen. Da gleichzeitig der Anteil älterer Erwerbstätiger steigt, erhöht dieser Faktor den Branchenkrankenstand strukturell, unabhängig von allem anderen.

Fachkräftemangel und Arbeitsverdichtung

Wer in der Branche beschäftigt, bei dem Betrieb ist oder Personalverantwortung trägt, kennt das Muster: Fachkräftemangel führt dazu, dass die Verbliebenen mehr leisten müssen. Die WSI-Expertin Elke Ahlers von der Hans-Böckler-Stiftung beschreibt den Mechanismus: Fachkräfteengpässe führen zu Arbeitsverdichtung, Multitasking und Mehrarbeit. Pausen werden eingeschränkt, der Feierabend ist nicht mehr sicher. Das führt zu Erschöpfung und erhöhten Krankenständen.

Eine SOKA-BAU-Studie zeigt, warum Fachkräfte die Bauwirtschaft verlassen. Gesundheitliche Belastungen führen die Liste an, mit deutlichem Abstand vor anderen Gründen:

  • Gesundheitliche Belastungen: 38 Prozent der Abwandernden nennen das als Hauptgrund
  • Schlechte ökonomische Rahmenbedingungen: 25 Prozent
  • Kündigung oder Insolvenz des Arbeitgebers: 13 Prozent
  • Zu hohe Arbeitsbelastung: 12 Prozent

Krankheit treibt also nicht nur die Ausfallzeiten, sondern auch die Fluktuation. Wer krank wird und keine Besserung erwartet, geht.

eAU-Meldeeffekt erklärt einen Großteil des statistischen Anstiegs

Ein Faktor, der in keiner Diskussion über steigende Krankenstände fehlen darf: der eAU-Meldeeffekt.

Seit Anfang 2022 werden Krankschreibungen direkt von Arztpraxen an die Krankenkassen übermittelt, ohne Einreichung durch die Versicherten selbst. Eine IGES-Sonderanalyse im Auftrag der DAK (Januar 2025, zugänglich über iges.com) zeigt, wie groß dieser Effekt ist und was er bedeutet:

  • Rund 60 Prozent des statistischen Anstiegs bei Erkältungserkrankungen erklärt sich durch die eAU allein
  • Der Anteil derjenigen, die sich immer mit ärztlicher Bescheinigung krankmelden, stieg von 2015 bis 2024 um 10 Prozentpunkte
  • 92,2 Prozent der Beschäftigten gaben an, nie ohne triftigen Grund gefehlt zu haben
  • 85,4 Prozent erklärten, in den vergangenen zwölf Monaten nie bei geringer Symptomatik gefehlt zu haben

Ein Teil des gemessenen Krankenstandanstiegs seit 2022 ist also kein echter Anstieg der Erkrankungshäufigkeit, sondern bessere Erfassung. Für die Praxis bleibt der Befund trotzdem ernst. Der tatsächliche Krankenstand im Baugewerbe war wohl schon immer höher als die alten Statistiken auswiesen.

Die neuen Zahlen sind die ehrlicheren.

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Häufige Fragen

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Über den Autor
Patrick Steeger
Geschäftsführer & Versicherungsmakler (§ 34d GewO)

Patrick Steeger ist BDSF-zertifizierter Sachverständiger für die betriebliche Krankenversicherung, Versicherungsmakler (§ 34d GewO) und Geschäftsführer der bKV Firmenservice in Hamburg. Seit 2015 ist er auf die bKV spezialisiert und begleitet Unternehmen ungebunden und anbieterübergreifend. Seine Vergütung tragen die Versicherer, für Unternehmen entstehen keine Zusatzkosten.

BDSF-zertifizierter Sachverständiger für bKV (Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter)
Geschäftsführer der bKV Firmenservice (Brandbenefits GmbH, Hamburg)
Betriebswirt (FH Osnabrück) mit Schwerpunkt Personal und Finanzen
Über 12 Jahre Markterfahrung, seit 2015 auf die bKV spezialisiert
Über 250 ungebunden geprüfte Tarifkombinationen
Fachautor zu bKV-Themen, unter anderem für business-wissen.de
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